Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Seiteninhalt springen Zum Footer springen

Hunger: Verbreitung, Ursachen & Folgen

Was genau ist Hunger? Welche Folgen hat Unterernährung? Wo herrscht am meisten Hunger?

Frauen bieten ihre Produkte auf dem Markt an. © Welthungerhilfe
Hunger hat viele Gesichter: Trotz tlw. ausreichender Versorgung mit Nahrungsmitteln, leiden zwei Milliarden Menschen an Mangelernährung. Der Nährstoffmix ist entscheidend. © Welthungerhilfe

Alle zehn Sekunden stirbt ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen von Hunger. 690 Millionen Menschen hungern, zwei Milliarden leiden an Mangelernährung. Dabei gibt es genug Nahrung, Wissen und Mittel für alle. Mehr noch: alle Menschen haben ein Recht auf Nahrung. Die Welthungerhilfe arbeitet seit ihrer Gründung mit vielfältigen Strategien daran, den Hunger in der Welt bis 2030 zu beenden.

Was ist Hunger? Die Hunger-Definition

Fachleute unterscheiden drei Arten von Hunger: akuten, chronischen und verborgenen Hunger.

Akuter Hunger (Hungersnot) bezeichnet Unterernährung über einen abgrenzbaren Zeitraum. Es ist die extremste Form von Hunger und tritt häufig in Zusammenhang mit Krisen auf wie Dürren bedingt durch El Niño, Kriegen und Katastrophen. Oft trifft er Menschen, die bereits unter chronischem Hunger leiden. Das gilt für knapp acht Prozent aller Menschen, die hungern.

Chronischer Hunger bezeichnet einen Zustand dauerhafter Unterernährung. Der Körper nimmt weniger Nahrung auf, als er braucht. Obwohl die Medien meist über akute Hungerkrisen berichten, ist chronischer Hunger global am weitesten verbreitet. Er tritt meist in Zusammenhang mit Armut auf. Chronisch Hungernde haben zu wenig Geld für eine gesunde Ernährung, für sauberes Wasser oder eine Gesundheitsversorgung.

Verborgener Hunger (hidden hunger) ist eine Form des chronischen Hungers. Aufgrund von Essensmangel und einseitiger Ernährung fehlen wichtige Nährstoffe wie Eisen, Jod, Zink oder Vitamin A. Die Folgen von verborgenem Hunger sind auf den ersten Blick nicht unbedingt sichtbar, langfristig führt der Nährstoffmangel aber zu schweren Krankheiten. Insbesondere Kinder können sich geistig und körperlich nicht richtig entwickeln. Das Riskio, durch Hunger zu sterben, ist hoch. Weltweit leiden zwei Milliarden Menschen an chronischem Nährstoffmangel, auch in den Industrieländern. Verborgener Hunger schadet nicht nur den einzelnen Menschen, sondern kann die gesamte Entwicklung in den betroffenen Regionen hemmen, weil die Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Menschen abnehmen.

Hunger weltweit

Infografik zur Anzahl der weltweit hungernden Menschen.
2019 hungerten weltweit rund 690 Mio. Menschen. Das heißt jede 11. Person litt chronischen Hunger. © Welthungerhilfe

Das Wirkungsgefüge Hunger ist komplex, die Gründe für Hunger vielseitig. Die ländliche Entwicklung wurde jahrzehntelang ignoriert. Besonders schlimm ist die Lage auf dem Land, denn dort leben drei Viertel aller Hungernden. Fast alle produzieren selbst Nahrung. Als Kleinbäuer*innen bewirtschaften sie im Durchschnitt nur 1,6 Hektar, das entspricht etwa zwei Fußballfeldern. Immer weniger Weideflächen stehe für die Viehhaltung zur Verfügung. Indigene Bevölkerungsgruppen, die sich traditionell von Waldfrüchten und anderen Wildpflanzen ernähren, werden zunehmend von ihrem Land vertrieben. Auch Landlose, die zu niedrigen Löhnen als Tagelöhner arbeiten, sind stark von Hunger bedroht.

