17.12.2012 | Projektupdate

Armut bekämpfen in Myanmar

Die Menschen packen es an - mit Schulungen, neuen Straßen und Dorfkomitees

Schulkinder schauen aus dem Fenster.
Bildung schafft Zukunft. In Myanmar werden neue Schulen gebaut. © Roland Brockmann

Eine fast 50 Jahre andauernde Militärdiktatur und Bürgerkriege haben jeglichen Fortschritt in Myanmar behindert. Erst seit März 2011 geht es aufwärts, weil die Regierung einen Kurswechsel vollzieht. Es gibt viel zu tun: 32 Prozent der Bevölkerung leben in absoluter Armut. Auf ihrem Weg in eine bessere Zukunft unterstützt die Welthungerhilfe die Bewohner des Landkreises Htan Tabin.
 

Htan Tabin liegt im Süden des Landes, nur 20 Kilometer von der Millionenstadt Yangon entfernt. Trotz der Nähe zur Metropole ist die Region, in der 140.000 Menschen leben, ländlich geprägt und kaum entwickelt: Das Straßen- und Wegenetz ist schlecht. Die Haupteinnahmequelle ist der Reisanbau. Doch eigene Reisfelder besitzt nur ein Drittel der Bevölkerung. Die anderen Menschen arbeiten als Helfer in der Landwirtschaft, Gelegenheitsarbeiter oder fliegende Händler. Diese Jobs sind oft unterbezahlt, viele Familien nehmen deshalb bei lokalen Geldverleihern Kredite zu überhöhten Zinsen auf. Schlechte Ernten, Arbeitsunfähigkeit oder Krankheiten machen es häufig unmöglich, das Geld zurückzuzahlen. Es ist ein Kreislauf der Armut.

Dorfausschüsse gehen Probleme an

Bei allen Aktivitäten der Welthungerhilfe in Htan Tabin geht es darum, die Menschen zu stärken, damit sie langfristig nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen sind. Der Aufbau von Dorfausschüssen zeigt bereits gute Erfolge: 23 Komitees planen selbst wie ihre Gemeinden sich weiterentwickeln sollen. Durch ihr Engagement wurden Schulen, Zugangswege und Brücken rund um Htan Tabin repariert. Über sichere und kürzere Wege gehen nun auch wieder mehr Kinder zur Schule.

Außerdem packen die Komitees das Thema "Verschuldung" an: Die Ersparnisse der Familien sollen nicht länger in den Taschen von Kredithaie landen. Deshalb gründeten sie Dorfentwicklungsfonds, die gemeinschaftliches Kapital zu guten Konditionen bereitstellen. Hierfür zahlt jeder Dorfbewohner monatlich 50 Kyat (5 Cent) ein. Bei einem Notfall steht der betroffenen Familie Geld aus dem gemeinsamen Spartopf zur Verfügung. Das Beste: Für das geliehene Geld fallen keine Zinsen an! Somit sind die Menschen nicht mehr abhängig von der Willkür der bisherigen Gläubiger und ihrer Wucherzinsen.

Die Schulungen der Welthungerhilfe eröffnen den Bewohner neue Arbeitsplätze und Chancen: Frauen lernen nähen, Männer werden zu Mechanikern und Elektrikern ausgebildet. Und der Selbsthilfeansatz trägt Früchte: Viele kleine Geschäfte wurden seither eröffnet. Die Menschen in Htan Tabin haben begonnen, eigene Ideen zu entwickeln. Die Schulungen und die günstigeren Kreditbedingungen haben den Menschen Mut gemacht, neue Schritte zu wagen.

Gegenwart und Herausforderungen für die Zukunft

Und die Entwicklungen gehen weiter: Eine neue Schule soll 2013 gebaut werden und Straßen und Bewässerungskanäle über mehrere Kilometer Länge sind geplant. Insgesamt sollen 3.000 Menschen davon profitieren. Es liegt nun in der Verantwortung der Bewohner, ihre neu gefundene Selbsthilfekraft weiter zu erhalten. Über ihre neu geschaffenen Dorf- und Verwaltungsstrukturen erhalten die Menschen in Htan Tabin dauerhaft eine eigene Stimme – und tragen so zur weiteren Demokratisierung Myanmars bei.

Die Welthungerhilfe arbeitet gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Myanmar.

Letzte Aktualisierung 27.02.2018

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