Aktion WeltFrühstück: "Chips-Cola-Menüs in der Pause sind kein Ersatz für ein ausgewogenes Frühstück!"

Angela Tamke:
Angela Tamke:" Wenn der Magen wach ist, ist der
ganze Mensch wach." © Bresser

Hunger ist das zentrale Problem von mehr als 850 Millionen Menschen auf der Welt. Besonders Kinder leiden, wenn sie nicht ausreichend zu essen bekommen. Sie können sich nicht richtig entwickeln, haben keine Kraft zum Spielen und vor allem - nicht zum Lernen. Die Aktion Weltfrühstück, eine gemeinsame Idee der Welthungerhilfe und dem Umweltamt Köln, dem Themenkreis Bildung der Lokalen Agenda Köln und der Verbraucherzentrale NRW nimmt sich dem Thema Frühstück in kreativer, informativer und nachhaltiger Weise an.


Angela Tamke, Referentin und mit Mitgründerin des WeltFrühstücks, berichtet über ihre interessante Tätigkeit.

 
Angela Tamke. © Abel
Angela Tamke. © Abel
DWHH: Angela, du hast die Aktion WeltFrühstück ins Leben gerufen. Seit 2001 lernen Kinder auf Projektwochen und andere Veranstaltungen kulinarische Köstlichkeiten aus aller Welt kennen. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Angela: Im Jahr 2000 traf sich eine Gruppe von Fachleuten auf einer Lehrerfortbildung in Köln. Dort überlegten wir gemeinsam, wie das Thema "Ernährung weltweit" für Kölner Schulen verständlich und kompetent aufbereitet werden könnte. Uns war schnell klar: Es muss um das Frühstück gehen. In Anlehnung an die Welthungerhilfe haben wir die Aktion dann "WeltFrühstück" getauft.

DWHH:
Was soll mit der Aktion WeltFrühstück erreicht werden?

Angela: Unser Wunsch ist, dass sich Schüler und Schülerinnen im Unterricht mit ihrer eigenen Ernährung sowie der Ernährung anderer Völker auseinandersetzen. Sie sollen erkennen, dass Nahrung keine Selbstverständlichkeit ist. Auch kommen Kinder immer häufiger ohne Frühstück zur Schule - vor allem in den weiterführenden Schulen.

Das Thema Frühstück bietet zudem ein gute Möglichkeit, in die Kultur eines Volkes einzusteigen. Zum Beispiel hängen die Frühstücksgewohnheiten in Mali vom Wohnort ab: ob in der Stadt, im Dorf, am Fluss oder in der Wüste. Auch in den vielen verschiedenen europäischen Ländern kommt nicht das gleiche Essen auf den Frühstückstisch. Bei näherer Betrachtung der Speisen können Rückschlüsse auf die wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Aspekte eines Landes gezogen werden. Eine spannende Thematik, die sich für viele Unterrichtsfächer ideal eignet.

 

WeltFrühstück in Bielefeld. © Abel
WeltFrühstück in
Bielefeld. © Abel
DWHH: Beschreibe doch mal, wie so ein WeltFrühstück vonstatten geht.

Angela:
In der Regel ist das Schulprojekt WeltFrühstück eingebunden in eine deutsche Städtepartnerschaft der Welthungerhilfe. Im Rahmen einer Projektwoche rund um den Welternährungstag am 16. Oktober wird das Thema Frühstück dann ausgiebig behandelt. Die Schüler und Schülerinnen recherchieren im Internet, sie besuchen Geschäfte und forschen nach Produkten zum fairen Handel, sie führen Interviews zum Frühstücksverhalten und vieles mehr. Besonderen Spaß macht es den Kindern, ein typisches Frühstück aus einem ausgesuchten Land selbst vorzubereiten und dabei die traditionellen Zutaten und spezifischen Tischdekorationen kennen zu lernen.

Ideen und Unterstützung erhalten die Teilnehmer durch Referenten der Welthungerhilfe und den lokalen Lernpartnern. Außerdem werden ihnen spezielle Materialien für den Unterricht zur Verfügung gestellt.

Ein gemeinsames Lernfest bildet dann den krönenden Abschluss der Projektwoche. Dort werden die Ergebnisse der Projektwoche vorgestellt. Es gibt Stände mit Ausstellungen und ein Kulturprogramm auf der Bühne. Wir laden auch immer Politiker und Prominente sowie die Presse ein, an dem Lernfest teilzunehmen. Damit soll ein politisches Signal gegeben werden, wie wichtig die Themen Ernährung und Globales Lernen an Schulen sind.

DWHH:
Was begeistert die Kinder am meisten?

Angela:
Wie mir die Schüler immer wieder berichten freut es sie sehr, an etwas so Aufregendem und Großen mitwirken zu können. Vor allem, dass sie aktiv eigene Ideen und Kreativität entwickeln und im Team umsetzen können. Schüler aus Migrantenfamilien, die wegen mangelnder Sprachkenntnisse im Unterricht oft ins Hintertreffen geraten, sagen: Hier haben wir endlich mal gezeigt, was wir wirklich können und nicht immer, was wir nicht können.

DWHH: Welches Feedback bekommst du seitens der Beteiligten nach einem veranstalteten WeltFrühstück?

Angela: Ein durchweg positives Feedback. Lehrern wie Schüler macht diese Projektwoche sehr viel Spaß. Es ist immer gut, wenn Lernen mit Kreativität und Eigeninitiative verbunden wird.

DWHH:
Was war im Rahmen deiner Tätigkeit für das WeltFrühstück dein bisher schönstes Erlebnis?

Angela:
Die schönsten Erlebnisse sind immer, wenn ich spüre, mit wie viel Eifer und Freude die Schüler und Schülerinnen sich am Lernfest beteiligen und mit Stolz ihre Lernergebnisse präsentieren. Dabei fällt mir ein besondere Begebenheit ein: Nachdem 950 Schüler der Robert-Wetzlar-Berufsschule in Bonn an einem schönen Sommertag gemeinsam ihre Frühstücke aus 34 Nationen gegessen haben, kommt ein Schüler aus Afghanistan zu mir, legt seinen Arm um meine Schulter und sagt begeistert: "Frau Tamke, danke für diesen interessanten Nachmittag. Das sollte es öfter geben."

(Stand: September 2007)




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