15.06.2015 | Blog

Mit Regenwürmern zum Erfolg

Grüner Daumen: wie Stadtbauern in Havanna immer bessere Ernten erzielen

Hand mit Erde und Regenwürmern
Da Kunstdünger zu teuer ist, bauen die Kooperativen ihr Gemüse mithilfe von biologischem Dünger an. © Sven Creutzmann
Kerstin Bandsom Team Communications

Zu Besuch auf der Farm von Miguel Angel Salcines Lopez am Stadtrand von Havanna. Ein Bericht über ungewöhnliche Anbaumethoden und das große Organisationstalent von Kubas städtischen Bauern.

Landwirtschaft in der Stadt – seit der Wirtschaftskrise

Inmitten einer sozialistischen Wohnsiedlung am Rande Havannas reihen sich grüne Beete hintereinander. Auf der urbanen Farm wird dreimal im Jahr geerntet: Mangos, Ananas und Papayas, aber auch Gemüsesorten wie Möhren und Rote Beete, Mangold und Kohl. Insgesamt 190 Frauen und Männer arbeiten in der bäuerlichen Kooperative, dessen Vorsitzender Salcines Lopez ist.

Angefangen hat alles 1997, mitten in der Wirtschaftskrise, die mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion über die Insel kam. Die Versorgung mit günstigem Öl brach zusammen und damit auch die komplette kubanische Wirtschaft: Es gab kein Benzin für Erntemaschinen, keinen Dünger, keine Pestizide. Die Felder verdorrten und Viehherden starben massenweise. Heute sieht es anders aus: Der Inselstaat gehört weltweit zu den 16 Ländern, die in den vergangenen Jahren die größten Fortschritte bei der Bekämpfung von Hunger gemacht haben – durch städtische Landwirtschaft.

Bauernmärkte liefern wichtiges Gemüse

Salcines startete die Kooperative mit weiteren Kubanern genau im richtigen Moment: Die zuvor verbotenen Bauernmärkte wurden Ende der 90er Jahre wieder eingeführt und die Kleinbauern am Rande und in Städten gefördert – es sollte dort produziert werden, wo Bedarf herrscht. Zwei Drittel des in Havanna verzehrten Gemüses bauen heutzutage Kooperativen wie die von Salcines an. „Der Betrieb läuft gut, aber ohne die Unterstützung durch die Welthungerhilfe, wäre es am Anfang sehr schwer gewesen. Denn das meiste, was man an Material braucht, umso eine Farm aufzubauen, ist in Kuba nicht zu bekommen“, erklärt der Bauer.

Das wirkliche Geheimnis des Erfolges liegt aber an anderer Stelle. Vorbei an Gemüsefeldern, der Konservierungsanlage, den Ställen für Kleinvieh wie Kaninchen und Ziegen läuft Salcines zu einer Reihe schwarzer Trögen. Hier werden Regenwürmer gezüchtet. Der Humus, den diese produzieren, machte die Kooperative unabhängig vom importierten teuren Dünger. Mittlerweile werden hier allein 350 Tonnen Humus und Pflanzendünger im Jahr produziert. Und nicht nur hier, sondern auf ganz Kuba kommen dank geförderter Agrarschulungen nun Regenwürmer und Kompost statt Kunstdünger und Pestiziden auf die Felder.

Biodiversität gegen Schädlinge

„Wir haben außerdem auf Kuba eine sehr hohe Biodiversität“, so erklärt Salcines weiter, „wir züchten hier verschiedene Insekten, die gut gegen Schädlinge sind.“ Ebenso werden spezielle Pilze, wie die Mykorrhizapilze angepflanzt, die eine Verbindung mit den Wurzeln der Pflanzen eingehen, so dass diese mehr Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen können.

Doch nicht nur die Anbaumethoden sind bei der Kooperative von Salcines neu, auch das Lohnsystem ist innovativ: Wer besser arbeitet, bekommt mehr Geld, wer lange in der Kooperative bleibt, bekommt Anteile, je mehr Anteile man hat, desto mehr Geld bekommt man. „Wir versuchen nur gerecht zu sein.“ Eine Einstellung, die ihm schon öfter Probleme bereitete. Aber eine, die funktioniert, wie sich zeigt.

Letzte Aktualisierung 18.10.2017

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