Hunger: Kinder besonders betroffen

Welthunger-Index 2019: Karte Welthunger-Index

Der Welthunger-Index berechnet und bewertet die globale Hungersituation.

Kinder hungern besonders. In traditionellen Gesellschaften leiden sie schwer unter den Folgen struktureller Ungleichheiten. Frauen haben kaum Zugang zu Bildung und Möglichkeiten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Meist fehlen ihnen eigene Ressourcen wie Land oder Kapital. Gleichzeitig kämpfen sie häufig mit der Doppelbelastung von Feldarbeit und Kindererziehung. Als Folge erhalten viele Kinder zu wenig Fürsorge und unzureichende Nahrung. Durch akuten Nahrungsmangel und Unwissen über Ernährungs- und Hygienefragen steigt dieses Risiko.

Die Welthungerhilfe unterstützt seit ihrer Gründung benachteiligte Kleinbäuer*innen und Landlose für eine standortgerechte Landwirtschaft.

Wer hungert am meisten?

Hunger auf dem Land am Stärksten

Grafik: Ist Hunger auf dem Land oder der Stadt größer?
Die Mehrheit der hungernden Menschen lebt auf dem Land. © Welthungerhilfe

Wo gibt es Hunger?

Der Welthunger-Index (WHI) gibt ein sehr genaues Bild der Welternährung und des Hungers wieder. Dafür misst er anhand von vier Indikatoren den Ernährungszustand der Bevölkerung. Er wird seit mehr als zehn Jahren von der Welthungerhilfe gemeinsam Partnern herausgegeben.

Brennpunkte des Hungers liegen in Afrika südlich der Sahara und in Südasien. Gemäß dem Welthunger-Index 2019 ist die Zentralafrikanische Republik von den Ländern, zu denen Daten vorliegen, als einziges von "gravierendem" Hunger betroffen. Vier weitere Länder – Tschad, Madagaskar, Jemen und Sambia – weisen eine "sehr ernste" Hungersituation auf. Auch in vielen südasiatischen Ländern wie Pakistan, Indien, Nepal, Bangladesch, Laos, Kambodscha und Indonesien ist die Situation als "ernst" einzustufen. Für manche Länder konnten keine WHI-Werte berechnet werden, da nicht für alle Indikatoren Daten verfügbar waren. In neun dieser Länder – Burundi, Komoren, Demokratische Republik Kongo, Eritrea, Libyen, Papua-Neuguinea, Somalia, Südsudan und Syrien – gibt die Hungersituation allerdings Anlass zu großer Besorgnis.

Warum gibt es Hunger?

Factsheet: Hunger

Zahlen, Daten und Fakten.

Die Ursachen von Hunger und Mangelernährung sind vielfältig. Die Agenda 2030 zeigt den Weg in eine gerechte Welt. Die Welthungerhilfe konzentriert sich dabei auf ihr Kernthema Ernährungssicherung.

Kriege und Konflikte: Aufgrund bewaffneter Auseinandersetzungen müssen Menschen fliehen und sind daher nicht mehr in der Lage, ihre Felder zu bestellen. Häufig verlieren sie ihr gesamtes Hab und Gut. Straßen und landwirtschaftliche Infrastruktur wie Bewässerungsanlagen werden zerstört. Durch die eingeschränkte Sicherheit leidet auch der Handel, Nahrungsmittel werden rar und teuer.

Naturkatastrophen: Wetterextreme haben seit jeher zu Hungerkrisen geführt. Dürren oder Überschwemmungen zerstören Ernten. Mit dem Klimawandel nehmen extreme Wetterereignisse zu. Dürren in mehreren aufeinander folgenden Jahren schwächen die Widerstandskraft (Resilienz) der Bevölkerung. Sie müssen ihre Vorräte an Saatgut aufbrauchen oder Vieh schlachten. 

