01.10.2013 | Gastbeitrag

Neue Anbaumethoden in Haitis Norden

Der Norden Haitis ist extrem arm und das Land wird regelmäßig von Naturkatastrophen geplagt. Die Welthungerhilfe unterstützt die Bewohner der Kleinstadt Jean Rabel, sich auf kommende Krisen einzustellen.

zwei Männer beim Gemüseanbau
In Jean Rabel wird verschiedenes Gemüse, darunter Mais, angebaut. © Daniel Rosenthal
Rick Noack Journalist

Leonie Fleurimond hatte mit dem Leben in ihrer Heimatstadt Jean Rabel eigentlich abgeschlossen. „Es gab dort keine Zukunft“, sagt sie. „Die Arbeitslosigkeit war hoch, die Aussichten auf eine bessere wirtschaftliche Entwicklung minimal.“ Vor drei Jahren kehrte sie dennoch zurück, heute steht sie inmitten ihrer eigenen Bananen-Pflanzen. „Es lohnt sich wieder, hier Landwirtschaft zu betreiben“, sagt sie.

Ein Stück weiter, im Zentrum Jean Rabels läuft Dirk Guenther, Regionaldirektor der Welthungerhilfe, über den Marktplatz. Seit über zehn Jahren ist die Welthungerhilfe in der 20.000-Einwohner-Stadt aktiv. Dirk Guenther deutet auf einen Berg Tomaten: „Früher hätte es die nicht gegeben. Der Boden war zu trocken. Die Bauern konnten ihre Ware nicht verkaufen, da sie selbst kaum Nahrung für sich und ihre Familie ernteten.“ Heute reiht sich Marktstand an Marktstand.

Regenwasser wird in Kanälen gesammelt

Doch die Berge, die Jean Rabel umgeben, sind kahl. Wie an vielen anderen Orten des Landes. Auf der Suche nach Feuerholz haben die Haitianer in den vergangenen Jahrzehnten fast alle Wälder abgeholzt. Es regnet nicht häufig im Nordwesten Haitis, aber wenn es geschieht, fallen innerhalb kurzer Zeit große Wassermengen auf den trockenen Boden. Das Regenwasser fließt ab, ohne tief genug in den Boden einzusickern. 

Viele Bauern haben ihre Felder auf Terrassen gebaut. So schützen sie den Boden vor Erosionen und das Wasser versickert langsamer. Auf den Terrassen pflanzen die Bauern Bananen, deren Blätter wiederum Schutz für kleinere Nutzpflanzen bieten. Angebaut wird alles, zum Beispiel Tomaten, Mais, Auberginen. Die Mischung sichert eine vielfältige Ernährung. Manche Felder werden zusätzlich über künstliche Kanäle bewässert – die Welthungerhilfe hat sie in den vergangenen Jahren gemeinsam mit den Bauern gebaut.

Unabhängig von fremder Hilfe

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Mehr zum Thema finden Sie in der Zeitung der Welthungerhilfe.

Stfilet Britickomceye öffnet ein Tor am Betonkanal und lässt Wasser auf sein Feld fließen. „Vor dem Bau des Wasserkanals waren wir vom Regen abhängig“, sagt er. „Jetzt kann ich das ganze Jahr anbauen.“

„Als das Erdbeben das Rohr beschädigte, überließen wir es den Anwohnern, die Schäden zu reparieren“, erzählt Dirk Guenther. „Denn die Menschen sollen sich selbst helfen können.“ Bei einer großen Trockenheit vor ein paar Jahren wollte eine Hilfsorganisation mit Nahrung aushelfen, die der kompletten Ernte der Bauern entsprochen hätte. Dabei waren im Norden nur ein Drittel aller Nahrungsmittel zerstört worden. „Wenn alle Nahrungsmittel ersetzt werden, verfällt der Wert der unbeschädigten Ware“, erklärt Guenther. „Das macht die Bevölkerung abhängig von uns. Genau das Gegenteil wollen wir erreichen.“ Am Ende setzte sich die Welthungerhilfe mit ihrer Forderung durch, die Nahrungsmittelhilfe anzupassen.

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