Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Seiteninhalt springen Zum Footer springen

11.09.2018 | Blog

Innovative Ideen und Apps gegen Hunger

Digitalisierung, die „vierte industrielle Revolution“, verändert Business, Politik und Gesellschaft. Die humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit gelten nicht gerade als Pioniere der Innovationen. Doch auch hier wird das enorme Potenzial der Digitalisierung und der Vernetzung von Menschen mehr und mehr genutzt.

Anna Kröger Team Communications

Die besten Ideen entstehen nicht am Schreibtisch, sondern in der Praxis. Das haben bei der Welthungerhilfe die Mitarbeiter in aller Welt gezeigt, die sich am internen Innovation Award beteiligt haben.

Aus diesem internen Wettbewerb gingen drei Gewinner hervor: zwei Apps und ein Beratungskonzept. Alle drei Ideen haben eines gemeinsam: Sie sind skalierbar und können in mehreren Projekten und Ländern eingesetzt werden. Das ist entscheidend, um die Bekämpfung des Hungers schneller voranzutreiben – und das Ziel „Zero Hunger bis 2030“ zu erreichen. Die drei Gewinner-Projekte werden jetzt in einer Pilotphase auf Herz und Nieren geprüft.

Child Growth Monitor Child Growth Monitor

Die App zur Erkennung von Unterernährung bei Kindern.

Child Growth Monitor ist eine App, die mithilfe von Augmented Reality Fehlernährung bei Kindern ermittelt. Mit einem 3D-Scan werden Größe und Gewicht erfasst und die App kann so unmittelbar feststellen, ob das Kind fehlernährt ist. Aktuell ist ein Prototyp in Arbeit, der im Januar 2018 in Indien in die Pilotphase gehen soll.

Dank der App können Hilfsorganisationen Geld und vor allem auch Zeit bei der Datenerhebung (Assessment) sparen. So können sie frühzeitig erkennen, wo Handlungsbedarf besteht – was in vielen Fällen lebensrettend sein kann. Daten werden direkt digital erfasst, was das Monitoring ganzer Regionen oder Länder erleichtert und schnellere und effektivere Reaktionen ermöglicht.

AgriShare: "Airbnb für Bauern"

Die Smartphone-App AgriShare soll afrikanische Kleinbauern mit anderen Kleinbauern, Organisationen und Unternehmen verbinden, um eine Zusammenarbeit nach dem Prinzip der Shared Economy zu ermöglichen. So können Ressourcen geteilt und Services angeboten werden.

Ein Bauer, der keinen Traktor besitzt, kann zum Beispiel über die App Traktoren in der Nähe oder mit bestimmten Spezifikationen anzeigen lassen und ausleihen. Wer einen Mechaniker sucht, wird hier fündig und kann direkt einen Termin buchen. Die Idee wird derzeit weiter ausgearbeitet und soll im Februar 2018 in Simbabwe in die Pilotphase gehen. Auch außerhalb der Welthungerhilfe findet die Idee bereits Anerkennung: Bei der WFP Innovation Pitch Night gewann AgriShare den Jury-Award.

So könnte das Interface von AgriShare aussehen. © Welthungerhilfe
1 / 3
Kleinbauern in Haiti bei der Arbeit. AgriShare will das Teilen von Ressourcen ausweiten. © Daniel Rosenthal/Welthungerhilfe
2 / 3
Tawanda Hove präsentiert AgriShare beim WFP Innovation Accelerator. © Welthungerhilfe
3 / 3

Quran for Nutrition: Videoberatung vom Mullah

„Quran for Nutrition“ ist ein Konzept zur Beratung rund um Gesundheit und Ernährung. Die Idee: Die Mitarbeiter der Welthungerhilfe beziehen religiöse oder andere Meinungsführer einer Community aktiv in die Kreation von Beratungs- und Bildungsmaterial mit ein.

Welthungerhilfe-Mitarbeiter in Afghanistan berichten von Hürden bei der Ernährungsberatung. Vor allem die ländliche Bevölkerung sucht in Fragen aus allen Lebensbereichen den Rat von Mullahs, islamischen Gelehrten. Dies können zum Beispiel Fragen zum Stillen oder zur Familienplanung sein. Je nach Bildungsstand und Interpretation des Koran fallen die Meinungen und Ratschläge der Mullahs sehr unterschiedlich aus. Einige argumentieren gegen Verhütung oder missbilligen es, wenn Frauen ohne männliche Begleitung Gesundheitseinrichtungen aufsuchen möchten. Dabei berufen sie sich auf den Koran, doch in vielen Fällen ist es eine Missinterpretation dessen.

Eine afghanische Frau mit ihrem Kind
Als diese afghanische Frau erneut schwanger wurde, hörte sie auf, ihr 8 Monate altes Kind zu stillen. Die Folge: Unterernährung. Aufklärungsarbeit mit Quran for Nutrition soll solche Fälle verhindern. © Nasrullah Sultani
Innovation beim Ngakaa Water Project in Kenia: Eine Frau bedient das Bezahlsystem am Wasserkiosk. Innovation fördern

So fördert die Welthungerhilfe Innovation.

Das Ziel von „Quran for Nutrition“ ist, eine hohe Qualität der Beratung zu gewährleisten und die Ernährungspraxis von schwangeren und stillenden Frauen sowie Kindern zu verbessern. Dazu möchten lokale Mitarbeiter eng mit Mullahs zusammenarbeiten, diese beraten und aufklären und gemeinsam Inhalte zur Beratung der Eltern entwickeln. Dies können zum Beispiel Videoclips sein, die Botschaften des Koran zu Ernährungsthemen aufgreifen. So soll laut Koran jedes Kind gestillt werden, sofern es der Gesundheit der Mutter nicht schadet.

Das Konzept ist auch auf andere Länder und für andere religiöse Gruppen anwendbar. Kern der Idee ist, auf lokale Bräuche einzugehen und mit lokalen Meinungsführern zusammenzuarbeiten, statt als Konkurrenz von außen aufzutreten.

Letzte Aktualisierung 26.11.2018

Das könnte Sie auch interessieren

Deutsche Welthungerhilfe e. V., Sparkasse KölnBonn IBAN DE15 3705 0198 0000 0011 15, BIC COLSDE33
Newsletter abonnieren

Alle Informationen zu Katastrophen, Projekten und Veranstaltungen aus erster Hand erhalten.