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17.02.2020 | Projektupdate

Öko-Ausbildung sichert Jobs und Umwelt

Uganda steht vor großen Herausforderungen: Rund 70 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 25 Jahre, die Mehrheit davon ist arbeitslos. Die „Green Colleges“ erreichen gleich zwei Ziele: Junge Frauen und Männer werden in Berufen ausgebildet, die Zukunft haben, und die zudem die bedrohten natürlichen Ressourcen des Landes schützen. Welthungerhilfe-Mitarbeiterin Katharina Brosch hat die "Green Colleges" besucht.

Fünf Menschen stehen im Wald.
Ausbilder Arthur Alinaiture (links) und seine Studentinnen und Studenten auf der Lehrtour durch den Wald. © Welthungerhilfe
Katharina Brosch Team Stiften & Vererben

Wir werden bereits erwartet - mit Gummistiefeln und Wanderstäben. Meine Kollegen und ich wechseln das Schuhwerk, und schon geht es über schmale Pfade an den Rand des tropischen Waldes. Wir treffen eine Gruppe Jugendlicher und ihren Ausbilder, Arthur Alinaiture. Er ist seit zwölf Jahren Tourguide und unterrichtet die Gruppe in ökosensiblem Tourismus. Viele Tourist*innen reisen aufgrund der eindrücklichen Natur in die Umgebung von Fort Portal, das Interesse an geführten Touren ist groß. Immer wieder hält die Gruppe an, um abwechselnd über eine Pflanze am Wegesrand zu referieren, oder um mit dem Fernglas schwarz-weiße Stummelaffen auf dem gegenüberliegenden Hang zu beobachten.

Ein junger Mann mit eine grünen Kappe.

Wenn ich den Kurs abgeschlossen habe, möchte ich im Bereich Ökotourismus weiterlernen. Und danach am liebsten mein eigenes Camp eröffnen.

Alfred Student der "Green Colleges" in Uganda

„Obwohl ich schon lange als Trainer arbeite, bin ich froh, Teil der „Green Colleges“ Initiative zu sein“, erzählt Arthur Alinaiture. „Durch den Kurs ‚Training of Trainers‘ habe ich neue Methoden an die Hand bekommen, die ich nun beim Unterrichten der jungen Leute einsetze. Die Jugendlichen sind mit großem Engagement dabei.“ Viele von ihnen kommen von weiter her und wohnen für die Dauer des sechsmonatigen Ausbildungsprogramms in der Nähe. So wie der 23-jährige Alfred: „Wenn ich den Kurs abgeschlossen habe, möchte ich im Bereich Ökotourismus weiterlernen. Und danach am liebsten mein eigenes Camp eröffnen“, sagt Alfred. Dafür benötigt er allerdings allein umgerechnet rund 1.500 Euro für ein geeignetes Grundstück. Durch die Spargruppen an seinem Heimatort Butebe, die die Welthungerhilfe mit der Organisation „Joint Effort to Save the Environment“ auf den Weg gebracht haben, wird Alfred im nächsten Jahr durch Gelegenheitsarbeiten in der Landwirtschaft umgerechnet rund 90 Euro beisammenhaben. Irgendwann wird es vielleicht wirklich für seinen Traum reichen.

Ressourcenschonende Anbaumethoden schaffen Alternativen

Ein Mann in grünem Overall zeigt jungen Menschen etwas auf einem Gemüsebeet.
Auf dem Demonstrations-Gemüsebeet lernen die Studentinnen und Studenten der "Green Colleges" alles, was sie über ressourcenschonende Anbaumethoden wissen müssen. © Welthungerhilfe
Eine Gruppe junger Menschen steht um eine Pflanze herum, eine junge Frau untersucht sie. "Ökopreneure" für eine nachhaltige Zukunft

Die "Green Colleges" geben 1.500 Jugendlichen in Uganda eine Zukunft mit nachhaltigen Berufen.

Für uns geht es weiter zu einem landwirtschaftlichen Schulungszentrum in Karabole. Mit den Auszubildenden und ihrem Trainer gehen wir zu den Demonstrations-Gemüsebeeten. Dreimal die Woche kommen die Jugendlichen und Erwachsenen hierher, und schon jetzt haben sie viel über ressourcenschonende Anbaumethoden gelernt. Zum Beispiel, dass das Mulchen der Beete Verdunstung mindert und Wasser spart. Die neunzehnjährige Juliet Komuhimbo und die dreißigjährige Jacinta Komuhendo sind sich einig: „Durch den Kurs müssen wir auf dem Markt künftig weniger Geld für Lebensmittel ausgeben.“ Sie wissen nun, wie sie ihr eigenes Feld neben dem Haus ihrer Familie gut bestellen und später sogar Produkte verkaufen können. Leiterin Kobugabe Claire Dorcus betont: „Das Ausbildungsprogramm hat das Leben vieler der Mädchen verändert. Einige von Ihnen lebten vorher auf der Straße, verkauften ihren Körper, um an Geld zu kommen.“ Nun haben sie eine Alternative.

Mit Sirup Ernteüberschüsse vermeiden

Gute Aussichten auf ertragreiche Arbeit verspricht auch die Ausbildung bei Mugisa Deo Araali. In seinem Kurs lernen die Teilnehmerinnen alles über das Herstellen von Sirup: das Sterilisieren der Arbeitsutensilien, das Verhältnis der verschiedenen Zutaten und den Umgang mit Kundschaft. Später werden die Frauen nun zu ihren selbst hergestellten Snacks auch schmackhafte Fruchtgetränke anbieten können. Durch Sirup lassen sich saisonal bedingte Ernteüberschüsse sinnvoll und gewinnbringend haltbar machen. Denn kühle Lagerräume gibt es hier kaum. Der Sirup ist sechs Monate haltbar, ein Liter wird mit bis zu 10 Litern Wasser verdünnt, braucht also wenig Platz beim Aufbewahren.

Ein Ausbildungskurs zur Herstellung von Saft und Sirup - dadurch lassen sich saisonal bedingte Ernteüberschüsse sinnvoll und gewinnbringend haltbar machen. © Welthungerhilfe
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Nach dem Saftpressen werden die Säfte zusammengefügt... © Welthungerhilfe
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...und mit Zucker angereichert. © Welthungerhilfe
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Danach wird der Saft aufgekocht und zu Sirup eingedickt. Er wird anschließend in sterile Glasflaschen abgefüllt © Welthungerhilfe
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Eine reguläre Ausbildung kann in Uganda nur beginnen, wer in allen relevanten Schulfächern gute Noten erreicht hat. Viele Jugendliche und junge Erwachsene aber erfüllen diese Voraussetzungen nicht, weil ihre Familie oder sie selbst irgendwann die Schulgebühren nicht mehr aufbringen konnten und sie die Schule verlassen mussten. Genau diese jungen Menschen sind es, an die sich die Initiative „Green Colleges“ der Welthungerhilfe und ihrer ugandischen Partner richtet und ihnen Perspektiven im praxisorientierten Handwerk eröffnet. Spargruppen unterstützen sie zudem dabei, ihre Ziele und Träume umsetzen zu können. Ein realitätsnaher Ansatz, der Hoffnung für junge Menschen bringt.

Letzte Aktualisierung 20.08.2020

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