15.02.2008 | Blog

Auf ein Wort

Ein Kommentar zu unserer Verwendung von Spendengeldern

Eine Hand übergibt einer anderen hand Geldscheine.
Wie die Welthungerhilfe mit ihren Spenden umgeht.
Hans-Joachim Preuss Generalsekretär (2003-2009)

Liebe Freunde und Förderer der Welthungerhilfe,

vermutlich haben auch Sie in den letzten Wochen die intensive öffentliche Debatte über Geldverschwendung bei Hilfsorganisationen verfolgt. Viele Spenderinnen und Spender sind verunsichert und selbst die Medien kennen – so scheint es – die Arbeit der Organisationen und insbesondere ihre Werbeaktivitäten nur unzureichend. Wir gehen davon aus, dass auch Sie sich fragen, wie denn die Welthungerhilfe mit Ihren Spenden umgeht. Genau darüber möchten wir mit Ihnen sprechen.

Faltblätter, Plakate, Spendenbescheinigungen – all das kostet Spendengeld. Auch Grafiker, Druckereien, Agenturen, Versandhäuser etc. – jene Dienstleistungen, die wir selber (sprich: mit eigenem Personal) nicht kostengünstig erstellen können – verursachen Kosten. Die Aufwendungen für Werbung und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit machen 4,3 Prozent unserer gesamten Ausgaben aus. Wenn Rechtsanwälte unsere Verträge prüfen, wird das aus dem Verwaltungskostenbudget bezahlt. Wenn Wirtschaftsprüfer die Bücher und Konten auf Ordnungsmäßigkeit kontrollieren, machen sie das nicht umsonst. Und zu einer vernünftig ausgestatteten, modernen Administration gehören selbstverständlich funktionierende Informationstechnologie, Telekommunikationsnetz und angemessene Verwaltungseinrichtungen.

Die Kosten für die allgemeine Verwaltungstätigkeit betragen 1,4 Prozent. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Welthungerhilfe im In- und Ausland – allesamt Experten auf ihrem Fachgebiet – werden für ihre Arbeit bezahlt. Unser Gehaltsgefüge orientiert sich an den Tarifen im Öffentlichen Dienst. Die Kosten für Fachkräfte, die direkt mit der Projektarbeit betraut sind, zählen zu den Projekt- und nicht zu den Verwaltungskosten. Das hat damit zu tun, dass wir – anders als so manche andere Hilfsorganisation – unsere Projekte mit unseren Partnern in den Entwicklungsländern selbst planen und betreuen. Dies entspricht exakt den Vorgaben, die das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) und die Deutsche Gesellschaft für Controlling in der Sozialwirtschaft gemeinsam entwickelt haben.

Anderes geschieht komplett ehrenamtlich: Unser Vorstand engagiert sich ohne jede Vergütung und Aufwandsentschädigung. Die Mitglieder des Kuratoriums, welche uns in Fragen des öffentlichen Auftritts beraten, erhalten für ihre Tätigkeit keinen einzigen Cent. Achtzehn Wissenschaftler und Entwicklungsexperten, die in Sitzungen der Gutachterausschüsse jedes einzelne Projekt auf seine Qualität und Wirksamkeit abklopfen, stellen ihre Expertise unentgeltlich zur Verfügung. Die vielen engagierten Helfer in unseren Aktionsgruppen und Freundeskreisen, die Unterstützer bei den Sport- und Kulturveranstaltungen, die für die Welthungerhilfe werben: Sie alle arbeiten ehrenamtlich.

Viele Menschen sind der Meinung, 30 Prozent und mehr würden für Verwaltung und Werbung „draufgehen“. Bei der Welthungerhilfe fließen über 90 Prozent der Gelder in die Auslandsprogramme. Unsere alljährliche Rechnungslegung ist offen und wird seit Jahren für ihre Transparenz ausgezeichnet. Anfang Juni erscheint unser Jahresbericht für das Jahr 2007.

Aber es geht nicht nur um die Höhe der Kosten. Es geht auch um eine effektive Kontrolle: Schon Anfang Dezember haben wir dazu Stellung genommen. Wir möchten gerne intensiver als bisher mit Ihnen in einen Dialog treten: Stellen Sie uns Ihre kritischen Fragen, schreiben Sie uns Ihre Anregungen.

Es ist uns wichtig, Ihnen Rechenschaft abzulegen. Aber: Wir wollen und können dafür nur einen Bruchteil unserer verfügbaren Ressourcen bereitstellen. Denn noch wichtiger ist es, so viele Spenden und öffentliche Mittel wie möglich für eine Welt ohne Hunger und Armut einzusetzen: in Afghanistan, im Sudan und in Nicaragua – weltweit!

Mit den besten Grüßen und der Bitte, auch in Zukunft unsere Arbeit mit Herz und Verstand zu begleiten,

Ihre Ingeborg Schäuble,
Ihr Hans-Joachim Preuß

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Letzte Aktualisierung 23.01.2018

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