Welthunger-Index 2010: Globale, regionale und nationale Trends

 

Südasien: Viele Kinder aus dieser Region müssen hungern. Hier wurden die weltweit schlechtesten WHI-Werte ermittelt.
Südasien: Viele Kinder aus dieser Region müssen
hungern. Zusammen mit Afrika südlich der Sahara
wurden hier die weltweit schlechtesten WHI-Werte
ermittelt.
Die gute Nachricht zuerst: Der weltweite Welthunger-Index (WHI) 2010 ist im Vergleich zum weltweiten WHI des Jahres 1990 etwas gesunken: Er fiel um fast ein Viertel von 19,8 auf 15,1 Prozent. Dennoch ist das Millenniumsziel der Vereinten Nationen, den Anteil der hungernden Menschen von 1990 bis 2015 zu halbieren, noch lange nicht erreicht - fünf Jahre bleiben noch, um verstärkt aktiv zu werden. Erschwerend hinzu kommt, dass der Anteil der untergewichtigen Kinder unter fünf Jahren lediglich um 2,6 Prozent zurückging. Auch die Sterblichkeitsrate der Kinder unter fünf Jahren und der Anteil der Unterernährten sank nur wenig. Insgesamt gibt es also wenig Grund zur Freude, denn das Niveau des WHI ist weltweit besorgniserregend hoch.


Der WHI wird aus drei Indikatoren ermittelt, die die unterschiedlichen Aspekte des Hungers widerspiegeln. Insgesamt bewegt sich der Index zwischen dem besten Wert 0, also kein Hunger und dem schlechtesten Wert 100, wobei keiner dieser Extremwerte tatsächlich erreicht wird. Zwischen 1990 und  2010 gelang es nur wenigen Ländern den Anteil der Hungernden um die Hälfte oder gar mehr zu senken und damit ihre Ernährungssituation wesentlich zu verbessern. In rund einem Drittel der Länder sind mäßige Fortschritte (WHI-Werte sanken um 25 bis 49,9 Prozent) festzustellen und ein weiteres Drittel konnte seine WHI-Werte nur wenig (WHI-Werte um 0 bis 24,9 Prozent)  verbessern.


Große Unterschiede je nach Region und Land

Besonders groß war der Fortschritt in Südostasien sowie in Lateinamerika und der Karibik mit einem Rückgang ihres WHI-Wertes um jeweils mindestens 40 Prozent. Die höchsten - also schlechtesten - regionalen Werte zeigen die Regionen Südasien mit WHI Werten von 22,9 Prozent und Afrika südlich der Sahara mit 21,7 Prozent.


Die Ursachen für den Hunger in beiden Regionen sind unterschiedlich. In Südasien geht der hohe Anteil untergewichtiger Kinder zu einem großen Teil auf die schlechte Situation der Frauen in der Bereichen Ernährung, Bildung und gesellschaftlichen Status zurück. In Afrika südlich der Sahara sind es andere Gründe: die hohe Kindersterblichkeit und der hohe Anteil unterernährter Menschen sind Folge einer schlechten Regierungsführung sowie von Konflikten, politischer Instabilität und hohen HIV-/Aids-Raten.


Einige Staaten haben bemerkenswerte Fortschritte bei der Bekämpfung des Hungers erzielt: Zwischen 1990 und 2010 konnten Angola, Äthiopien, Ghana, Mosambik, Nicaragua und Vietnam mit über 13 Prozent ihren WHI-Wert am deutlichsten verbessern. Dagegen wird die Hungersituation in 29 Ländern immer noch als sehr ernst beziehungsweise gravierend beurteilt. Alle Länder mit gravierenden WHI-Werten in 2010 – Burundi, die Demokratische Republik Kongo, Eritrea und der Tschad – liegen in Afrika südlich der Sahara. Ein echter Sonderfall unter den neun Ländern, in denen der WHI am deutlichsten gestiegen ist, ist die Demokratische Republik Kongo. Hier wird eine prozentuale Verschlechterung der Ernährungsituation im Vergleich zu 1990 um mehr als 65 Prozent festgestellt. Konflikte und politische Instabilität haben den Hunger in diesem Land verstärkt.

 

In Burundi, der Demokratischen Republik Kongo, Eritrea, Haiti und den Komoren wird der höchste Anteil an Unterernährten festgestellt - dort hungert über die Hälfte der Bevölkerung. In Bangladesch, Indien, im Jemen und in Ost-Timor gibt es den höchsten Anteil untergewichtiger Kinder unter fünf Jahren – jeweils mehr als 40 Prozent. In Afghanistan, Angola, Somalia und im Tschad ist Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren am höchsten: ein Fünfttel oder mehr aller Kinder erlebt hier nicht den fünften Geburtstag.

 

Letzte Änderung an dieser Seite: 11.10.2010
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