09.03.2017 | Projektupdate

Wasser reicht nicht aus

Ostafrika braucht dringend Regen. Schon im dritten Jahr in Folge bleibt er aus oder ist viel zu gering, um die Ernährung für Kleinbauern und Viehzüchter sicherzustellen. Eine Hungerkatastrophe bahnt sich an. Auch in Kenia versiegen die Wasserstellen und tausende Tiere verenden. Ein Überblick über die Lage in Turkana County.

Kenianerin sitzt mit ihrem Vieh auf dem Boden
Der Boden trocken, das Vieh am Verdursten: viele Menschen in Kenia kämpfen um ihre Existenzgrundlagen © Welthungerhilfe
Eugene Wanekeya Landesbüro Kenia

„Wir haben schon zu viele Tiere verloren. So viele, dass wir aufgehört haben zu zählen“, mit diesem Worten empfängt Paul Ekatorot unser Team. „Folgt einfach dem Geruch der Verwesung. Je intensiver er wird, desto näher kommen wir den Tierkadavern“, sagt er. Paul ist einer von 9.000 Menschen aus der Region Nanam, in Turkana County, die derzeit unter den Folgen der Dürre leiden. Tote, verwesende Ziegen, von denen oft weniger als Haut und Knochen übrig ist, säumen die Straße nach Nanam. Schon über 11.000 Menschen haben sie zur Flucht genutzt, um die Region auf der Suche nach Wasser und Weideland zu verlassen, erzählt uns Paul.

So hilft die Welthungerhilfe in Kenia

Kenia wird regelmäßig von Trockenzeiten heimgesucht. Auch in diesem Jahr liegen die Regenfälle weit unter dem benötigtem Jahresdurchschnitt. Mehrere Landesteile, darunter auch Turkana County sind betroffen. Die Nahrungsgrundlage von rund 2,7 Millionen Menschen ist in Gefahr. Die Welthungerhilfe hat bereits Maßnahmen eingeleitet, um die Ernährung und Verfügbarkeit von Trinkwasser vor allem für Kleinbauern und Viehhalter sicherzustellen:

Besser gewappnet für die (nächste) Dürre

Seit vergangenem Jahr unterstützt die Welthungerhilfe mit ihrem Partner TUPADO auch die Menschen in Turkana County dabei, widerstandsfähiger gegenüber Dürren zu werden. Wir haben unter anderem baufällig gewordene Brunnenanlagen wieder Instand gesetzt. Früher wurde das Wasser hier mit Dieselmotoren hochgepumpt. Jetzt werden hier nachhaltige und in der Instandhaltung deutlich kostengünstigere Solarpumpen verwendet. Mit Hilfe der neuen Pumpen kann das Wasser über weite Strecken gefördert werden. An strategisch wichtigen Punkten – etwa in der Nähe von Dörfern oder an Orten, an denen Hirten und ihre Herden regelmäßig vorbeikommen – konnten so Wasserstellen errichtet werden.

„Das ist eine große Erleichterung für uns“, sagt Irene Ekiru, Mutter von vier Kindern. „Vorher mussten wir 20 Kilometer bis zum nächsten Fluss laufen.“ Wenn sie sich auf den zwölfstündigen Fußmarsch machte, musste Irene ihre Kinder und ihre Herde zurücklassen. Jedes Mal hat sie sich dabei schlecht gefühlt: „Es hätte passieren können, dass meine Töchter vergewaltigt werden oder Diebe mein Vieh klauen.“ Glücklicherweise ist das nie passiert. Irene freut sich jetzt, dass sie nur noch drei Kilometer bis zum nächsten Wasserloch laufen muss. Die Wasserstelle versorgt außerdem eine nahe gelegene Schule und 500 Haushalte in der Region mit Wasser.

Das Wasser reicht nicht überall

Dramatischer ist die Situation in der Nachbarregion Oropoi. Die kürzlich Instand gesetzte Wasserstelle ist im Dauereinsatz – dennoch liefert sie zu wenig Wasser, um die hohe Nachfrage zu befriedigen. Ein Teil des geförderten Wassers wird in Tanks gespeichert. „Doch wir haben zu wenig Tanks und damit zu wenig Speicherplatz“ befürchtet Father Victor, der der lokalen Kirche vorsteht. Er rechnet damit, dass demnächst auch Viehhirten aus anderen Regionen erfahren, dass es in Oropoi Wasser gibt.  „Sie werden kommen. Wenn wir die hohe Nachfrage dann befriedigen wollen, müssen wir unbedingt noch nach mehr Wasser bohren und weitere Tanks organisieren“, sagt Father Victor.

Für viele Menschen in betroffenen Gebieten kommt schon jetzt jede Hilfe zu spät. Mit ihren Herden haben sich die Familien auf die beschwerliche Flucht ins benachbarte Uganda gemacht. „Der Weg dorthin ist gepflastert mit Tierkadavern“, sagt Charies Lokala, der Dorfvorsteher von Oropoi. In anderen Fällen würden bei der Wanderung über Landes-und Gemeindegrenzen ganze Viehherden von rivalisierenden Stämmen gestohlen. Gelingt es den Hirten samt Tieren dann doch, die Grenze zu Uganda zu erreichen, passiere es, dass ihnen der ugandische Grenzschutz die Einreise mit Waffengewalt verwehrt.

Mein Besuch in Turkana County zeigt: In einigen Gebieten sind die Menschen dank unserer Unterstützung besser gewappnet gegen lang anhaltende Trockenzeiten – Brunnen und Wasserspeicher tragen dazu bei. Andernorts kommen die Gemeinden mit den wiederholten und anhaltenden Dürren schlechter zurecht. Nach und nach bricht dort die landwirtschaftliche Versorgung zusammen, das Vieh – die Lebensgrundlage vieler – stirbt. Diese Menschen brauchen jetzt dringend unsere Unterstützung.

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Letzte Aktualisierung 15.12.2017

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