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15.04.2026 | Blog

Krieg im Iran: Auch mit sofortigem Frieden und geöffneten Seewegen drohen Hunger und Armut zu eskalieren

Die zweiwöchige Waffenruhe lässt die Welt vorsichtig aufatmen. Trotz ihrer Fragilität weckt sie Hoffnung auf eine Entlastung der globalen Lieferketten. Dennoch ist die Gefahr nicht gebannt: Die ohnehin angespannte Ernährungslage droht sich weiter zu verschärfen und lokale Hungerkrisen auszulösen. Die Folgen sind jetzt schon immens. Alle Blockaden, die weltweit zu Armut und Hunger führen, müssen sofort aufgehoben werden und es muss schnellstmöglich eine diplomatische Lösung des Konflikts gefunden werden, um Schlimmeres zu verhindern.

Nutrition Smart Community in Malawi: Drei Frauen beraten sich auf einem Feld
Kleinbäuerinnen in Malawi. Der Krieg im Nahen Osten kann langfristige globale Folgen haben. Düngemittel erreichen viele Länder Afrikas nur noch verspätet oder gar nicht, was zu Nahrungsmittelknappheit führen kann. © Welthungerhilfe
Miriam Wiemers Team Politik und Außenbeziehungen

Welche Auswirkungen haben der Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus weltweit? 

Die Folgen des US-israelischen Kriegs gegen Iran bedrohen Existenzen weltweit. Die Blockade der Straße von Hormus seit Ende Februar hat eine fatale Kettenreaktion angestoßen. Was als Energie- und Düngemittelschock begann, wird bald in Ernteausfälle und Lebensmittelinflation umschlagen. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen warnt davor, dass 30 Millionen mehr Menschen in Armut gedrängt werden. Wenn armutsbetroffene Familien heute schon mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen, führt jeder Preissprung sofort zu Hunger. Viele Menschen können nur noch geringere Mengen und weniger Gemüse und Obst konsumieren. Steigen die Preise für Lebensmittel um zehn Prozent, kann dies die Zahl der akut unterernährten Kinder (wasting) um mehr als vier Prozent erhöhen.

Mit einer Spende dem Hunger entgegenwirken!

Viele Länder sind doppelt von der Golfregion abhängig: 

  1. Direktimporte: Sie benötigen fossile Energieträger für Transport, Landmaschinen und Strom oder auch die heimische Düngemittelherstellung.

  2. Düngemittel: Viele Staaten sind auf Düngerimporte angewiesen, da die Golfstaaten ihre riesigen Erdgasvorkommen für die energieintensive Produktion nutzen. Die Preise sind bereits stark gestiegen.

Die Blockade trifft Regionen besonders hart, in denen die landwirtschaftliche Produktivität ohnehin niedrig ist und die durch Klimaschocks wie Dürren oder Fluten – etwa am sog. Horn von Afrika – bereits am Limit stehen.

Der bereits angerichtete Schaden ist immens: Während wir in Deutschland über Preise an der Zapfsäule diskutieren, geht es in Madagaskar bereits um die Existenz: Dort wurde bereits der Energienotstand ausgerufen. In Sudan wird der konventionelle LKW-Transport auf kleine Motorräder und Eselskarren umgelagert, da der Treibstoff bis zu 78 Prozent teurer geworden ist. Zudem verzögert sich hier die Lieferung humanitärer Güter. In Indien klagen einkommensschwache Menschen über den fehlenden Zugang zu Kochgas und steigen wieder auf Brennholz um.

Nepal: Purana Rawat Bhandari bei der Zubereitung von organischem Flüssigdünger für den Gemüseanbau. Dank der Eigenproduktion ist sie nicht auf teure Importe angewiesen und somit resilienter gegen globale Krisen. © Welthungerhilfe / MeetingPoint

Welche langfristigen Folgen hat der Iran-Krieg auf die Landwirtschaft und Ernährungssicherheit? 

Es wird voraussichtlich Jahre dauern, bis die Produktionskapazitäten der Golfregion wiederhergestellt sind. Alternativen lassen sich nicht im Handumdrehen finden und komplexe Lieferketten brauchen in der Regel Monate, bis sie sich stabilisieren. Eine zeitlich begrenzte Waffenruhe bietet noch nicht die notwendige Planungssicherheit, um hier für spürbare Entlastung zu sorgen.

