07.10.2014 | Blog

Tippy Tap: Händewaschen leicht gemacht!

Zu Besuch beim Wasser-Komitee in Odongo Oyere, Uganda: Welthungerhilfe Mitarbeiterin Bettina Beuttner besuchte gemeinsam mit Viva con Agua (VcA) und den Musikern Marteria und Maeckes ein Projekt im Norden Ugandas. Hier berichtet sie von ihren Erlebnissen.

Ein Junge wäscht sich die Hände mit Hilfe eines Tippy Tap.
Das Tippy Tap – eine einfache Konstruktion aus Stock, Kanister und Seife, gefüllt mit sauberem Wasser. So kann sich jeder, auch ohne fließend Wasser, die Hände waschen. © Kai Loeffelbein
Bettina Beuttner Team Communications

Odongo Oyere ist die Heimat von ca. 300 Familien und liegt im Norden Ugandas in der Region Oyam. Etwas mehr als vier Stunden braucht unser Reisebus von der Hauptstadt Kampala bis in das abgelegene Dorf. Grüne Felder und fruchtbare Bäumen am Straßenrand erinnern daran, dass die Region einst als Kornkammer des Landes bekannt war und für ganz Afrika Obst und Gemüse produziert hat.

Begegnungen auf Augenhöhe

Frauen tragen Wasserkanister
Früher war das Wasserholen mit langen und schweren Wegen verbunden. Nun steht der Brunnen direkt im Dorf. © Kai Loeffelbein, Welthungerhilfe

Kaum ausgestiegen werden wir von der versammelten Dorfgemeinschaft umringt, an den Händen genommen und zum gemeinsamen Tanzen und Singen aufgefordert. Herzlich und fast wie alte Bekannte werden wir begrüßt. Kein Wunder, bereits 2011 besuchte Viva con Agua das Dorf, um seine Bewohner kennen zu lernen und den über die gesammelten Pfandbecher-Spenden finanzierten Brunnen zu besichtigen.

Nach dieser freudigen Begrüßung berichten uns einzelne Dorfbewohner sowie Projektleiter Peter Jander der Welthungerhilfe in Uganda, darüber, was seit dem Bau des Brunnens und der  Hygieneschulungen im Dorf alles passiert ist.

Das Wasser-Komitee sorgt für nachhaltige Nutzung

'Sobald der Brunnen gebohrt und die Pumpe installiert war, ging die Verantwortung in die Hände der Dorfgemeinschaft über,' erklärt Peter Jander. 'Die Bewohner haben dann ein Wasser-Komittee von zehn Personen gegründet, die darauf achtgeben, dass der Brunnen auch in Zukunft sauberes Wasser gibt.' Ein Komittee-Mitglied ist Betty Okulu. Sie ist 47 Jahre alt, Mutter von sieben Kindern und die Schatzmeisterin der Gruppe. Sie erzählt uns, dass sich dank des neu gebohrten Brunnens vieles im Dorf und speziell für sie als Frau zum Positiven verändert hat. Früher mussten die Frauen und Kinder kilometerlange und beschwerliche Wege zum nächstgelegenen Wasserloch zurücklegen - äußerst anstrengend mit einem voll gefüllten 20 Liter Wasserkanister auf dem Kopf. Und je nach Jahreszeit glich das mühselig geholte Wasser eher einer grünen Brühe. Heute können die Familien frisches und sauberes Wasser direkt am Brunnen im Dorf abfüllen. Kinder und Säuglinge erkranken weitaus seltener an Infektionen als früher und Frauen haben nun mehr Zeit für andere Tätigkeiten.

Uganda WASH Uganda, WASH project Hintergrund

Mehr über die Arbeit der Welthungerhilfe in Uganda

Frauen halten zusammen!

Nach und nach werden uns die Mitglieder des Wasser-Komittees vorgestellt und wir sind darüber erstaunt, wie viele davon Frauen sind. Betty Okulu lächelt: 'Wir Frauen halten hier alles zusammen - die Familie, das Haushaltsgeld, warum nicht auch den Brunnen?' Als Schatzmeisterin sammelt sie von jeder Familie 200 Ugandische Schilling (ca. 17 Cent) pro Monat ein. Davon werden die Wartung der Pumpe sowie notwendige Reparaturen bezahlt. Monatlich kommt ein Mechaniker vorbei, der dafür sorgt, dass der Brunnen in einem guten Zustand bleibt. Das Komittee kümmert sich außerdem darum, dass die Brunnenanlage abends abgeschlossen und morgens wieder geöffnet wird. Ungebetene Gäste haben so keine Chance, kostenlos Wasser abzupumpen oder gar das kostbare Gut versehentlich zu verschmutzen. Hygiene wird in Odongo Oyere generell 'Groß geschrieben!' So überprüft Jennifer O., ebenfalls Komittee-Mitglied tagsüber die Wasserkanister der Familien auf Sauberkeit und verhindert damit, dass das Trinkwasser durch schmutzige Behälter auf dem Nachhauseweg verunreinigt wird. Auch auf unsere mitgebrachten VcA-Pfandflaschen wirft sie einen kritischen Blick, bevor wir sie mit dem klaren und erfrischenden Nass aus dem Brunnen auffüllen dürfen.

Hygiene - jeder hat´s in der Hand

Auf geht es zur einer weiteren wichtigen Einrichtung im Dorf – zum 'Stillen Örtchen'. Eine kleine mit Strohgedeckte Lehmhütte beherbergt die Toilette. Daneben steht eine einfache Konstruktion aus Stock, Kanister und Seife - ein Tippy Tap. Dies macht es nach der Benutzung der Toilette möglich, sich auch ohne fließendes Wasser aus einer Leitung hygienisch die Hände zu waschen. Musiker Maeckes probiert es gleich aus: er tritt auf einen Stock, der über ein Seil mit einem Kanister verbunden ist, aus dem Wasser und Seife kommen. Durch den Fußtritt wird der Kanister am Seil umgedreht, Wasser und Seife fließen so gemeinsam in die Hände, ohne dass etwas angefasst wurde. Die Vorteile liegen sozusagen auf der Hand: Der Benutzer muss nichts anfassen und keinen Hahn zudrehen. Die Übertragung von Bakterien und damit von Krankheiten wird vermieden. Zudem ist es ideal für wasserarme Regionen, da nur wenig Wasser verbraucht wird. Das Baumaterial lässt sich überall besorgen und kosten fast Nichts. Auch beim Tippy Tap achtet das Wasser-Komittee auf die Reinigung und sachgerechte Nutzung. Mit Erfolg: Viele Bewohner nutzen es und die Kindersterblichkeitsrate sinkt.

Nachhaltige Entwicklung – es ist möglich!

‚Für ein paar Stunden konnten wir in das Dorfleben eintauchen und mit eigenen Augen sehen, wie sich das Leben der Menschen dank des Brunnens nachhaltig verbessert hat. Wasser ist die Grundlage allen Lebens‘, stellt Michael Fritz, Gründungsmitglied von VcA am Ende des Projektbesuches fest. Odongo Oyere ist auf dem richtigen Weg. Aber noch in vielen anderen Gemeinden der Region sieht die Realität ganz anders aus: Kein eigener Brunnen, kaum sanitäre Anlagen, schmutzige Wasserlöcher und seichte Flüsse als Trinkwasserquellen. Welthungerhilfe und Viva con Agua werden sich daher weiterhin in der Region engagieren.

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