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26.03.2020 | Projektupdate

Heuschreckenplage in Ostafrika

Sie ernten, was andere säen: In Ostafrika bedrohen riesige Heuschreckenschwärme die Existenzen von Millionen von Menschen. Besonders dramatisch: In den betroffenen Ländern ist die Nahrungsmittelversorgung bereits kritisch – die Welternährungsorganisation FAO warnt vor Hungersnöten durch die Heuschreckenplage.

Eine Frau steht mit dem Rücken zur Kamera, Heuschrecken schwirren um sie herum.
Eine Frau steht auf dem Feld, um sie herum schwirren Heuschrecken. © FAO
Kerstin Bandsom Team Communications

Die Schwärme aus Wüstenheuschrecken bestehen aus hundertmillionen Tieren und umfassen teilweise einen Umfang von bis zu 60 Kilometer Länge und 40 Kilometer Breite. In nur wenigen Minuten fressen sie ganze Felder und Weideflächen kahl: Am Tag können die Insekten bis zu 150 Kilometer zurücklegen, dabei frisst jede Heuschrecke täglich die Menge des eigenen Gewichts. Auf einen Schwarm hochgerechnet ist das etwa so viel, wie es braucht, um 35.000 Menschen zu ernähren.

Fallen ganze Ernten den Heuschrecken zum Opfer?

Vor allem für die ländliche Bevölkerung stellt dies eine enorme Bedrohung dar: Viehhirten finden kaum noch Futter für ihre Tiere, da Weideland zum größten Teil bereits von den Heuschrecken vernichtet wurde. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sorgen sich um ihre Ernten – wurde die Aussaat bereits begonnen, besteht wenig Chance, dass die Insekten die Ackerflächen verschonen. Die Ernten wären dann verloren, gleichzeitig beginnen die Preise für Nahrungsmittel und Tierfutter auf den lokalen Märkten bereits zu steigen. Wer keine Reserven hat, findet sich in einer dramatischen Notlage wieder.

Bild von Matthias Späth.

Die schweren Regenfälle und Überschwemmungen haben die Verfügbarkeit von Grundnahrungsmitteln ohnehin schon sehr beeinträchtigt. Die Lebensmittelpreise steigen und jetzt kommen noch die Heuschrecken dazu. Es ist eine Katastrophe!

Matthias Späth Welthungerhilfe-Länderdirektor in Äthiopien

25 Millionen Menschen von Hunger bedroht

Heuschreckenschwärme, die Ernten und Weideland bedrohen, sind für viele Länder des Globalen Südens nichts Neues. Eine Plage in diesem Ausmaß hat es jedoch seit 25 Jahren nicht mehr gegeben. Begünstigt wurde dies durch extreme Klima-Schwankungen: Der sogenannte Indische-Ozean-Dipol tritt alle vier bis sechs Jahre auf und sorgt in Ostafrika für sintflutartigen Starkregen, der zu Überschwemmungen führt.

Für Heuschrecken ist ein feuchter und warmer Boden die optimale Bedingung, um sich zu vermehren. Bis Juni könnte die Population um das 500-fache steigen - die Vereinten Nationen warnen, dass dann bis zu 25 Millionen Menschen von Hunger bedroht sein könnten. Bereits jetzt sind über 10 Millionen der Menschen in den betroffenen Ländern von einer schweren Hungerkrise betroffen.

Eine Landkarte von Ostafrika mit der eingezeichneten Verbreitung der Heuschrecken.

Die Heuschreckenplage trifft weite Teile Ostafrikas. Die grüne Fläche zeigt die Ausbreitung der Schwärme. Bei Klick auf die Karte öffnet sich die interaktive Grafik der FAO zum Thema.

Klimawandel begünstigt Wetterextreme

Ungewöhnlich ist, dass der Indische-Ozean-Dipol in letzter Zeit gleich dreimal hintereinander stattfand. Experten gehen davon aus, dass dies mit dem Klimawandel zusammenhängt, durch den sich der Indische Ozean unterschiedlich stark erwärmt.

Äthiopien, Somalia, Kenia, Eritrea, und Dschibuti ist von der Insektenplage betroffen. Alle Länder haben etwas gemeinsam: Sie sind seit Jahren bereits von klimawandelbedingten Extremwetterphänomenen wie Dürren und teilweise auch Überschwemmungen betroffen. Meist befindet sich die Landbevölkerung dadurch ohnehin bereits in einer kritischen Ernährungssituation. Die Heuschreckenschwärme verschärfen die Lage zusätzlich.

