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19.07.2022 | Blog

G7 – wo bleiben die langfristigen Lösungen gegen Hunger?

Die G7 Staaten möchten mehr Geld für den Kampf gegen Hunger ausgeben. Doch reichen die versprochenen 4,5 Millionen Euro? Welthungerhilfe-Mitarbeiterin Anne-Catrin Hummel geht dieser Frage nach.

Eine Frau füllt eine Schüssel mit Reis.
Eine Frau füllt eine Schüssel mit Reis. In Rubkona, Unity State, Südsudan, arbeitet die Welthungerhilfe mit den Bewohner*innen daran, die Ernährungssicherheit zu verbessern und die Lebensgrundlagen von Binnenvertriebenen (IDPs) und Kleinbauernfamilien aus konfliktbetroffenen (Aufnahme-)Gemeinden zu stabilisieren. © Welthungerhilfe
Anne-Catrin Hummel Team Policy & External Relations

“Die globale Ernährungskrise abwenden, bitte!”

Nichts Geringeres war Wunsch und Forderung der Welthungerhilfe an die führenden G(roßen) 7 Industrienationen beim Gipfel vom 26. bis 28.6.2022 in den bayrischen Alpen.

Hunger bekämpfen und Ernährungssicherung hat es (neben den absolut wichtigen und relevanten Themen Ukraine-Krieg und -Wiederaufbau sowie Klima) in die drei Abschluss-Botschaften des Gipfels geschafft. Das begrüßen wir und gleichzeitig wäre alles andere schlicht unmöglich gewesen: Wir bewegen uns aktuell direkt auf eine Hungerkrise historischen Ausmaßes zu. Bis zu 828 Millionen Menschen leiden an chronischem, rund 193 Millionen an akutem Hunger. Die Tendenz ist steigend.

Hungertreiber gehen durch einmalige Extra-Zahlung nicht weg

4,5 Milliarden US-Dollar soll es nun zusätzlich für die Ernährungssicherung geben – darauf haben sich die Staats- und Regierungschefs zum Gipfel-Abschluss verständigt. Aber: Die Summe ist verschwindend gering. Die langfristigen Hungertreiber wie Klimawandel oder Konflikte gehen durch eine einmalige Extra-Zahlung von 4,5 Milliarden nicht weg.

Es ist richtig, dass jetzt schnell Geld für humanitäre Hilfe bereitgestellt wird, um die Menschen, die akut an Hunger leiden in den kommenden Wochen und Monaten vor dem Hungertod zu bewahren. Gleichzeitig darf dieses Geld nicht an anderer Stelle, das heißt bei langfristigen Investitionen in die ländliche Entwicklung, eingespart werden. Die 4,5 Milliarden US-Dollar wirken hier wie eine kurzfristige Finanzspritze, deren Wirkung bald verpufft sein wird.

Porträt: Anne-Catrin Hummel, Team Policy & External Relations

Hungerbekämpfung kann nur gelingen, wenn wir die Produktion und den Konsum von Nahrungsmitteln weltweit verändern.

Anne-Catrin Hummel Senior Policy Advisor der Welthungerhilfe

Weltweit hat jeder zehnte Mensch nicht genügend Nahrung

Teaserbild Policy Brief Hungrig nach Wandel Hungrig nach Wandel

Unsere Forderungen an die Bundesregierung – für gerechtere Ernährungssysteme.

Hungerbekämpfung kann nur gelingen, wenn wir die Produktion und den Konsum von Nahrungsmitteln weltweit verändern. Nur wenn Lebensmittel vom Acker bis zum Teller unter tragfähigen Bedingungen und ökologisch nachhaltig produziert werden, kann Hungerbekämpfung erfolgreich sein. Dafür brauchen Menschen unter anderem einen fairen Zugang zu Saatgut und Land, und Menschenrechte entlang der Lieferkette müssen gewahrt werden.

Wir sind enttäuscht von G7, dass kein politischer Wille vorhanden zu sein scheint, eines der größten lösbaren Probleme unserer Zeit gezielt und langfristig anzugehen. Bereits 2015 gab es an gleicher Stelle – in Elmau – die Erklärung, 500 Millionen Menschen bis 2030 aus dem Hunger zu befreien. Die Fehler der Vergangenheit werden wiederholt und die G7 sind noch weiter von ihren eigenen Zielen entfernt. Mehrfach haben sie auf kurzfristige Initiativen gesetzt, deren Wirksamkeit nachweislich sehr gering war. Und wir befinden uns wieder in einer dramatischen Notlage, in der jeder zehnte Mensch weltweit nicht genügend, gesundes Essen zur Verfügung hat.

Der weltweite Hunger wird bleiben, wenn wir das globale Ernährungssystem nicht jetzt verändern!

Tiefer ins Thema einsteigen:

Kompass 2022: Wirklichkeit der deutschen Entwicklungspolitik

Mit dem Vorsitz der G7 hat die Bundesregierung die Chance, mutig voranzuschreiten und eine gerechte Welt voranzutreiben.

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