Die Nothilfe ist heute professioneller

Der Tsunami 2004 war die erste Katastrophe, die auf YouTube übertragen wurde. Der Druck der Helfer war enorm.

Nothelfer Gunter Schramm
Nothelfer Gunter Schramm: "Der größte Fehler war, dass man sich in dieser Situation kaum abgestimmt hat." © Grossmann © Jens Grossmann
Tsunami – Gefahr aus dem Meer

Ursachen und Hintergründe

Direkt nach dem Tsunami reisten Gunter Schramm und Birgit Zeitler als Mitglieder des Nothilfe-Teams der Welthungerhilfe ins Katastrophengebiet nach Südostasien. Sie wurden konfrontiert mit den Auswirkungen der größten Katastrophe, die sie bis zu diesem Zeitpunkt erlebt hatten. Im Interview erzählen sie, was sie aus den Ereignissen damals gelernt haben. 

Der Tsunami gilt als die „schlimmste Katastrophe, die die Welt je gesehen hat“. Haben Sie das auch so empfunden?

Birgit Zeitler: Es war eine Katastrophe von gigantischem Ausmaß. Hundertausende Tote, eine immense Zerstörung der Landschaft und viele, unendlich traurige Menschen. Besonders schwierig für uns Helfer wurde es dadurch, dass der Tsunami die erste Katastrophe war, die auf YouTube übertragen wurde. Von Anfang an war die ganze Welt mit dabei.

Als die Hilfe dann angelaufen ist, wurden Fehler gemacht…

Gunter Schramm: Die verschiedenen Hilfsorganisationen haben sich fast überschlagen. Es ist ein Wettbewerb entstanden: Wer baut schnell die besten Häuser, wer organisiert die tollsten Fischerboote... Der größte Fehler war, dass man sich in dieser Situation kaum abgestimmt hat. Bei Verteilungen kam es dann zu Konkurrenz. Die Menschen sind ständig von Verteilung zu Verteilung gependelt, um sich die besten Sachen herauszupicken. 

Hat die Entwicklungshilfe aus diesen Fehlern gelernt?

Birgit Zeitler: Auf jeden Fall. Die Nothilfe, also die direkte Hilfe nach einer Katastrophe, haben wir international auf ein professionelles Niveau gebracht. Das ist auch den Vereinten Nationen zu verdanken: Sie haben den Cluster-Ansatz eingeführt, mit dessen Hilfe die Arbeit von Entwicklungsorganisationen nach Sektoren koordiniert wird. In regelmäßigen Abständen – auch wenn keine Katastrophe ist –  treffen sich Vertreter aller Entwicklungsorganisationen bei Cluster-Meetings. Hier wird unter Koordination der Vereinten Nationen abgestimmt, wer im Fall einer Katastrophe wo hilft. Die einen kümmern sich zum Beispiel um Nahrungsmittelverteilung, die anderen bauen Häuser auf. Dank dieser Clusterbildung kann jede Organisation bei einer Katastrophe ihre Stärken einbringen, es herrscht kaum noch Wettbewerb. 

 

Auf den Tsunami sind weitere Katastrophen gefolgt. War das Team der Welthungerhilfe da besser aufgestellt?

Birgit Zeitler: Ich war nach dem Erdbeben 2010 in Haiti. Auch dort gab es viele Tote und ungeheure Zerstörung. Auch dort haben die Helfer angesichts der Mega-Katastrophe eine gewisse Zeit gebraucht, ehe sie sich orientiert hatten und die Hilfe angelaufen ist. Es hat aber nicht mehr so gehakt. Wir hatten alles schneller unter Kontrolle. Dazu beigetragen haben sicher die Cluster-Treffen der UN. 

Nothilfe - früher und heute

Interview mit Simone Pott

Gunter Schramm: 2013 nach dem Taifun Haiyan auf den Philippinen bin ich mit einem großen Team angekommen. Wir waren acht Leute – anstatt wie damals nach dem Tsunami zwei. Und in der Zentrale in Bonn stand uns ein ganzer Pool von Ansprechpartnern zur Verfügung. Inzwischen gibt es immer – auch an hohen Feiertagen – Menschen, die in Rufbereitschaft stehen. Im Notfall lassen die alles stehen und liegen und helfen.

Das ungekürzte Interview lesen Sie in der Welternährung 4/2014.

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