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26.09.2021 | Blog

Unsere Arbeit in Afghanistan geht weiter

Afghanistan befindet sich mitten in einer humanitären Katastrophe. Der Militäreinsatz ist beendet, doch unsere Arbeit geht weiter.

Ein Mann mit Mundschutz hat ein Fläschchen und mehrere Zettel in der Hand.
Ein Welthungerhilfe-Mitarbeiter bei der Arbeit. Auch nach Beendigung des Militäreinsatzes in Afghanistan sind wir weiter vor Ort und unterstützen Menschen in Not. © Hamdullah Hamdard/Welthungerhilfe

Bereits vor der Machtübernahme der islamistischen Taliban war die humanitäre Lage in Afghanistan dramatisch. Fast 19 Millionen haben wegen der verheerenden Kombination aus Dürre, Konflikt und Wirtschaftskrise auf nicht genug zu essen. Besonders betroffen sind 6,8 Millionen Menschen in den nördlichen Provinzen. Es fehlt außerdem an Trinkwasser, medizinischer Versorgung und ausreichend sicheren Unterkünften. Die Vereinten Nationen befürchten, dass die Armutsrate im nächsten Jahr auf 97 Prozent steigt, wenn sich die Versorgungslage nicht verbessert.

Thomas ten Boer, Landesdirektor der Welthungerhilfe in Afghanistan.

Wir wollen und müssen den Menschen jetzt helfen.

Thomas ten Boer Landesdirektor in Afghanistan

Aktuell ermitteln unsere Kolleg*innen vor Ort, wie wir am effektivsten helfen. Sie konnten mittlerweile Bedarfsermittlungen im Norden und Osten des Landes durchführen. Aber eines ist klar: Die Not ist groß. Was nach ersten Einschätzungen am dringendsten fehlt, sind ausreichend nahrhafte Lebensmittel, Hygiene- und Haushaltsartikel und sichere Unterkünfte. Thomas ten Boer, Landesdirektor der Welthungerhilfe in Afghanistan: „Wir müssen die Menschen jetzt dabei unterstützen, ihre durch Kämpfe zerstörten Häuser wiederaufzubauen. Der Winter hier bitterkalt. Bei minus 20 Grad können die Menschen nicht in Zelten oder notdürftigen Behausungen überleben.“

Afghanistan: Meine Flucht aus der Heimat

In unserem Podcast "Welthungerhilfe Direkt" sprechen wir mit einer Kollegin, deren Namen wir zu ihrem Schutz unerwähnt lassen, über das, was sie in Afghanistan erlebt hat. Sie erzählt von ihrem Leben auf der Flucht und Situationen, die sie zu diesem Schritt bewegt haben. Es ist die Geschichte einer starken Frau, die allen Schwierigkeiten zum Trotz ihren Weg gegangen ist.

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Viele Menschen in Afghanistan stehen schon jetzt vor dem Nichts

Viele sind schon vor längerer Zeit vor dem anhaltenden Konflikt geflüchtet. „Seit Monaten leben Binnenflüchtlinge in informellen Lagern rund um die Hauptstadt in desaströsen Verhältnissen, zwischen Müllhalden und ohne medizinische Versorgung, stabile Unterkünfte und Schulbildung für die Kinder“, sagt Thomas ten Boer. „Hinzu kommt: Dürren haben Ernten geschädigt, und Häuser von Kleinbäuer*innen wurden durch die Kämpfe zerstört. Wenn diese Menschen jetzt zurückkehren, stehen sie vor dem Nichts.“

Afghanistan: Die Lage der Menschen spitzt sich dramatisch zu

In Afghanistan sind Hunger und Armut auf dem Vormarsch.

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Viele Kinder leben allein

Viele Frauen leben allein mit ihren Kindern und sind besonders gefährdet; ihre Männer sind gestorben, in Nachbarländer geflüchtet oder sie sind an Kämpfen beteiligt. Oft haben sie keinerlei Einkommen mehr und je nachdem, was die Taliban anordnen, können sie teilweise ihr Haus nicht ohne männliche Begleitung verlassen. Viele von ihnen wissen nicht, wie sie Lebensmittel bezahlen sollen.

Karte: Projektregionen der Welthungerhilfe in Afghanistan, August 2021. die welthunherhilfe ist in den Provinzen Herat, Jawjzan, Balkh, Samangan, Kabul und Nangarhar tätig.

Im Norden Afghanistans in den Provinzen Jawzjan und Samargan haben lokale Mitarbeiter*innen der Welthungerhilfe die Lage in ländlichen Gebieten erkundet. Die Ergebnisse sind erschütternd und zeigen das Ausmaß der Katastrophe. Viele Häuser wurden durch die Kämpfe zerstört, die Mehrheit der Menschen hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Viele Kinder leben ohne jegliche Familienangehörige. Die Dörfer sind sehr abgelegen, oftmals zehn Kilometer bis zum nächsten Markt. Vor allem für alleinstehende Frauen und Kinder ist dies ein enormes Problem.

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Nothilfe leisten unter dem Taliban-Regime

Die Welthungerhilfe ist bereits seit 30 Jahren in Afghanistan aktiv und hat auch während der ersten Taliban-Regierung im Land gearbeitet. Mehrere tausend Familien im Osten des Landes haben Nahrungsmittelpakete erhalten. Diese enthalten Lebensmittel wie Mehl, Reis, Öl und Linsen und decken den Bedarf eines Haushaltes für zwei Monate. Im Winter läuft außerdem das Nothilfe-Programm der Welthungerhilfe, bei dem Menschen in verschiedenen Regionen Überlebenshilfe erhalten. Mehrere tausend Haushalte bekommen Hygieneartikel, wie beispielsweise Seife. Darüber hinaus erhalte Familien warme Kleidung und Decken gegen die Kälte.

Vorschaubild Factsheet Afghanistan Zahlen und Fakten zu Afghanistan

Alle Infos über unsere Arbeit vor Ort sowie Zahlen und Fakten zum Land.

Die genauen Arbeitsmöglichkeiten für Hilfsorganisationen sind weiterhin unklar und es gibt noch keine eindeutigen Rahmenbedingungen. Es ist beispielsweise nicht geklärt, ob Frauen wieder arbeiten können und unter welchen Bedingungen. Die Rahmenbedingungen, unter denen Hilfe geleistet wird, müssen zuerst geklärt werden. Unabdingbar sind dabei der freie und ungehinderte Zugang zu den Bedürftigen, Sicherheitsgarantien für die Helfer*innen und die Neutralität der humanitären Hilfe. Denn entscheidend ist: Unsere Unterstützung muss direkt bei den Menschen ankommen.

Zudem gibt es viele logistische Probleme. Das Bankensystem funktioniert aktuell nur eingeschränkt, das bedeutet wir können keine Überweisungen vornehmen, um zum Beispiel Transporteure zu bezahlen, die Hilfsgüter ins Land bringen sollen. 

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Letzte Aktualisierung 04.01.2022

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