Preise auf der Achterbahn - Führt das Auf und Ab der Nahrungsmittelpreise zu Hunger?
Die Welthungerhilfe hakt nach!

- Prominent besetztes Podium: (v.l.) Min-Khai Phan-Thi, Klaus v. Grebmer, Bärbel Dieckmann, Stefan Schmitz, Martin Brüning, Moderator Jan Lerch.
Die Spekulationen an den Nahrungsmittelmärkten in die Schranken weisen – über diesen Ansatz zur Bekämpfung des Welthungers waren sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion der Welthungerhilfe weitgehend einig. Strittig blieb am 11. Oktober in Berlin aber die Frage, in welchem Maße Spekulanten für den Anstieg der Nahrungsmittelpreise verantwortlich gemacht werden können. Anlass für die Diskussion zwischen Vertretern aus Wirtschaft, NGOs und Ministerien vor 150 Gästen war die Veröffentlichung des Welthunger-Index 2011.
Anknüpfend an das diesjährige Leitthema des Index’ "Wie steigende und stark schwankende Nahrungsmittelpreise den Hunger verschärfen" diskutierten die Teilnehmer die Fragestellung: "Preise auf der Achterbahn. Führt das Auf und Ab der Nahrungsmittelpreise zu Hunger?". Neben den Spekulationen waren sich alle Gesprächsteilnehmer auch darüber einig, dass es Transparenz bei der Preisgestaltung mangelt. "Niemand weiß, wer sich wo bereichert. Hier müssten wir Nachforschungen anstellen", sagte Klaus von Grebmer, Leiter Öffentlichkeitsarbeit beim International Food Policy Research Institute.

- Volle Reihen bei der Diskussionsveranstaltung in Berlin.
Unterschiedliche Sichtweisen vertraten die Podiumsteilnehmer bei der Frage, bis zu welchem Grad die Spekulationen an den Nahrungsmittelmärkten für die Preissteigerungen verantwortlich sind, und welche Gegenmaßnahmen zuerst ergriffen werden sollten. Martin Brüning, Leiter Unternehmenskommunikation und Public Affairs der REWE Group, forderte die Politik zum Handeln auf: "Fakt ist, dass der Preis durch Spekulationen in die Höhe getrieben wird. Dem sollte von politischer Seite Einhalt geboten werden." Auch Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe, stellte klar: "Die Spekulationen müssen eingeschränkt und die Preise gerechter gewichtet werden."
Stefan Schmitz, Referatsleiter im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), sah weniger in der Spekulation als in der Veränderung der Fundamentaldaten im Markt den Grund für die allgemein steigenden Lebensmittelpreise: "Besonders der wachsende Bedarf an Erneuerbaren Energien, die Nahrungsbedürfnisse einer wachsenden Weltbevölkerung und die Folgen des Klimawandels sorgen für den Anstieg der Preise." Spekulationen stünden allenfalls zu 15 Prozent hinter der Verteuerung.
Die Schauspielerin und Moderatorin Minh-Khai Phan-Thi sieht vor allem den wachsenden Energiebedarf als Problem: "Es stimmt mich sehr nachdenklich, wenn auf Agrarflächen keine Nahrungsmittel, sondern Pflanzen für Biosprit wachsen - nur damit wir mit unseren fetten Karren rumfahren können und weniger CO2 ausstoßen."
Weitere Informationen
Blogbeitrag von Bärbel Dieckmann: Spekulationen auf Kosten der Hungernden
Pressemitteilung Welthunger-Index 2011
Der Kampf um das tägliche Brot: Ernährungsprojekte in Tadschikistan
FAQs zum Welthunger-Index 2011
Welternährung, 3. Quartal 2011
Interview mit unserem tadschikischen Mitarbeiter Manuchehr Rakhmatdzhonov: Unerträglich teuer.
Marktstand-Aktion in Berlin: Preistreiber des Hunger
Karten und Graphiken
Welthunger-Index 2011 nach Schweregrad in den einzelnen Ländern
Gewinner und Verlierer für den WHI 2011 im Vergleich zum WHI 1990
Inflationsbereinigte Preise von Agrargütern und Öl, 1990 - 2011 (wöchentliche Werte)
Schlüsselfaktoren für den Anstieg der Agrarpreise und für die Preisvolatilität
