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18.05.2018 | Projektupdate

Zum Überleben neue Wege gehen

Die Menschen in Somaliland kämpfen seit Jahren mit einer Dürre, die einfach nicht enden will. Das Vieh der Nomaden stirbt und die Menschen suchen verzweifelt nach Orten zum Überleben. Die Welthungerhilfe unterstützt sie dabei, die Abwärtsspirale zu durchbrechen.

Viele Familien fliehen vor der Dürre in den Norden des Landes. © Welthungerhilfe
Thomas Rommel Landesbüro Äthiopien

„Früher war das hier ein Ort, an dem es nur so vor Herden gewimmelt hat, aus der ganzen Region kamen die Menschen, um ihre Tiere zu tränken“, erinnert sich Harir. Er ist Vorsitzender des Dorfrates von Toon, einem Ort südlich der Hauptstadt Hargeisa. Er steht am Rand eines Dammes, der einmal Wasser zurückgehalten hat. Heute ist da nur eine vernarbte, staubtrockene Ebene aus rissigem Lehm. „Ich hatte einst über 200 Kamele und Ziegen, heute sind mir nur noch acht Ziegen geblieben. Wie soll ich damit meine Familie ernähren?“ In seinen 64 Jahren hat er so etwas noch nie erlebt. „Früher dauerte eine Dürre sechs oder auch mal zwölf Monate. Aber nun sind es schon vier Jahre, in denen wir so gut wie keinen Regen mehr hatten.“ 

Auf der Flucht vor der Dürre

Im Süden von Somaliland ist die Situation bereits gravierend, jetzt verschärft sich die Lage auch im Norden. Dort erstreckt sich, wenige Kilometer vor der Küste, eine scheinbar endlose kahle Fläche aus Sand. Inmitten der salzig-sandigen Ebene stehen zahlreiche Rundhütten und ein paar schlammige Wasserlöcher, hier haben sich Familien angesiedelt, die vor dem Hunger im Süden des Landes geflohen sind. Garaaca heißt die Siedlung. Tiere versammeln sich zum Tränken an den Brunnen, Frauen laden Wasserkanister auf struppige Esel, während die Männer das Wasser aus dem Brunnen ziehen.

Somaliland: Hoffnung auf Regen
Somaliland: Hoffnung auf Regen

Saada Ali ist 19 Jahre alt und vor vier Jahren nach Garaaca gekommen. Früher lebte sie mit ihren Eltern im Hochland, wo ein angenehmes Klima eine gute Weide für die Tiere bot. Aber immer weniger Regen ließ die Weide verdorren, und ohne Weide gab es irgendwann kein Auskommen mehr. Die Tiere starben, die Quellen und Brunnen versiegten. Es blieb nur der Weg in den Norden, ins sandige Tiefland. Weiden gibt es hier zwar auch nicht, aber wenigstens genug Wasser für die Menschen. „Unsere Herden sind Geschichte, vielleicht müssen wir anfangen zu fischen“, sagt Saada mit gesenktem Blick. Ihr Jahrhunderte altes Wandervolk muss neue Wege finden, um zu überleben. 

Die Folgen des Klimawandels rauben Lebensgrundlagen

Überall in Somaliland fehlen Nahrungsmittel, Wasser, medizinische Versorgung und vor allem: eine Perspektive. Die einstigen Pastoralisten Somalilands wandern noch immer. Aber nicht mehr mit ihren beeindruckenden Herden aus Kamelen, Ziegen und Schafen. Sie wandern nicht mehr von einer fruchtbaren Weide zur nächsten. Seitdem die Herden verendet sind, wandern nur noch die Menschen. Sie wandern ein letztes Mal, so lange bis sie eine Zukunft gefunden haben, die sie ernähren kann. Eine Zukunft, die neu erschaffen werden muss. Im Moment haben Menschen wie Saada oder Harir den Folgen des Klimawandels nichts mehr entgegenzusetzen.

Dank der Bewässerungsmöglichkeiten können die Familien selbst während der Trockenzeit ernten. © Thomas Rommel/Welthungerhilfe
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Neue Kanäle lenken den seltenen Regen zur Bewässerung auf die kargen Felder. © Thomas Rommel/Welthungerhilfe
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Für die wenigen überlebenden Tiere sorgt die Welthungerhilfe mit Futter, Impfungen und Medikamenten. © Thomas Rommel/Welthungerhilfe
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Einfachste Unterkünfte aus Matten geben nur notdürftig Schutz. © Thomas Rommel/Welthungerhilfe
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Dürre in Somaliland: Ein erschöpfter Vater mit seinem Kind in der Region Lughaya. © Welthungerhilfe
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An Familien, die vor der Dürre im eigenen Land auf der Flucht sind, verteilt die Welthungerhilfe Nahrungsmittel und Wasser – und sie investiert vor allem in die eigenen Kapazitäten der Bewohner. Zum Beispiel mit Trainings im Trockenlandbau, der es den Familien ermöglicht, mit wenig Wasser möglichst viel Nahrung zu produzieren. Zudem werden gemeinsam mit den Bewohnern Wasserversorgungssysteme gebaut, und sie lernen, die Anlagen selbst instand zu halten. An den Oberläufen der Flüsse in Bergregionen entstehen Erosionsschutzstrukturen, denn wenn der seltene Regen fällt, sind es heftige Schauer, die den kostbaren Boden fortschwemmen. Nun schützen Dämme den Boden, der das Wasser besser aufnehmen und halten kann. Das eröffnet den Menschen neue Einkommensmöglichkeiten wie den Gartenbau, das Pflanzen von Baumweiden für Kamele und Ziegen, die Bienenzucht zum Herstellen von Honig sowie eine nachhaltige Holzkohleproduktion.

Kommende Krisen früh erkennen 

Neben diesen und anderen nachhaltigen Ansätzen engagiert sich die Welthungerhilfe auch weiterhin in der Nothilfe. Dazu gehört das Versorgen der Tiere mit Ergänzungsfutter, Impfungen und Medikamenten. Außerdem ist es wichtig, kommende Krisen früh zu erkennen. Darum werden lokale Katastrophenschutzkomitees in den Gemeinden aufgebaut, sodass früh interveniert werden kann, bevor es zur Katastrophe kommt. Der Klimawandel und seine Folgen können nicht gestoppt werden, aber es entsteht eine Perspektive für die Menschen in Somaliland, die ihnen einen Weg aus der Krise weist. 

Schlagworte
Letzte Aktualisierung 20.07.2018

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