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01.06.2016 | Nachbericht

World Humanitarian Summit 2016

Paradigmenwechsel von Krisenreaktion auf Vorsorge: Politik, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft müssen gemeinsam innovative Wege gehen.

World Humanitarian Summit – WHS, 2016
Weltgipfel für Humanitäre Hilfe (World Humanitarian Summit – WHS) 2016 © UN Photo/Eskinder Debebe
Ulrich Post Team Grundsatzfragen

Der Weltgipfel für Humanitäre Hilfe (World Humanitarian Summit – WHS) ist der erste globale Gipfel rund um humanitäre Hilfe. Er fand vom 23. bis 24. Mai 2016 in Istanbul statt. Das Ziel: eine vielfältigere humanitäre Gemeinschaft aufzubauen und eine neue gemeinsame Agenda zu etablieren. „Der Gipfel war ein wichtiger Anfang, nicht mehr“, so das Resümee von Dr. Till Wahnbaeck.

„Die Staatengemeinschaft muss die Probleme an der Wurzel packen. Mehr Geld und mehr Effizienz zu versprechen wird sich als unzureichend erweisen, wenn zugelassen wird, dass die Krisen immer schlimmer werden,“ schreibt Priya Behrens-Shah, Humanitarian Policy and Advocacy Advisor der Welthungerhilfe, bei E + Z.

Der Bedarf an weltweiter humanitärer Hilfe ist derzeit so groß wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Politisches Versagen, Instabilität, bewaffnete Konflikte, Missachten des Humanitären Völkerrechts, Klimawandel, globale Ungerechtigkeit, Massenvertreibung – die Ursachen für die Not der Menschen sind in der heutigen Welt vielfältig und allgegenwärtig. Im Jahr 2015 waren rund 78 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Eine Zahl, die in den nächsten Jahren sogar noch steigen soll. Gleichzeitig steht immer weniger Geld für die Versorgung von Menschen in akuter Not zur Verfügung.

Durchschnittlich 42.500 Menschen täglich (!) mussten 2014 ihre Heimat verlassen. Humanitäre Krisen haben verheerende Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit, Ernährungssicherheit, Existenzgrundlagen, körperliche Sicherheit, persönliche Selbstverwirklichung und die Würde der Betroffenen.

"80 Prozent der humanitären Hilfe geschieht in Krisen- und Konfliktgebieten. Hier ist mehr Diplomatie und politischer Wille gefordert, um Kriege zu beenden", sagt der Vorstandsvorsitzende der Welthungerhilfe, Dr. Till Wahnbaeck. "Dass kein Staatschef der Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates auf dem Gipfel vertreten war, ist ein Problem. Denn humanitäre Hilfe kann Konflikte nicht beenden."  

Gerade vor diesem Hintergrund ist ein kollektives Umdenken erforderlich, um die Millionen Menschen unterstützen zu können, die von Konflikten und Katastrophen betroffen sind. "Der Gipfel war ein wichtiger Anfang, nicht mehr", fasst es Wahnbaeck zusammen. Er fordert einen Umsetzungsplan, der alle Beteiligten aus Politik, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft involviert. Die Ziele:  

 

    InsuResilience globale Partnerschaften

    Warum ist der Weltgipfel für Humanitäre Hilfe wichtig?

    Das Ziel des WHS: eine vielfältigere humanitäre Gemeinschaft aufzubauen und eine neue gemeinsame Agenda zu etablieren. Ergebnis der Beratungen der vergangenen drei Jahre ist Ban Ki-moons "Agenda for Humanity", die Agenda für Humanität. Diese beschreibt fünf Kernverantwortungen (Core Responsibilities), die als entscheidend gelten, um die Situation der von humanitären Krisen betroffenen Menschen zu verbessern: 

    Die 5 Kernverantwortungen:

    Staatsoberhäupter, Vertreter von NGOs, Zivilgesellschaft, betroffener Gemeinschaften, Jugendliche und Unternehmen werden sich auf dem Gipfel diesen Kernverantwortungen verpflichten.

    Warum nimmt die Welthungerhilfe am WHS teil?

    Die Welthungerhilfe bringt sich aktiv in den Gipfel ein, denn wir sind überzeugt: Nur gemeinsam und mit geteilter Verantwortung lässt sich erfolgreich daran arbeiten, die vielfältigen Herausforderungen der heutigen Welt zu überwinden. Humanitäre Katastrophen, sowohl von der Natur als auch vom Menschen ausgelöst, destabilisieren Familien, Gemeinschaften, Länder und ganze Regionen. In dieser komplexen Welt kann keine Einzelperson oder einzelne Organisation den riesigen humanitären Anforderungen alleine gerecht werden.