Armut: Hunger ist vor allem eine Folge von Armut. Wer arm ist, hat zu wenig Geld für Essen, kann aber auch nicht genug für die eigene Gesundheit sorgen und in die Bildung der Kinder investieren. Frauen sind meist besonders benachteiligt. Nur eine standortgerechte Landwirtschaft kann den Teufelskreis von Armut und Hunger überwinden.

Ungleichheit: Die Agenda 2030 ruft uns dazu auf, niemanden zurückzulassen. Trotzdem verschärft sich die Ungleichheit zwischen Arm und Reich, sowohl global als auch innerhalb der einzelnen Länder. Ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt fast die Hälfte des Weltvermögens. Die „untere Milliarde“ der Armen und Hungernden hat kaum eine Chance, sich aus ihrer Misere zu befreien. Der Food Security Standard (FSS) soll die Ernährungssicherheit durch mehr Gerechtigkeit weltweit überwachen.

Verzerrter Welthandel: Die reichen Staaten bestimmen die Regeln der internationalen Politik. Unfaire Handelsabkommen und Subventionen schaffen Marktzugänge und Preisvorteile für Unternehmen aus den Industrienationen. Entwicklungsländer exportieren vor allem Rohstoffe, die Gewinne schöpfen reiche Staaten ab. Ein gerechter Agrarhandel fördert kleinbäuerliche Landwirt*innen sowie die ländliche Wertschöpfung (Value Chains). Die Welthungerhilfe gibt den benachteiligten Hauptproduzent/innen von Nahrungsmitteln eine Stimme.

Schlechte Regierungsführung: Die Regierungen in Entwicklungsländern richten ihre Politik meist nicht an den Bedürfnissen der ärmsten Bevölkerung aus. Es fehlen Strategien, die Landwirtschaft im eigenen Land so zu fördern, dass niemand mehr hungern muss. Korruption ist eines der größten Entwicklungshemmnisse, Landraub ein großes Problem.

Ressourcenverschwendung und Klimawandel: Wenn alle Menschen so lebten wie die reichen Länder, wären Ressourcen wie Wasser und Böden bald verbraucht. Die Folgen haben andere zu tragen: Ausbreitung von Wüsten, Bodenerosion, Wasserknappheit und extreme Wetterphänomene als Folge des Klimawandels machen sich vor allem in den Ländern bemerkbar, die ohnehin an Hunger und Armut leiden.

Hunger ist vermeidbar

Infografik: Warum Menschen hungern
Warum hungern Menschen? Was sind die häufigsten Ursachen für Hunger weltweit? © Welthungerhilfe

Was sind die Folgen von Hunger?

Hunger und Armut bilden einen Teufelskreis. Unterernährung ist nicht nur eine Folge von Armut, sie verursacht auch Armut, indem sie von Generation zu Generation weitergegeben wird – ein Teufelskreis. Sind schon die werdenden Mütter unterernährt, können ihre Kinder sich während der Schwangerschaft nicht richtig entwickeln und kommen häufig zu früh und/oder untergewichtig zur Welt.

Leidet ein Kind bereits im Mutterleib unter Mangelernährung, hat es kaum Chancen, seinen Entwicklungsrückstand wieder aufzuholen. Es hat häufig ein geschwächtes Immunsystem und ist somit anfälliger für Infektionskrankheiten. Die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes ist eingeschränkt, es kann sich schlechter konzentrieren und erbringt schlechtere Schulleistungen. Außerdem ist ein mangelernährtes Kind auch anfälliger für chronische Krankheiten im Erwachsenenalter. Beides führt tendenziell zu einer reduzierten körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit als erwachsener Mensch. Dadurch sinken die Verdienstchancen, das Armutsrisiko steigt, der teuflische Kreislauf des Hungers setzt sich fort.

Quellen

Letzte Aktualisierung 23.07.2020

Das könnte Sie auch interessieren

Deutsche Welthungerhilfe e. V., Sparkasse KölnBonn IBAN DE15 3705 0198 0000 0011 15, BIC COLSDE33
Newsletter abonnieren

Alle Informationen zu Katastrophen, Projekten und Veranstaltungen aus erster Hand erhalten.