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27.10.2025 | Blog

„Zu zweit spenden ist schöner als alleine“

Es ist eine große Spende, die Ulrich Freund aus Bad Orb der Welthungerhilfe zukommen ließ. Mit einer Million Euro möchte er die eingegangenen Spenden anderer Spender*innen verdoppeln. Im Interview spricht Ulrich Freund von seiner Motivation und über eine zufällige Begegnung im Krankenhaus, an die er sich bis heute erinnert.

Ulrich Freund hat in der Nachkriegszeit am eigenen Leib erfahren, was es heißt, zu hungern. Deshalb wird er jede Spende, die Sie tätigen, verdoppeln. © privat

Was war und ist Ihre Motivation, für Menschen zu spenden, die Hunger und Armut erfahren müssen?

Mich bewegt das Thema Hunger seit langer Zeit. Ich erzähle Ihnen eine Geschichte: Vor einigen Jahren hatte ich einen Unfall und wurde operiert. Bei der Entlassung kamen zwei Studenten herein, sahen in meinen Koffer und sagten: „Na, Sie haben ja vorgesorgt!“ In meinem Koffer lagen zwei Dosen mit Kartoffelbrei-Anrührpulver und Wurstkonserven. 

Gemeinsam können wir mehr bewirken. Danke für Ihre Unterstützung!

Wie geht die Geschichte weiter?

Ich reise immer mit Verpflegung für zwei Tage. Wenn Sie einmal im Leben Hunger gehabt haben, bleiben Sie ein Leben lang vorsichtig. Also habe ich den Studenten von 1946 erzählt. Sie konnten sich das gar nicht vorstellen. Und dabei wurde mir klar, wie stark dieses Gefühl in mir wirkt und wie wenig in anderen. Das war der Zeitpunkt, an dem ich entschieden habe, mein Geld denjenigen zu geben, die mit dem Wort Hunger am engsten verbunden sind; denen, die leiden.

Die Begegnung mit den Studenten liegt einige Jahre zurück. Gab es aktuell einen konkreten Anlass für die Spende? 

Ja, sogar zwei. Ein wichtiger Augenblick war, als ich gelesen habe, dass Trump die Weltgesundheitsorganisation verlassen und jegliche Entwicklungshilfe von heute auf morgen eingestellt hat. Spontan hätte ich am liebsten mit dem Geld eine Anti-Trump-Kampagne gestartet, nun ist es eine Spendenkampagne geworden.

Und der zweite Grund?

Das Geld stammt aus dem Aktiengewinn, den ich durch kluge Beratung erzielen konnte. Es hat zehn Jahre gedauert, bis ich mir eine Spende von einer Million leisten konnte. Das finde ich besser als jährlich zu spenden. Mit einer Million kann ich etwas anstoßen, etwas bewirken. Das genau will ich. Das will ich auch mit dieser Spende, und mehr bringe ich ohnehin nicht auf die Beine. Jetzt bin ich 89 Jahre alt und verfüge nicht mehr über größere Beträge. Es wird wohl meine letzte Spende sein. 

Ich weiß, dass ich nicht alle retten kann – und das macht mich traurig. Aber es ist besser, etwas zu machen, als gar nichts zu machen.

Ulrich Freund Engagierter Unterstützer gegen den Hunger in der Welt

Sie hätten auch etwas anderes machen können mit einer Million … 

Ja, ich hätte die Welt umreisen können, aber das kann ich eben nicht. Ich habe das Geld gewonnen und gebe es dorthin, wo es in meinem Gedankengebäude hingehört. 

Das muss ein sehr starkes Gefühl sein …

Vielleicht habe ich zu viel Empathie, aber lassen wir es bitte unbewertet. 

Mit Ihrer Spende werden Sie die Spenden anderer verdoppeln. Warum haben Sie sich für dieses Matching-Modell entschieden?

Zu zweit spenden ist schöner als alleine. Das ist mein Leitspruch. In den letzten Tagen habe ich einigen Leuten davon erzählt und gehört: „Da mach ich mit!“. Ganz spontan kam die Idee, ebenfalls zu spenden. Das zeigt, dass das Zweierprinzip – wie bei vielen anderen Dingen – auch hier funktioniert. Man verbindet sich durch ein gemeinsames Interesse: Wir wollen Kinder nicht verhungern lassen. Vielen fehlt vielleicht einfach nur der Anstoß, und den möchte ich gern geben. Gemeinsam kann man mehr bewirken – da bin ich nicht nur Philanthrop, sondern auch Ökonom.

Zur Person
Ulrich Freund (89) ist Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt. Er leitete eine Reha-Klinik in Bad Orb und arbeitete zugleich als Psychotherapeut mit neuen Ansätzen (Trance-Therapie mit gezielten Märchen-Interventionen). Für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement im sozialen, kulturellen und humanitären Bereich ist der Bad Orber Ehrenbürger im September mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Ulrich Freund ist verheiratet und Vater von Adoptivkindern. 

Was hat Sie bei der Welthungerhilfe überzeugt?

In einem Gespräch in Bonn sagte mir mein Ansprechpartner, zwar können wir in einem Dorf den Hunger beseitigen, indem wir zum Beispiel Samen, Schippen und Hacken verteilen. Aber dann hätten die Menschen immer noch kein sauberes Wasser, keine Toiletten und keine Ausbildung, wie sie ihren kleinen Acker so bearbeiten, dass ihr Gemüse auf Jahre ertragreich wächst. Ich habe gelernt, dass man Hunger nicht nur durch eine Sache bekämpft. Dass man immer ein gesamtheitliches Konzept haben muss, das hat mich zu hundert Prozent überzeugt. Nur so können die Menschen irgendwann ihre Situation aus eigener Kraft verbessern. Ich glaube: Bei der Welthungerhilfe wird dieses Konzept gezielt umgesetzt – und das gefällt mir.

Ihre Spende ist eine sogenannte freie Spende, sie ist nicht an ein bestimmtes Projekt oder Land gebunden. Das heißt, Sie wollen keinen Einfluss darauf nehmen, wohin genau das Geld geht. 

Stimmt, denn das Geld soll dahin gehen, wo es am meisten gebraucht wird und am meisten bewirken kann. Wo das ist, wissen die Fachleute vermutlich besser als ich. 

Ein Abschlusswort?

Es ist wie gesagt wohl meine letzte große Spende, doch auch nach dieser Spende werden weiterhin Menschen hungern müssen. Ich weiß, dass ich nicht alle retten kann – und das macht mich traurig. Aber es ist besser, etwas zu machen, als gar nichts zu machen. Das klingt trivial, aber es stimmt trotzdem.

Das Interview führte Karin Grunewald, freie Journalistin. 

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