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Nordkorea braucht Veränderung

Nordkorea braucht Veränderung

Dr. Wolfgang Jamann berichtet von seiner Projektreise im Jahr 2012

(Januar 2013) Jeder Besuch in Nordkorea beginnt in Pjöngjang. Die Haupt- und Vorzeigestadt ist erschlagend in ihrer Monumentalität, sie bildet einen faszinierenden Kontrast zwischen Transport-Technologie der sechziger Jahre und moderner asiatischer Architektur.  Archaische tschechische und ostdeutsche Straßenbahnen und ausrangierte Wagen der Ostberliner S-Bahn sind hier noch im Dienst.

Die Verkehrspolizistinnen dirigieren aber schon längst nicht mehr nur den "Phantomverkehr". Moderne Geländewagen und Mercedes Limousinen prägen heute das Bild - Privatfahrzeuge in denen Wohlstand zur Schau gestellt wird. Die fünf 'M' beherrschen die Stadt: Mobiles, Maisonettes, Motors, Markets und Money - angeblich gibt es 1 Millionen Mobiltelefone in Nordkorea. Ganz offen wird hier auch über Wirtschaftsziele gesprochen. Nicht zuletzt in den neuen Sonderwirtschaftszonen, die Investoren aus dem Ausland anziehen sollen.

Obstbauer Heun Hwang und Dr. Wolfgang Jamann.
Besuch auf der Plantage: Obstbauer Heun Hwang und Dr. Wolfgang Jamann.
Dr. Wolfgang Jamann zu Besuch in einem Gewächshausprojekt.
Zusatzernte: Dr. Wolfgang Jamann zu Besuch in einem Gewächshausprojekt.
Denkmal der Wiedervereinigung in Pjöngjang.
Unübersehbar: Das Denkmal der Wiedervereinigung in Pjöngjang.
Tschechische Straßenbahnen in Pjöngjang.
Tschechische Straßenbahnen prägen das Bild in Pjöngjang.
Polizistin an einer Kreuzung in Pjöngjang.
Verkehrsregelung per Hand: Polizistin an einer Kreuzung in Pjöngjang.
Fussgängerüberweg
Fussgängerüberweg: Straßen wie monumentale Kulisse.

Ganz anders sieht es aber auf dem Land aus. Obwohl jeder Quadratmeter landwirtschaftlich genutzt wird, so sind doch fast zwei Drittel der Koreaner mangelernährt. Mein Besuch fiel in eine lange Dürreperiode, die mittlerweile von Sturzregen und Überflutungen abgelöst wurde - beides dramatisch für die Ernährungssituation im Land. Es fehlen selbst in guten Jahren bis zu 500.000 Tonnen Getreide, um alle satt zu machen. Entsprechend groß ist  die Sorge um die Ernte, und umso willkommener wird die Arbeit der Welthungerhilfe angenommen: Die energiesparenden Gewächshäuser zum Beispiel, die den Patienten von Kliniken und den Kindern in Schulen vitaminreiches Gemüse bescheren. Oder die 100.000 Obstbäume, die mit Hilfe der Bundesregierung von uns dort gepflanzt werden. Ebenso die Frühkartoffeln eines Spenders aus Deutschland, die in der Übergangszeit zwischen Aussaat und Ernte tausende Menschen mit Nahrung versorgen.

Horizonte eröffnen

Erstaunlich war auf unserer Reise, wie eng wir mit der lokalen Bevölkerung zusammenarbeiten können, wie viele direkte Kontakte möglich waren und wie gut man sehen kann, was unsere Arbeit bewirkt. Wir treffen den stolzen Traktormechaniker Ri (Namen geändert), der durch unsere Schulungen gelernt hat, wie man landwirtschaftliche Geräte vor den Schmutzrückständen im lokalen Diesel schützt. Oder den Werkstattleiter Kim, der von CNC Maschinen aus Deutschland träumt und auch davon, dass sein Sohn einmal eine Fabrik führt.

Überhaupt habe ich den Eindruck, dass unsere Präsenz viele Horizonte eröffnet. Die Koreaner lernen andere Arbeits- und Kommunikationsformen kennen und können durch ein Fenster blicken, das ihnen sonst verwehrt wird. Dazu gehören auch die unschätzbar wertvollen Erfahrungen, die unsere koreanischen Mitarbeiter machen, wenn sie auf Schulungen in Deutschland sind.
Die Mitarbeiter der Welthungerhilfe gehören zu einer Handvoll Ausländern, die sich überhaupt im Lande bewegen dürfen. Ich war beeindruckt von ihrem Engagement und der Bereitschaft, sich auf dieses schwierige Land einzulassen. Viele sprechen die Landessprache und bewegen die Menschen auf professionelle und mitfühlende Weise. Nicht umsonst wird uns vieles ermöglicht, um unsere Projekte erfolgreich umzusetzen. Wir haben immer klar gemacht, dass wir im Land sind, um den Koreanern zu helfen, die Ernährungssituation zu verbessern – die Welthungerhilfe agiert in Nordkorea, wie überall auch, ohne politische Agenda, der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht die politischen Ziele der Regierung. Seit 15 Jahren arbeiten wir in Nordkorea. Begonnen hat unsere Arbeit während einer humanitären Katastrophe im Jahr 1997, bei der Millionen Menschen verhungerten. Heute ist die größte Herausforderung, unseren Ansatz zur 'Hilfe zur Selbsthilfe'  unter schwierigsten politischen Bedingungen umzusetzen.

Es gibt Anzeichen dafür, dass mit dem Führungswechsel und durch den Einfluss des dynamischen Nachbarstaates China in Korea einiges in Bewegung kommt. Zwar werden zu viele Ressourcen in Rüstung und Kriegsrhetorik verpulvert, aber vielen  Menschen wird mittlerweile gestattet privat zu wirtschaften. Es gibt größere Mobilität und Bereitschaft zu Neuerungen. Die Informationsblockaden scheinen nicht mehr so dicht zu sein und die Neugier der Menschen auf das Leben jenseits ihrer Grenzen ist echt. Vielleicht leisten wir mit unserer Arbeit und unserem Vor-Ort-Sein einen Beitrag dazu, dass aus Neugier Veränderung wird. Denn Veränderung braucht dieses Land, so wie es andere vergleichbare Regierungen bereits erfahren haben.

Aktuelle Kommentare

Ich befürchte, dass Ihr Engagement in Nordkorea der herrschenden Clique mehr hilft, als den Bürgern; ihr die Aufgabe abnimmt, selbst für die Bevölkerung zu sorgen. Eine Regierung, die irrwitzige Summen in den Bau von Atombomben investiert, sollte (wenn es wollte, es will aber offensichtlich nicht) auch in der Lage sein, ihre Bevölkerung zu ernähren. Durch Ihre Arbeit unterstützen Sie insofern letztlich eines der grauenhaftesten Systeme der Erde.
Hallo Herr Hanckel,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Die Welthungerhilfe arbeitet in allen Projektländern direkt mit den Menschen zusammen. Unser Ansatz ist das Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe".
Wir unterstützen die Menschen dabei, ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Leben in Würde und Gerechtigkeit wahrnehmen zu können. Es sind eben diese Menschen selbst, die in ihren Ländern soziale Veränderungen anstreben. Wir begleiten sie dabei.

Viele Grüße

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