14.03.2012 | Blog

Hilfe für die Tuareg in Burkina Faso

Welthungerhilfe-Mitarbeiterin Ute Latzke war mit Rüdiger Ehrler und seinem Nothilfeteam in Sahel unterwegs, um bei der Planung zur Bekämpfung der aktuellen Nahrungsmittelkrise mitzuhelfen.

Ute Latzke Team Sector Strategy, Knowledge & Learning

Nothilfe in Burkina Faso – in den letzten Tagen habe ich erfahren, was das bedeutet. Zusammen mit Rüdiger Ehrler vom Nothilfeteam der Welthungerhilfe bin ich im Sahel unterwegs, um bei der Planung zur Bekämpfung der aktuellen Nahrungsmittelkrise mitzuarbeiten. Einige Stunden Fahrt entfernt von der Hauptstadt Ouagadougou liegt die kleine, staubige Provinzstadt Dori, von dort aus ging es weiter in den Norden nach Fererio in der Provinz Oudalan. Dort leben zurzeit etwa 20.000 Tuaregflüchtlinge. Sie haben sich hier, rund 30 Kilometer von der malischen Grenze entfernt, aus Angst vor Ausschreitungen in ihren Heimatregionen, in Sicherheit gebracht. Manche von ihnen harren hier schon seit mehr als sechs Wochen ohne jede Unterstützung aus.

Im trockenen Gebüsch sehen wir niedrige Behelfshütten aus bunten Tüchern und Ästen. Die meisten Tuareg haben in der Eile kaum etwas mitnehmen können. Für die notdürftig zusammengebauten Unterstände verwenden die Frauen sogar ihre Kleidungstücher, um ein wenig Schatten für ihre Familien zu schaffen.  Die Tuareg leben traditionell als Nomaden, allerdings sind viele von ihnen in den letzten Jahren in Mali ‚sesshafter‘ geworden. Für sie sind die Lebensbedingungen hier besonders schlimm.

Wir haben einen Führer bei uns, der ihre Sprache spricht und sogar viele von ihnen persönlich kennt. Er stellt uns den traditionellen Führern der verschiedenen Gruppen vor, sie haben einen von ihnen zum Leiter gewählt. Wir setzen uns mit ihm und den anderen unter ein provisorisches Zeltdach und sprechen über ihre Lage. Es sind stolze und beindruckende Männer, sie sind dankbar, dass wir gekommen sind, berichten über ihre Situation und bieten uns ihren starken Tee an.

Die Männer berichten, dass sie froh sind, ihre Familien auf burkinischem Terrain in Sicherheit zu wissen, aber ihnen fehlen Zeltplanen, Matten, Matratzen und Küchenausrüstung, um die Familien halbwegs angemessen zu versorgen. Die Region um Fererio ist ihnen vertraut, denn bereits 1994 sind viele Familien schon einmal dorthin geflüchtet, und haben mit der dortigen Bevölkerung, die die gleiche Sprache Tamaschek  spricht, fast vier Jahre lang zusammengelebt, bevor sie in ihre Heimat zurückkehren konnten.

Ihre Gastgeber haben sie auch diesmal wieder freundlich aufgenommen, und das Wenige, das sie selbst besitzen, mit ihnen geteilt. Doch bedingt durch die Dürre im Sahel und die schlechte Ernte der letzten Saison haben auch sie nicht genug zum Leben. Das allergrößte Problem allerdings ist fehlendes Trinkwasser: Brunnen funktionieren nur teilweise und sie reichen schon sonst nicht für Menschen und Tiere. Das wenige vorhandene Wasser ist schmutzig und viele Kinder haben bereits Durchfall bekommen; zusätzlich leiden sie unter Hitze und Wind am Tag und den kalten Nächten auf dem nackten Boden. Aber auch Nahrungsmittel und eine einfache Gesundheitsversorgung werden dringend benötigt.

Die Lebensgrundlage der Tuareg, ihre Rinder- und Kamelherden, haben viele Familien mitgebracht, manche sind mit Teilen der Familie noch unterwegs und werden dringend erwartet. Wenn sie ankommen, wird sich die Wasserknappheit und der Druck auf die vorhandenen Weideflächen noch mehr verschärfen.

Die traditionellen Führer hoffen, dass wir und andere Organisationen ihnen bald konkrete Unterstützung bringen können. Sie rechnen nicht damit, dass sie bald zurückkehren können und sorgen sich um zurückgebliebene Angehörigen und Nachbarn. Als ich mich mit einigen Frauen unterhalte, berichten sie über ihre Nöte. Eine von ihnen wünscht sich dringend Hilfe, denn die Familien machen sich neben Vielem auch große Sorgen um die Schulbildung ihrer Kinder. Zwar besuchen einige von ihnen die ohnehin sehr kleine, örtliche Schule, doch vielen Flüchtlingskindern fehlt allein die Kleidung, um zur Schule zu gehen. Die 49-Jährige Roky W. Haroune,  die die Diskussion für die Frauen anführt, nimmt meine Hand und hält sie fest. Ihre große Hoffnung auf Hilfe ist auch ohne Sprachkenntnisse leicht zu verstehen.

Als wir wieder stundenlang durch die staubtrockene Savanne zurückfahren und rund sechs Stunden später im staubigen Provinzstädtchen Dori ankommen, wartet hier auf mich ein sauberes, sehr einfaches Zimmer und eine funktionierende Dusche, mit der ich mir den Staub des anstrengenden Tages abspülen kann. Meine Gedanken gehen zurück zu den Menschen, die noch nicht einmal sauberes Wasser zum Trinken haben. Ich hoffe, dass wir ihnen bald helfen können.

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Letzte Aktualisierung 18.08.2017

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