Verbrennen von Getreide - ethisch verantwortbar?


Messung des Armunfangs eines unterernährten Kindes.
© DWHH

Über 800 Millionen Menschen leiden weltweit an chronischem Hunger. Ist es dann gerechtfertigt, wenn wir Weizen zum Heizen verwenden? Das ist eine oft gestellte Frage, die häufig auf eine ablehnende Reaktion bei vielen Menschen in unserem Kulturkreis stößt. Denn Weizen ist symbolträchtig. Religiöse Gefühle werden tangiert: "Unser täglich Brot gib uns heute". Bei den Älteren werden Erinnerungen an Notzeiten wach, die sich im kollektiven Gedächtnis der Folgegenerationen verankern.

 


Schwierige Themen erfordern
eindeutige Diskussionen.  
© Bolesch
Richtig argumentieren

Die Art und Weise der Kommunikation und Argumentation spielt bei dieser Thematik eine bedeutende Rolle. Weizen verbrennen oder verheizen suggeriert die Vernichtung von Grundnahrungsmitteln im Angesicht des weitverbreiteten Hungers auf der Erde. Spricht man von thermischer Nutzung, impliziert dieses von vornherein: Es geht nicht um die Vernichtung von Nahrungsmitteln sondern um eine andere Form der Nutzung zur Energiegewinnung. Das Grundbedürfnis auf Nahrung trifft auf das Bedürfnis nach Wärme und Licht. Beide müssen befriedigt werden und betreffen die Menschenrechte.

 

 


Frauen bei der Weizenernte.
© Jungeblodt

Dürfen wir das?

Nehmen wir also hungernden Menschen in Entwicklungsländern etwas weg, wenn wir in Deutschland Weizen verheizen bzw. thermisch nutzen? Verletzen wir damit deren Recht auf Nahrung? Über 70 Prozent der Hungernden leben in ländlichen Gebieten. Wo immer es möglich ist, müssen Nahrungsmittel vor Ort und regional erzeugt werden. Das Hungerproblem in den Entwicklungsländern ist mit einem Transfer von Weizenüberschüssen nicht zu lösen. Überschüsse aus den Industrieländern konkurrieren mit der Landwirtschaft in den ärmeren Ländern und zerstören dort die marktwirtschaftlichen Strukturen.

 

 


Das Recht auf Nahrung ist
ein Menschenrecht.
© von Lingen

Recht auf Nahrung

Nur in Katastrophenfällen ist zeitlich begrenzte Nahrungsmittelhilfe sinnvoll - vorzugsweise lokal oder in der Region gekauft. In diesen Ländern muss die ländliche und landwirtschaftliche Entwicklung im Vordergrund stehen. Armutsbekämpfung und das Recht auf Nahrung sind die wesentlichen Aspekte dieser Strategie.

Das Recht auf Nahrung bedeutet in erster Linie, dass Menschen sich entweder durch die direkte Produktion oder mittels Einkommen ernähren können. Hierfür müssen die Staaten selbst und die internationale Staatengemeinschaft die notwendigen Rahmenbedingungen gewährleisten und im Bedarfsfall helfen. Unterbleibt dies, kann das Recht auf Nahrung nicht erfüllt werden - unabhängig davon, ob in Deutschland Weizen thermisch genutzt wird oder nicht.

Letzte Änderung an dieser Seite: 17.03.2008
© Copyright 2009 Deutsche Welthungerhilfe e.V. – ImpressumKontakt