Während die Preise für Energie und Dünger bei Beginn der Blockade sprunghaft in die Höhe schossen, sinken sie nun nur zögerlich. Die Angst vor Knappheit, Spekulationen und Preistreiberei halten die Preise hoch, selbst wenn Schiffe wieder fahren. Die Anbauzyklen der Landwirtschaft warten jedoch nicht. 

Risiken für Landwirtschaft und Ernährung

Kritisch ist die Lage zum Beispiel in Äthiopien: Die wichtige Meher-Hauptsaison (Beginn Juni/Juli) steht bevor. Selbst wenn Lieferungen über Dschibuti nun eintreffen, blockiert die lokale Treibstoffknappheit den Weitertransport. In Kenia hingegen läuft die Aussaat noch bis Ende Mai. Viele Landwirte pflanzen dort ohne Dünger – eine riskante Notstrategie. Denn das Zeitfenster schließt sich schnell: Erreicht der Mais etwa vier bis sechs Wochen nach der Aussaat Kniehöhe, benötigt er massiv Stickstoff. Bleibt die Nachdüngung bis zur Schulterhöhe nach etwa acht bis zehn Wochen aus, sind die Ertragseinbußen irreversibel. 

Was tun Regierungen gegen die Folgen des Iran-Kriegs? 

Einige Länder versuchen, diesen Zeitverzug durch staatliche Hilfe zu mildern. In Kenia haben Maisbauern über subventionierte Lager weiterhin Zugang zu phosphorreichen Düngemitteln (DAP) und organisch-mineralischen Produkten. In Indien blieben die Verkaufspreise für Düngemittel durch staatliche Subventionen trotz gedrosselter nationaler Produktion stabil.

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Für die kleinere Sommerernte ist noch ausreichend Dünger vorhanden, allerdings haben Landwirt*innen aus Sorge vor künftigen Preissteigerungen Vorräte gehortet. Für die entscheidende Kharif-Saison (Beginn Juni/Juli) ist das Zeitfenster für die Düngung noch offen. Die zentrale Frage bleibt jedoch, wie lange diese fiskalpolitische Belastung für die Staatshaushalte tragbar ist. Viele Länder müssen neue Schulden aufnehmen, um die Subventionen zu bezahlen. Das Geld fehlt dann morgen bei Bildung, Gesundheit oder dem Klimaschutz. 

Was empfiehlt die Welthungerhilfe angesichts der drohenden Krise durch den Iran-Krieg?

Noch ist es nicht zu spät, Schlimmeres zu verhindern.

Ein Lichtblick zeigt sich auch in der Arbeit der Welthungerhilfe: Viele Kleinbäuer*innen in Nepal, Bangladesch und Indien produzieren eigenen natürlichen Dünger. Da sie nicht auf teure Importe angewiesen sind, erweisen sie sich in der Krise als deutlich resilienter.

Das zeigt den Weg in die Zukunft. Denn klar ist: Die aktuelle Krise muss als Anlass dienen, Ernährungssysteme widerstandsfähiger und nachhaltiger auszurichten. Dabei kommt es darauf an, Globalisierung so zu gestalten, dass sie Vielfalt und Resilienz stärkt, statt einseitige Abhängigkeiten zu fördern. Dazu gehören unter anderem die Förderung regenerativer Landwirtschaft und erneuerbarer Energien, der Ausbau regionaler Produktionskapazitäten für Düngemittel sowie eine breitere Diversifizierung von Handelsbeziehungen.

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Zeit ist in der aktuellen Krise ein entscheidender Faktor. Somit kommen die Meetings gerade richtig. Betroffene Länder brauchen jetzt akut finanzielle Unterstützung, um durch Bargeldtransfers sowie gezielte Subventionen von Düngemitteln und Lebensmitteln die Preise zu stabilisieren, die Pflanzsaison zu retten und das Schlimmste für die Bevölkerung abzuwenden. Ohne multilaterale Unterstützung drohen massive Rückschritte für viele Länder.

Auch Entschuldungsmaßnahmen müssen auf die Agenda. Eine entsprechende Finanzfazilität sowie Schuldenerleichterungen, Umschuldungen und Kreditverbesserungen können an Verpflichtungen für Investitionen in Landwirtschaft, Gesundheit, und Klimaanpassung gekoppelt werden, um Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen Krisen aufzubauen.

Die Finanzinstitutionen müssen weiterhin ihren Einfluss dafür nutzen, den ökonomischen Preis des Krieges so klar zu beziffern, dass der Druck auf die Kriegsparteien wächst, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

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