03.05.2013 | Blog

Wasserleitungen sind zerbombt

Die Menschen in Syrien haben Probleme, an sauberes Trinkwasser zu kommen

Ein Ende der Kämpfe in Syrien ist nicht abzusehen, über 4,5 Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Um festzustellen, wo sie am Dringendsten  benötigt wird, und wie sich die Lage weiterentwickeln wird, war Rüdiger Ehler vom Nothilfe-Team der Welthungerhilfe mit Kollegen der Partnerorganisation People in Need (PIN) Ende April im Land unterwegs.

Nach einem Besuch der Stadt Taftanaz, die im Nordwesten Syriens liegt, hält Rüdiger Ehrler in seinem Reise-Protokoll Folgendes fest: Hinsichtlich der Wasserversorgung steuert das Land auf eine Katastrophe zu.

Wasser- und Stromleitungen sind durch die Kämpfe zerstört

Die Kollegen von PIN erzählen, das Taftanaz einmal 20.000 Bewohner hatte. Während des Bürgerkrieges sind die meisten geflohen, die Einwohnerzahl ist auf 8.000 geschrumpft. Das Zentrum der Stadt wurde aus der Luft stark beschossen – dutzende Gebäude sind zerstört. Besonders schlimm hat es die Wasserleitungen getroffen.

Ohne Strom funktionieren Pumpen nicht!

Wie problematisch das ist, erfahren wir, als wir zu den vier großen Brunnen außerhalb der Stadt fahren. Normalerweise wird über diese Brunnen die gesamte Stadt mit Wasser versorgt. Das Wasser, das tief unter der Erde liegt, wird mit strombetriebenen Pumpen an die Oberfläche befördert und anschließend über ein Rohrleitungssystem in die Stadt geleitet. Das funktioniert im Moment nicht, weil es bedingt durch die Kämpfe im Land immer wieder zu Stromausfällen kommt. Und ohne Strom laufen die Pumpen nicht.

Knappe Rohstoffe und Ressourcen - Benzin für Generator fehlt

Alternativ hat man versucht, Strom mittels eines Generators zu erzeugen. Das Problem: Der wird mit Benzin betrieben. Doch im Bürgerkrieg herrscht überall ein Mangel an Rohstoffen. Auch in Taftanaz gibt es nicht genug Benzin, um damit den riesigen Generator anzuwerfen. Die Leute, die für die Wasserversorgung vor Ort zuständig sind, erzählen uns, dass sie den Generator in den vergangenen zwei Wochen kein einziges Mal zum Laufen gebracht haben!

Sauberes Wasser ist überteuert und rar

Die einige Möglichkeit derzeit in Taftanaz an sauberes Wasser zu kommen ist, dieses von einem Privatmann zu kaufen. Er besitzt auf dem Land einen eigenen Brunnen. Allerdings verkauft er das Wasser zu überteuerten Preisen, die Wenigsten können sich das leisten.
Eine Lösung des Wasser-Problems ist im Moment nicht absehbar: Selbst wenn es ausreichend Strom oder Benzin für die Pumpen gäbe, müsste man das Wasser in die von Bomben zerschossenen Leitungen pumpen – und dann würden große Mengen über die lecken Stellen einfach ungenutzt im Boden versickern.

Die Lage wird sich weiter zuspitzen

Die Situation in Taftanaz ist kein Einzelfall, andere Städte und Gemeinden klagen über ähnliche Schwierigkeiten. Es ist zu befürchten, dass sich die Situation in den kommenden Monaten weiter zuspitzt. Ab Mai wird es heiß in Syrien. Für die Landwirtschaft und natürlich zum Trinken und Waschen benötigen die Menschen dann wesentlich mehr Wasser als jetzt. Damit sich der Zugang für alle – jetzt und vor allem im Sommer – besser, muss jetzt etwas unternommen werden!

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Letzte Aktualisierung 24.09.2017

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