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25.10.2021 | Blog

COP26: Klimaschutz und Anpassungsfinanzierung sind wichtigste Aufgaben

Die Industrie- und Schwellenländer müssen ihre Klimaziele bis 2030 verschärfen, um bis zur Mitte des Jahrhunderts Klimaneutralität zu erreichen. Anlässlich der 26. Klimakonferenz in Glasgow fordert Michael Kühn, Referent Klimapolitik: "Die Staaten müssen die Erledigung ihrer Hausaufgaben nachholen, dringend."

Eine Frau steht vor einem Maisfeld.
Eine Kleinbäuerin auf ihrem Feld in Mosambik. (2017) © Macilau/Welthungerhilfe
+++ Update zum Abschluss der COP26 +++

„Das Ergebnis ist eine Farce“

„Wir haben die Anstrengungen der Industrie- und Schwellenländer zur Kenntnis genommen. Aber das Tempo stimmt nicht. Es gibt zu wenig Verbindliches. Für Menschen in Entwicklungsländern ist das Ergebnis eine Farce, sie brauchen Unterstützung gegen Klimafolgen jetzt und heute“, kommentiert Klima-Experte der Welthungerhilfe, Michael Kühn, das Ergebnis der COP26.

Michael Kühn Team Politik und Außenbeziehungen

Vom 31. Oktober bis zum 12. November 2021 wird das Vereinigte Königreich auf der 26. Konferenz der Vertragsparteien (COP 26) der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen Gastgeber für Delegierte aus aller Welt sein. Im vergangenen Jahr fiel die Konferenz coronabedingt aus. Nachdem die Treibhausgasemissionen während des Lockdowns sogar gesunken sind, steigen sie heute wieder an. Die Eindämmung des Klimawandels drängt. Nicht nur die Ernährungssicherung ärmerer Länder im Globalen Süden steht auf dem Spiel, die Auswirkungen des Klimawandels sind mittlerweile weltweit zu spüren und bedrohen unsere Lebensgrundlagen überall.

Dürren weltweit von 2004 - 2018.
Anteil des weltweiten Weidelandes, das zwischen 2004 und 2018 von Dürre betroffen war. © Leopoldina

Der im August dieses Jahres veröffentlichte erste Teil des mittlerweile sechsten Sachstandberichtes des Weltklimarats zeigt, dass und wie der Einfluss des Menschen die Atmosphäre, den Ozean und die Landflächen erwärmt. Es haben weitverbreitete und schnelle Veränderungen in der Atmosphäre, dem Ozean, auf dem von Eis bedeckten Teil der Erde und der Biosphäre stattgefunden, deren Ausmaß seit Jahrtausenden beispiellos ist. Auswirkungen auf Wetter– und Klimaextreme sind inzwischen überall auf der Welt zu beobachten: Der Meeresspiegel steigt stärker denn je, und Extremwettereignisse wie Stürme, Dürren oder Waldbrände nehmen an Zahl und Heftigkeit zu. Sie machen jahrzehntelange Entwicklungsfortschritte zunichte, mit dramatischen Folgen für die Hunger- und Armutsbekämpfung, besonders in den Ländern, in denen Menschen ungenügende Kapazitäten haben, sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Dort führen erodierende Böden und Wasserknappheit zunehmend zu Missernten, zerstören ihre Heimat und machen sie nicht selten zu Flüchtlingen.

Weltklimarat warnt eindringlich

Teaser Policy Brief COP 26 Ohne Klimaschutz keine Ernährungssicherheit

Ausführlicher beschreibt die Anforderungen an die COP der neue Policy Brief der Welthungerhilfe:

Entsprechend eindringlich warnt der Weltklimarat: Beim Stand der heutigen Treibhausgasemissionen wird die globale Erwärmung von 1,5 oder 2 Grad Celsius im Laufe des 21. Jahrhunderts überschritten und diese Entwicklung weiter verschärfen. Wichtigster Hebel sind drastische Reduktionen der C02- und anderer Treibhausgasemissionen in den unmittelbar vor uns liegenden Jahrzehnten und die Ausweitung von Anpassungsmaßnahmen.

