21.06.2010 | Blog

Dürre im Niger: Temperaturen von 50 Grad im Schatten fordern viele Leben

Die anhaltende Dürre im Niger stellt eine absolute Notsituation für die Menschen und ihr Vieh dar. Caroline Peyre-Koch berichtet von vor Ort.

Caroline Peyre Länderbüro Mosambik

Die Dürre im Niger, der Grund, warum ich schon seit fast zwei Wochen als Länderreferentin der Welthungerhilfe in dem afrikanischen Land bin und die Notsituation vor Ort untersuche. Unser Büro steht in Niamey, der Hauptstadt des Nigers. Die Stadt wirkt wie ein großes Dorf. Wenig Autos im Vergleich zu den Nachbarhauptstädten Bamako (Mali) und Ouagadougou (Burkina Faso). Alles ist sehr ruhig. Tiere spazieren auf dem Asphalt, Rinder, Dromedare. Die Präsenz des Militärs ist nicht zu übersehen, besonders an wichtigen Straßenkreuzungen.

Der Niger… Wo das Land genau liegt, wer weiß das in Europa schon genau? Und nur wenige wissen, dass es hier im Februar einen „friedlichen“ Militärputsch gegeben hat. Und dass die Menschen hier verhungern, insbesondere die Kleinkinder, die Schwangeren und ältere Menschen. Vor zwei Monaten hat es hier im Land Temperaturen von über 50 Grad im Schatten gegeben. Viele alte Menschen sind gestorben. Und die jungen Leute haben solch eine Hitze in ihrem Leben noch nicht erlebt! Für mich sind die jetzigen 38 bis 40 Grad schon schlimm genug. Das Ende der Trockenzeit ist erreicht und eigentlich beginnt nun die Regenzeit. Immer noch ist alles sehr karg und staubig.

In den Dörfern ist die Situation sehr schlimm. Ich war in Téra, nordwestlich von Niamey auf der anderen Seite des Nigerflusses und an der Grenze zum Nachbarland Burkina Faso. Jetzt ist Saatzeit und die Leute haben kein Saatgut, da die Ernte im letzten Jahr so schlecht war und sie nichts lagern konnten. Viele Bewohner haben ihre Dörfer verlassen, um der Not zu entfliehen. Je nördlicher wir fahren, desto karger wird die Landschaft und die Anzahl der toten Tiere am Wegesrand steigt deutlich.

Im Dorf Kokorou finden wir eine Art Tierfriedhof am Dorfeingang. Der 86-Jährige Dorfälteste und Chef einer Gemeinde, die 82 Dörfer umfasst, erzählt uns, dass er letztes Jahr 760 Rinder verloren hat und dass die Situation in diesem Jahr noch schlimmer ist. Wütend ist Amirou Kokorou, so sein Name. Besonders auf die Regierung, die die Nahrungsmittel verteilt. "Warum nur an eine Handvoll Leute?", schnauft er. Nur Alte, Kranke, Schwangere und extrem unterernährte Kinder unter fünf Jahren bekommen diese Hilfe. Aber alle leiden, alle haben Probleme. Er ist nicht damit einverstanden und sagt es laut. In seinem Alter, sagt Amirou, könne ihm keiner mehr etwas anhaben.

Plötzlich fragt mich der Vater von 48 Kindern, wie alt ich sei und wie viele Kinder ich habe. Nachdem ich ihm erzähle, dass ich 46 Jahre alt bin und zwei Kinder habe, hat er Mitleid mit mir. Du bist auch schon zu alt um noch weitere zu bekommen, wirft er ein und schaut mich mitfühlend an. So hatte ich meine Situation noch gar nicht betrachtet.

Bis bald wieder aus dem Niger,

Caroline Peyre-Koch

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Letzte Aktualisierung 23.01.2018

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