Viele fliegende Heuschrecken, im Hintergrund sieht man Bäume und Gebüsche. Wird die Plage zur Katastrophe?

Thomas Hoerz, Programmleiter in Somaliland, berichtet über das Ausmaß der Bedrohung.

Heuschreckenschwärme müssen schnell bekämpft werden

Die aktuelle Heuschreckenplage hat ihren Ursprung im Oman und im Jemen, wo bereits im Oktober 2018 die Regenfälle des Zyklons Luban für üppige Vegetation und somit rasche Vermehrung der Tiere gesorgt hatte. Die Plage war also absehbar – doch Regierungen und Behörden zahlreicher Länder haben viel zu spät darauf reagiert. Hinzu kommt, dass einige Brutgebiete in Ländern liegen, in denen bewaffnete Konflikte eine Bekämpfung erschweren. Nun müssen Regierungen mit Unterstützung einheimischer und internationaler Landwirtschaftsexperten schnellstmöglich versuchen, die weitere Ausbreitung der Schädlinge einzudämmen.

„Wenn keine geeigneten Kontrollmaßnahmen getroffen werden, wirkt sich der Heuschreckenbefall verheerend auf die Ernten, die Viehwirtschaft und natürlich auf die Versorgung der betroffenen Menschen mit Nahrungsmitteln aus. In einigen Bezirken könnten bis zu 65 Prozent der Anbaugebiete von der Heuschreckeninvasion betroffen sein“, so Kelvin Shingles, Welthungerhilfe-Landesdirektor in Kenia.

Kenia versucht, die Plage durch Pestizide aus der Luft in den Griff zu bekommen. Der Griff zur Chemie ist allerdings gefährlich - und lösen das Problem nicht nachhaltig. Nicht nur die Heuschrecken, sondern auch Nützlinge werden getötet. Landwirtschaftliche Flächen werden ebenfalls kontaminiert und Menschen nehmen das Gift später über die Nahrung auf. Dies kann gesundheitsgefährdende Folgen haben.

Zwei sich paarende Heuschrecken.
Wüstenheuschrecken passen sich den Wetterbedingungen an. Ihre Geschlechtsreife entwickelt sich erst bei günstigen Umweltbedingungen - Wenn es regnet, erreichen alle Insekten die Geschlechtsreife auf einmal. © Adam Matan/CC_BY-SA-3.0

Anstatt kurzfristige Maßnahmen, sollte man sich besser auf den langfristigen Schutz der Lebensgrundlagen der Bevölkerung konzentrieren, denn die Heuschrecken könnten bis zu zwei Jahre bleiben. Hierzu zählen auch Vorsorgemaßnahmen: also die Gebiete ausfindig zu machen, in denen die Heuschrecken vor der Schwarmbildung noch als Einzelgänger unterwegs sind. Die regelmäßige Beobachtung möglicher Brutgebieten ist dabei zentral. Außerdem können dann biologische Schädlingsbekämpfungsmittel statt der Chemiekeulen zum Einsatz kommen, die für Menschen, Tiere und Pflanzen weniger schädlich sind.

Warum die Heuschrecken nicht als Nahrung gegen den Hunger dienen

Heuschrecken sind reich an Eiweiß und werden auch in vielen Ländern gegessen. Dennoch lässt sich bei Heuschreckenplagen das Einfangen und Verwerten nicht so einfach umsetzen, da die riesigen Schwärme über Regionen im wahrsten Sinne des Wortes herfallen. So ist in Kenia ein Heuschrecken-Schwarm unterwegs, der fast so groß ist, wie das Saarland – 2400 Quadratkilometer. Die Massen an Tieren lassen sich gar nicht so schnell einfangen, wie sie zerstören. Außerdem können Heuschrecken allein den Ernährungsplan der Menschen nicht decken. Und bei der Bekämpfung gibt es noch ein weiteres Dilemma: Das Vernichten der Tiere geht einher mit der Belastung der Landwirtschaft durch Gift. Vergiftete Tiere sollten aus gesundheitlichen Gründen nicht von Menschen verspeist werden.

Das macht die Welthungerhilfe vor Ort:

Somaliland

Äthiopien

Kenia

Letzte Aktualisierung 31.03.2020

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