    Die Welthungerhilfe arbeitet nach dem Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe". Sowohl im Bereich der Nothilfe als auch der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit setzen wir auf nachhaltige Lösungen zur Ernährungssicherung. Wir wollen das erreichen, indem wir lokale Kompetenzen unterstützen und Eigenständigkeit fördern. Mangelernährung bekämpfen und den Hunger in ländlichen Gebieten besiegen – das geht nur, wenn wir in nachhaltige Landwirtschaft investieren. Ernährungssicherheit ist eine Grundvoraussetzung für alle Aspekte der Entwicklung. Oft wird das Erreichte durch steigenden Bedarf akuter humanitärer Hilfe wieder auf's Spiel gesetzt. 

    Die bisherige Trennung von humanitärer Hilfe und langfristiger Entwicklungszusammenarbeit wird den Anforderungen nicht mehr gerecht. Nationale und lokale Systeme und Organisationen müssen gestärkt und intensiver in die Abstimmung der internationalen Akteure eingebunden werden. Die Welthungerhilfe hat sich selbst verpflichtet, die lokalen Partner noch stärker zu unterstützen und zu schulen, damit sie langfristig in der Lage sind, in Katastrophensituationen schnell selbst zu handeln.

    "Klimaschutzversicherungen sind hier ein gutes Beispiel. Sie sind schneller, besser und billiger als der herkömmliche Weg, erst nach einer Krise zu reagieren. Der Gipfel hätte ein Signal setzen können, für solche Ideen Anschubfinanzierung bereitzustellen. Aber diese Chance ist vertan“, bedauert Dr. Till Wahnbaeck.  

    Politische Verantwortung – was wir fordern

    Wir fühlen uns der „Agenda for Humanity“ – der Agenda für Humanität – als internationale Hilfsorganisation verpflichtet, aber folgende Grundsätze müssen eingehalten werden: Wir fordern den politischen Willen und ein gemeinsames Vorgehen aller, sich für die Millionen Menschen in Not einzusetzen, die Konflikten, Naturkatastrophen, Unterernährung und Hunger ausgesetzt sind. Aus diesem Grund fordert die Welthungerhilfe die Regierungen und die Vereinten Nationen auf:

    1. Bewaffnete Konflikte müssen beendet und Kriegsverbrecher verantwortlich gemacht werden. Dazu braucht es starke politische Führungen und diplomatische Verhandlungen. Nur so kann das Ziel der Beendigung des Hungers bis 2030 erreicht werden.
       
    2. Die Ergebnisse des World Humanitarian Summit müssen mit einem globalen und verbindlichen System nachgehalten und die Fortschritte im Rahmen der Agenda for Humanity mit der Agenda 2030 verbunden werden.
       
    3. Die strengen Grenzen bei der Finanzierung von humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit müssen überwunden werden. Langfristige Mittel sollten einfach zugänglich sein, um absehbare humanitäre Krisensituationen im Vorfeld abzufedern.
       
    4. Nationale Regierungen müssen den humanitären Zugang zu den Betroffenen gewährleisten und das Mindestmaß an Arbeitsbedingungen für humanitäre Helfer sicherstellen: Arbeitsgenehmigungen und Visa, ungehinderten Transport von Hilfsgütern, Sicherheit von Helfern und medizinische Versorgung sowie den Schutz der Betroffenen und ihres Hab und Guts.
       
    5. Die Anerkennung der besonderen Rolle von internationalen Hilfsorganisationen bei der langfristigen Zusammenarbeit auf Gemeindeebene und mit lokalen Partnerorganisationen. Aufstockung von finanziellen Mitteln, damit internationale Organisationen die einheimischen Akteure besser beim Aufbau von Widerstandskräften unterstützen können. Parallel sollten neue Möglichkeiten geschaffen werden, damit lokale Organisationen finanzielle Mittel beantragen können.
       
    6. Erfahrungen aus der G7-Initiative zu Klimaversicherungen sollten aufgegriffen werden: neue Finanzierungsmöglichkeiten ausbauen; stärkere Investitionen in Projekte, die Risiken vermeiden; Unterstützung von nationalen Strategien in Ländern, die Risiko-gefährdet sind.
    Schlagworte
    Letzte Aktualisierung 17.07.2018

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