Beruf: Bauarbeiterin und Bäuerin
Domitille sorgt als Vorarbeiterin für den Lebensunterhalt ihrer Familie
Von Birgit Pielen
Lesen Sie den vollständigen Artikel in der Welternährung III/2009
Eigentlich ist Domitille Bäuerin. Doch zur Zeit
arbeitet sie zusätzlich als Vorarbeiterin und
begradigt Flussbetten. Domitille lebt mit ihrem Mann und den sieben Kindern im Base-Kiryango-Tal im Süden Ruandas. Ihre Tage beginnen früh, morgens um halb sechs steht sie auf, verlässt die kleine Lehmhütte, in der es weder Strom noch fließendes Wasser gibt. Nach einer Stunde Fußmarsch beginnt ihr Knochenjob. Mit Hacke und Schaufel hebt sie sechs Stunden lang Lehm aus einem Flussbett, hilft mit Tausenden anderer Bauern beim Begradigen eines neuen Kanals. "Cash for Work" (Geld für Arbeit) heißt das Projekt der Welthungerhilfe, das den Menschen festen Lohn garantiert und ihre landwirtschaftlichen Lebensgrundlagen sichert.
Ruanda ist mit knapp neun Millionen Einwohnern dichter besiedelt als jeder andere Staat Afrikas. Die landwirtschaftlichen Nutzflächen sind knapp. Kaum ein Fleck ist in dem "Land der 1000 Hügel" ungenutzt. Im Millenniumsdorf Base-Kiryango-Tal leben 25.000 Menschen in Streusiedlungen. Sie sind Selbstversorger, müssen von dem leben, was die Natur ihnen zugesteht. Ohne die Hilfe aus Deutschland wäre es schlecht um ihre Zukunft bestellt.

Bietet vielen Frauen eine
zweite Einkommensquelle:
Terrassanbau im Land der
1000 HügelTerrassen, Staudämmen und Kanäle verbessern die Landwirtschaft
Gemeinsam mit den Einheimischen hat die Welthungerhilfe 235 Terrassen an den Hügeln angelegt und damit zusätzliche Anbauflächen erschlossen. Im Tal ist dank der neuen Staudämme und Kanäle bald für 350 Hektar Fläche eine gezielte Bewässerung möglich. Drei Ernten pro Jahr wird es dann geben. Doch schon jetzt trägt die Entwicklungszusammenarbeit Früchte. Auf den neuen Ackerflächen wachsen – unabhängig von Regenzeiten – Reis, Süßkartoffeln, grüne Bohnen, das Brotgetreide Sorghum und die Wurzelknolle Maniok.
"Vorher reichte das, was wir angebaut haben, nicht fürs Auskommen“, sagt Domitille. "Jetzt haben wir genug zum Überleben." Und es bleibt sogar noch Schulgeld übrig für die Kinder, vielleicht noch ein kleiner Krankenkassenbeitrag. Die 46-Jährige lächelt. Sie erarbeitet sich die Zukunft für ihre Familie.
Bauarbeit als wichtige Erwerbsquelle für Frauen
Das Projekt ist eine wichtige Erwerbsquelle für sie und für tausende anderer Frauen. Viele Bäuerinnen sind gezwungen, ihre Familien alleine zu ernähren. Ihre Männer starben, haben für Jobs das Land verlassen oder sind – wie in Domitilles Fall – krank. Im Base-Kiryango-Tal haben deshalb vornehmlich Frauen die Möglichkeit, beim Anlegen der Terrassen und Felder mitzuarbeiten. Mit dem Bewirtschaften des Landes können sie später den Lebensunterhalt völlig selbstständig verdienen.
Domitille ist sehr zuverlässig. Deshalb trägt sie mehr Verantwortung als andere und hat eine kleine Karriere als Vorarbeiterin gemacht. Jeden Morgen geht sie durch die Reihen und kontrolliert, wer von den Arbeitern erschienen ist. Auf einer Liste macht sie dann ein Häkchen hinter den Namen. Das ist wichtig, wenn es am Monatsende um das Ausbezahlen des Lohns geht. Nur wer hilft, bekommt Geld.
Die besondere Aufgabe stärkt das Selbstbewusstsein von Domitille. Auch das gehört zu den Zielen in den Millenniumsdörfern. Durch ihre Arbeit und den Verdienst wird ihr gesellschaftliches Ansehen verbessert. Sie werden - anders als bisher - bei der Zuteilung von Land gleichberechtigt mit Männern berücksichtigt. Sie lernen, wie sie den Anbau auf den Feldern nutzbringend gestalten müssen, Erträge weiterverarbeiten und selbst vermarkten können.
Darüber hinaus ändern sich auch die Strukturen in den Dörfern. Frauen erhalten mehr und mehr Mitspracherecht in örtlichen Komitees, um ihre Interessen besser zu vertreten. Regionale Frauengruppen werden gezielt gefördert.
Domitilles Arbeitseinsatz im Base-Kiryango-Tal endet um 13 Uhr. Dann staut sich die Hitze, es wird unerträglich heiß. Domitille wird nach Hause gehen, zu den Kindern und ihrem kranken Mann, ein paar Arbeiten auf dem Feld erledigen, die Hühner und das Schwein füttern. Am Ende des Monats gibt es den Lohn, dann wird sie Fleisch kochen und durchrechnen, wann sie endlich eine Kuh kaufen kann.
Autorin
Birgit Pielen ist Redakteurin der Rhein-Zeitung Koblenz.
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