Zivilgesellschaft
Zivilgesellschaft wird meist als Sammelbegriff verwendet für Vereinigungen von Bürgern, die weder gewinnorientiert sind noch (wie politische Parteien) in staatliche Entscheidungen eingebunden. Sie bilden den "dritten Sektor" des öffentlichen Lebens neben Wirtschaft und Politik. Soziale Bewegungen (die nicht klar organisiert sein müssen) und nichtstaatliche Organisationen (NGOs) sind die Teile der Zivilgesellschaft.
Daneben wird Zivilgesellschaft auch im Sinne von zivilisierte, "gute" Gesellschaft verwendet. Dabei wird oft unterstellt, dass die Stärkung der Zivilgesellschaft im ersten Sinn auch zu einer besseren Gesellschaft im zweiten Sinn führt. Es gibt jedoch auch etwa rassistische Bürgerbewegungen, und ein starker dritter Sektor kann (wie in den USA) mit großer sozialer Ungleichheit einhergehen.
Richtig ist aber, dass Organisationen des dritten Sektors in vielen Entwicklungsländern (und vorher im kommunistischen Osteuropa) wesentliche Triebkräfte von politischer Partizipation und Demokratisierung sind oder waren. Auf internationaler Ebene, etwa in den UN und der WTO, sorgen zudem transnationale Netzwerke von NGOs für eine gewissen Transparenz der Entscheidungsprozesse und bringen nicht vertretene Belange zu Gehör.
Dies interpretieren manche Beobachter als Beleg dafür, dass sich eine globale Zivilgesellschaft herausbildet. Den Begriff halten andere für irreführend, u.a. weil für Zivilgesellschaft der Bezug auf einen Staat als Gegenüber konstituierend ist und es keinen globalen Staat gibt.