Damit sind auch schon die Hauptaufgaben für die Staaten auf der Klimakonferenz in Glasgow umschrieben: Industrie- und Schwellenländer müssen ihre Klimaziele bis 2030 verschärfen, um bis zur Mitte des Jahrhunderts Klimaneutralität zu erreichen. Es dürfen nicht mehr Treibhausgase emittiert werden als von Böden und Atmosphäre aufgenommen werden können. Es müssen darüber hinaus Maßnahmen verabschiedet werden, damit betroffene Menschen in ärmeren Ländern sich an die unvermeidbaren Auswirkungen des Klimawandels anpassen können und Lebensräume geschützt werden. Und um beide Ziele umzusetzen, müssen ausreichend Finanzmittel bereitgestellt werden. Von der Erreichung dieser Ziele sind wir bislang weit entfernt: Die Staaten müssen die Erledigung ihrer Hausaufgaben nachholen, dringend. Und zwar nun schon zum 26. Mal.

Was die Staaten auf der 26. Klimakonferenz beschließen müssen:  

  1. CO2-Ausstoß reduzieren: Insbesondere die Industrie- und Schwellenländer der G20 müssen neue oder aktualisierte Treibhausreduktionsziele vorlegen, die mit dem Ziel, bis Mitte des Jahrhunderts Klimaneutralität erreicht zu haben, vereinbar sind. Diese Ziele sind mit konkreten Maßnahmenkatalogen und Zeitplänen zu unterlegen.  
  2. Betroffene unterstützen: Die angestrebten 100 Milliarden US-Dollar jährlich für die internationale Klimafinanzierung ab 2020 sind noch nicht erreicht. Staaten müssen ihre Beiträge erheblich erhöhen. Mindestens die Hälfte der Summe muss für Anpassungsmaßnahmen zur Verfügung stehen, um die Widerstandsfähigkeit der Menschen gegenüber den unvermeidbaren Klimafolgen zu erhöhen.  
  3. Ernährung durch standortgerechte Landwirtschaft als Pfeiler für nachhaltige und klimaangepasste Entwicklung sichern: Landwirtschaft und Ernährungssicherung müssen auf der Klimakonferenz eine zentrale Rolle spielen. Anbaumethoden sollten im Sinne einer standortgerechten Landwirtschaft auf eine Vielfalt an Pflanzen und Sorten ausgerichtet sein. Sie berücksichtigen die Erfordernisse der Anpassung an den Klimawandel und die Anforderungen an Nachhaltigkeit und stellen Ernährungssicherheit sicher, ohne das Klima zu schädigen und das Recht auf Nahrung zu verletzen.  
  4. Klima- und Katastrophenrisikofinanzierung ausbauen: Finanzierungslücken von Schäden und Verlusten durch Extremwetterereignisse, steigenden Meeresspiegel und Landverluste sowie zunehmende Dürren müssen dringend geschlossen werden. Die Schaffung eines speziellen Finanzierungsmechanismus soll hier Abhilfe schaffen. Präventive Maßnahmen, darunter die antizipative humanitäre Hilfe, müssen stärker finanziell gefördert werden.  

Umfrage: Ein ambitionierter Klimaschutz ist unsere Verantwortung gegenüber den Menschen im Globalen Süden

Mit einer repräsentativen Studie hat die Welthungerhilfe das Institut für Demoskopie Allensbach beauftragt, herauszufinden, inwieweit die deutsche Bevölkerung wahrnimmt, dass der Klimawandel die existierenden Probleme im Globalen Süden besonders verschärft Sehen die Deutschen die Industrieländer in der Verantwortung, dass sich die Verhältnisse im Globalen Süden durch den Klimawandel nicht noch weiter verschlechtern?

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Umfrage zum Klimawandel

Ein ambitionierter Klimaschutz ist unsere Verantwortung gegenüber den Menschen im globalen Süden.

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Letzte Aktualisierung 15.11.2021

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