Gleichberechtigung – Schlüssel zur Armutsbekämpfung
Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist nicht nur sozial wünschenswert. Sie ist eine zentrale Säule im Kampf gegen den Hunger.

Bäuerinnen in Kenia. © GrossmannAlle Akteure sind sich einig: Eine erfolgreiche Bekämpfung des Hungers ist dringend notwendig und erfordert ein gemeinsames Vorgehen aller gemeinschaftlichen Kräfte. Doch ein Aspekt wurde dabei bisher wenig berücksichtigt: Die Schlüsselrolle, die der Gleichberechtigung der Geschlechter bei der Hungerbekämpfung zukommt. Länderstudien des Internationalen Forschungsinstituts zur Ernährungspolitik (IFPRI) zeigen: Armut und Hunger sind in den Ländern am meisten verbreitet, in denen Frauen geringen Zugang zu Bildung haben. Auch ein Vergleich der Daten des Welthungerindex (WHI) 2009 mit den Erhebungen des Global Gender Gap Indexes 2008 zeigt deutlich, dass eine Auseinandersetzung mit Gleichstellungsfragen bei der Hungerbekämpfung unerlässlich ist.
Die Zusammenhänge erkennen
Am auffälligsten ist der Zusammenhang von Armut und Gleichstellung im Bereich Bildung: In Ländern, in denen nach Angaben des WHI Hunger verbreitet ist, haben Frauen laut dem Gender Gap Index nur geringen Zugang zu Bildung. Ein solcher Zusammenhang lässt sich auch für den Bereich Gesundheit feststellen, wenn auch in geringerem Ausmaß als bei der Bildung. Bei den übrigen Komponenten, der wirtschaftlichen und politischen Teilhabe, ist der Zusammenhang weniger deutlich. Die Schlussfolgerung liegt nahe: Maßnahmen zur Beseitigung der Benachteiligung von Frauen sind elementar, um Hunger wirkungsvoll zu bekämpfen.
Mädchen gehören in die Schule
Bisher wurden in verschiedenen Ländern unterschiedliche Methoden getestet, um mehr Mädchen den Schulbesuch zu ermöglichen. So wurden zum Beispiel die Ausbildungskosten gesenkt. Denn sind die Kosten hoch, können arme Familien häufig nicht alle Kinder zur Schule schicken und die Mädchen müssen zu Hause bleiben. Auch eine qualitativ bessere Lehre erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Mädchen zur Schule gehen. Schließlich tragen Investitionen in die Infrastruktur zu einer höheren Mädchenquote an Ausbildungsstätten bei. Denn sind die Wege kurz und sicher, dürfen die Mädchen eher zur Schule gehen.
Gesundheit und Ernährung verbessern
Gesunde und gut ernährte Frauen haben nicht nur selbst eine höhere Lebensqualität, auch ihren Kindern geht es besser. Deshalb sind Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheit und der Ernährung unerlässlich. Besonders wichtig ist die Versorgung von Frauen mit Nährstoffen, vor allem mit Eisen. Ebenfalls von Bedeutung sind Maßnahmen zur Energieaufnahme über die Nahrung und zum Energieverbrauch sowie Programme zur Vorbeugung von Krankheiten. Betreuungspersonal muss besser geschult werden und die Fürsorge für Frauen und heranwachsende Mädchen verbessert werden.
Bessere Chancen für Frauen in der Wirtschaft
In den meisten Entwicklungsländern verfügen Frauen über weniger Ressourcen und müssen für die Beteiligung am Wirtschaftsleben größere Hindernisse überwinden als Männer. Durch gesetzliche Reformen soll erreicht werden, dass Frauen gleichermaßen Eigentum erwerben können wie Männer: Der Zugang zum Arbeitsmarkt und zu Krediten soll durch den Abbau von geschlechtsspezifischen Hindernissen und Beschränkungen ermöglicht werden. Schließlich soll durch Technologieforderung dazu beigetragen werden, dass Frauenarbeit rentabler wird. In Ländern, in denen die Benachteiligung von Frauen eine lange Tradition hat und tief verwurzelt ist, müssen außerdem Maßnahmen angestoßen werden, die Frauen dabei unterstützen, mit Männern gleichzuziehen.
Reform der Rechtssysteme
Die Rechtssysteme sollten so reformiert werden, dass jegliche Geschlechterdiskriminierung eliminiert und die politische Beteiligung von Frauen gestärkt wird. Wichtige Schritte zum Ziel sind die Stärkung demokratischer Institutionen durch die Gesetzgebung, ein klares Diskriminierungsverbot in den Verfassungen sowie die Verabschiedung und Durchsetzung von Antidiskriminierungsgesetzen. Die politische Beteiligung von Frauen muss besonders auf der kommunalen Ebene erhöht werden.
Fazit
Viele wirkungsvolle Schritte wurden bereits eingeleitet. Es bedarf jedoch noch zahlreicher weiterer, innovativer Maßnahmen, damit Frauen ihr Potenzial entfalten können. Denn nur so können sie in die Lage versetzt werden, einen maßgeblichen Beitrag zur Ernährungssicherung und zum Wohlergehen ihrer Familien zu leisten.
Gender Gap Index und WHI
Der Global Gender Gap Index 2008 vom Weltwirtschaftsforum misst die Gleichstellung von Frauen und Männern in 130 Ländern in vier gesellschaftlichen Bereichen. Für 90 dieser Länder liegen auch dem Welthunger-Index 2009, der die weltweite Hunger- und Ernährungssituation erfasst, vor. Der Vergleich zwischen beiden Indizes zeigt auf, in welchem Zusammenhang Bildung, Gesundheit, wirtschaftliche und politische Teilhabe von Frauen und Armut in einem Land stehen.
Alle Berichte
2009
Welthunger-Index 2009. Frauen stärken, Hunger bekämpfen
2008
Übersichtseite zum Welthunger-Index 2008
Welthunger-Index 2008: 33 Länder haben sehr ernste bis gravierende Hungersituation
2007
Welthunger-Index 2007: Ein Drittel der Länder auf Kurs, Afrika bleibt Brennpunkt
2006
Welthunger-Index 2006: Kriege verschärfen Hunger – zehn afrikanische Länder bilden Schlusslicht
2005
Welthunger-Index 2005: Warnung vor dramatischer Zunahme von Hunger
Grafiken und Karten
Karte: Welthunger-Index 2009 (mit Ranking)
Karte: Der Welthunger-Index 2009 - nach Schweregrad in den einzelnen Ländern
Säulendiagramm: Anteil der einzelnen Indikatoren
So viel tragen Sterblichkeitsrate unter fünf Jahren, Anteil Unterernährter und Anteil untergewichtiger Kinder zum WHI 1990 und zum WHI 2009 bei.
Rangliste: Der Welthunger-Index 1990 und 2009 nach Ländern
Karte: Entwicklung des WHI von 1990 bis 2009
So stark ist der Hunger in den einzelnen Ländern gestiegen bzw. gesunken.
Grafik: Gewinner und Verliererländer im WHI von 1990 bis 2009
In diesen Ländern ist der Hunger am meisten gesunken bzw. gestiegen.
Diagramm: Der Zusammenhang zwischen Hunger und Bildung
Vergleich zwischen dem WHI 2009 und dem Gender Gap Index 2008
Grafik: Immer mehr Menschen leiden an Hunger
Hunger - das Kernthema der Welthungerhilfe
Weitere Informationen
Welthunger-Index 2009: Frauen stärken, Hunger bekämpfen
A Sub-National Hunger Index for Ethiopia: Assessing Progress in Region-Level Outcomes, Oct. 2009.
