14.11.2007 | Blog

Die Menschen im Sudan rechnen mit uns!

Gemeinsam mit dem Welternährungsprogramm haben wir uns der Herausforderung gestellt, etwa einer halben Million Flüchtlinge Unterkunft, Nahrung und Wasser zur Verfügung zu stellen.

Eine Mädchenschule im Flüchtlingslager Mellit in Darfur.
Eine Mädchenschule im Flüchtlingslager Mellit in Darfur - und ich durfte am Unterricht teilnehmen. Die Schule wurde mit Geldern des BMZ finanziert.
Hans-Joachim Preuss Generalsekretär (2003-2009)

Szenenwechsel: vom Glamour einer Live-Fernsehgala in den staubigen Westen des Sudan. Hier, in Nord- und Süd-Darfur, sind fast drei Millionen Menschen ohne Heimat. Sie verlassen ihre Dörfer auf der Flucht vor Reitermilizen, marodierenden Banditen und feindlichen Nachbarstämmen, sie haben Angst vor Ermordung, Plünderung, Schändung.

Auch Schulen gibt es, dank unserer Freunde Marshall und Alexander sind ein paar davon nun auch mit Bänken und Tischen ausgestattet. Mit ehemals sowjetischen Hubschraubern, die so alt sind wie ihre Piloten aus Russland, geht es ins Flüchtlingslager Mellit, sechzig Kilometer von El Fasher entfernt. Die Straße ist zu unsicher – gerade erst wurden drei Fahrer des Welternährungsprogramms umgebracht, weil Kriminelle es auf ein paar Säcke Reis und einen Geländewagen abgesehen hatten.

Sechstausend Menschen, viele davon Kinder, leben seit zweieinhalb Jahren hier. Okay: sie haben zu essen, zu trinken, ein Dach über dem Kopf, alle Kinder besuchen eine Schule. Doch mit welcher Perspektive? Noch jahrelang von Hilfsgeldern zu leben, keine Arbeit zu haben, keine Selbständigkeit? Werden die Kinder jemals eine Hacke zur Hand nehmen oder einen Brunnen graben – oder wird eine ganze Generation dazu erzogen, auf den nächsten Versorgungskonvoi zu warten? Kinder stehen um mich herum, alte Menschen reden auf mich ein. Ich darf eine kurze Rede halten, sie wird ins Arabische übersetzt. Ich rede über die Solidarität in Deutschland, in Europa – und weiß, dass es bei uns nur wenige gibt, die sich vom Schicksal dieser Menschen berühren lassen. Sie nicken, sie hoffen – und sie geben mir zu verstehen, dass sie mit mir, dass sie mit uns rechnen.

Letzte Aktualisierung 12.06.2018

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