06.10.2014 | Projektupdate

Artenvielfalt gegen Klimawandel-Folgen

Mit 531 unterschiedlichen Kartoffelsorten sichern Bauern in Peru ihre Ernten

Zwei Peruanerinnen arbeiten auf dem Feld
Arbeit im Kartoffelfeld: 531 Kartoffelsorten wachsen inzwischen wieder in der Projektregion Ayacucho. © Karin Desmarowitz
Constanze Bandowski Journalistin

In der Region Ayacucho in Peru wehren sich die Menschen gegen die  Auswirkungen des Klimawandels und der Umweltverschmutzung. Sie bauen alte, einheimische Pflanzen und Kräuter an und setzen auf Artenvielfalt. Im Heimatland der Kartoffel gibt es mehr als 3.000 Sorten der lebenswichtigen Erdknolle.

Obdulia Galindo steht in ihrem Kartoffelfeld und jätet Unkraut. Die Pflanzen betten die 54-Jährige in ein Meer aus weißen, rosa und lilafarbenen Blüten. „20 verschiedene Kartoffelsorten habe ich hier", sagt die Kleinbäuerin. Auf ihrem Acker nebenan wachsen Oca-Knollen und Pferdebohnen, die knollenartige Kapuzinerkresse Mashua und Quinoa – alles traditionelle andine Kulturpflanzen.

„Mit einer höheren Artenvielfalt reduzieren wir das Ernterisiko durch Wettereinbrüche infolge des Klimawandels", erklärt die Agrarwissenschaftlerin Marcela Machaca, Gründerin von Asociación Bartolomé Aripaylla (ABA), der lokalen Partnerorganisation der Welthungerhilfe. „Die einheimischen Sorten sind nicht nur resistenter, sondern auch nährstoffreicher als moderne Züchtungen." Denn auf das Wetter ist kein Verlass mehr: Fröste, Starkregen und Hagelschauer erschweren die Landwirtschaft in den Anden ebenso wie lang anhaltende Trockenzeiten und Hitzewellen.

Rückbesinnung auf alte Pflanzen und Kräuter

Mit Unterstützung der Welthungerhilfe hat ABA in den Hochlandgemeinden der Provinz Ayacucho bereits 531 verschiedene Kartoffelsorten eingeführt. Schon bevor UN-Generalsekretär Ban Ki-moon das Jahr 2013 zum "Jahr der Quinoa" erklärte, förderte ABA den Anbau der gesunden Andenhirse. Hinzu kommen weitere Grundnahrungsmittel wie Mais, Amaranth, Bohnen, Erbsen, Kürbisse und resistente Weizensorten. In Gärten ziehen Bauernfamilien, Lehrer und Schüler Zwiebeln, Knoblauch oder Kohl für eine nährstoffreiche Ernährung. Durch Workshops besinnen sich die Quechua-Familien auf den Verzehr von eisenhaltigen Pflanzen und Wildkräutern zurück. Außerdem trocknen sie Fleisch und Feldfrüchte für schlechte Zeiten.

Alte Sorten gerieten in Vergessenheit

„Das alles ist in Vergessenheit geraten, weil es aufwendig zu produzieren ist", sagt Marcela Machaca. „Heute haben die Frauen aber Zeit dafür." Noch vor Kurzem brachen Frauen wie Obdulia Galindo im Morgengrauen auf, um ihre dürren Rinder auf die höher gelegenen Almen zu treiben. Sie blieben dort bis zu zwölf Stunden. Heute hält jede Familie mehrere Kühe auf saftigen Weiden in Dorfnähe. Durch den Verkauf von überschüssiger Milch und Käse konnte bereits für einige Kinder ein Studium in der Stadt Ayacucho finanziert werden. Ohne das eigenwillige wie geniale Wassermanagement von ABA wäre das nicht möglich gewesen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben Fachkräfte gemeinsam mit der Bevölkerung 71 Teiche für Regenwasser ausgehoben und mit Steinen gesichert.

Den gesamten Artikel von Constanze Bandowski, finden Sie im Jahresbericht von 2013.

Letzte Aktualisierung 27.02.2018

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