Hunger erhöht das Risiko für bewaffnete Konflikte. Umgekehrt gefährden Kriege die Ernährungssituation der Bevölkerung.
Krieg, steigende Ölpreise und Hunger: Warum Deutschland jetzt handeln muss
Die globalen Folgen des Kriegs im Iran und in Nahost
Während wir in Deutschland vor allem über steigende Energiepreise für Heizung, Transport und Produktion sprechen, entfaltet der Krieg im Nahen Osten weltweit deutlich gravierendere Folgen. Für viele Länder – insbesondere in Afrika – entsteht derzeit eine gefährliche Mischung aus Energiepreisschock, Lieferkettenproblemen und steigenden Lebensmittelkosten. Diese Entwicklung könnte Hungerkrisen verschärfen.
Mehrere Faktoren treiben diese Dynamik gleichzeitig an. Besonders kritisch ist die Lage rund um die Straße von Hormus, durch die normalerweise rund 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung und fast ein Fünftel des globalen LNG-Handels transportiert werden. Der Schiffsverkehr ist dort nahezu zum Stillstand gekommen, hunderte Tanker sitzen fest und die Transportkosten sind schon jetzt gestiegen.
Hinzu kommen Produktionsausfälle wichtiger Energieanlagen, da in der Region Raffinerien und Exportterminals beschädigt wurden. Selbst wenn die Kämpfe bald enden sollten, könnten Reparaturen Wochen oder Monate dauern.
Folgen des Nahost-Konflikts für Afrikas Volkswirtschaften
Die wirtschaftlichen Folgen sind in Afrika bereits deutlich spürbar – allerdings sehr unterschiedlich verteilt.
Einige ölproduzierende Länder wie Nigeria, Angola, Algerien und Libyen profitieren kurzfristig von höheren Einnahmen durch unerwartet hohe Ölpreise von über 100 US-Dollar pro Barrel. Für Länder wie Nigeria, deren Staatshaushalt ursprünglich mit deutlich niedrigeren Preisen kalkuliert wurde, bedeutet dies zunächst zusätzliche Einnahmen.
Für die Mehrheit der afrikanischen Staaten ist der Preisschock jedoch eine enorme Belastung. Länder wie Südafrika, Kenia oder Ghana sind stark von importierten Treibstoffen abhängig. Steigende Energiepreise belasten dort Staatshaushalte, treiben die Inflation und zwingen Zentralbanken zu Zinserhöhungen. Letztendlich steigen die Lebenshaltungskosten und gefährden dadurch die Lebensgrundlagen armer Menschen.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Einige der ölproduzierenden Länder importieren den Großteil ihrer raffinierten Kraftstoffe. Während die Staatseinnahmen durch den höheren Ölpreis steigen, müssen Verbraucherinnen und Verbraucher wie auch Agrarbetriebe gleichzeitig die steigenden Benzin- und Transportkosten tragen.
Wenn Energiekrisen zu Ernährungskrisen werden
Besonders besorgniserregend sind die Auswirkungen auf Agrar- und Ernährungssysteme. Der Persische Golf ist eine zentrale Quelle für Düngemittel auf dem Weltmarkt. Durch die Blockade wichtiger Handelsrouten sind Lieferungen stark eingeschränkt. Die Lieferungen stocken, die Preise steigen. Für viele afrikanische Länder könnte das die kommende Pflanzsaison 2026/27 massiv gefährden – Ernteeinbußen drohen.
Auch der internationale Schiffsverkehr gerät unter Druck. Große Reedereien umgehen inzwischen das Rote Meer und den Golfraum, was Lieferzeiten um Wochen verlängert und zusätzliche Notfallaufschläge verursacht. Diese Kosten werden entlang der Lieferkette weitergegeben – und landen letztlich in Form höherer Preise für Lebensmittel, Dünger oder auch Medikamente bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern.
Besonders gefährdet sind Länder mit ohnehin fragilen Wirtschaften oder hoher Verschuldung, etwa Sudan, Gambia, die Zentralafrikanische Republik oder Simbabwe. Auch die Sahelstaaten – etwa Mali, Burkina Faso und Niger – stehen unter besonderem Druck. Steigende Treibstoffkosten verteuern dort den ohnehin schwierigen Transport von Lebensmitteln zusätzlich und können bestehende humanitäre Krisen weiter verschärfen.
Was Deutschland jetzt tun kann
Wie stark und wie lange diese Entwicklungen wirken, hängt entscheidend davon ab, wie lange der Konflikt in Nahost anhält. Ein schnelles Ende des Krieges könnte einige der beschriebenen Effekte deutlich abmildern. Doch selbst kurzfristige Preisschocks und unterbrochene Lieferketten können in fragilen Staaten nachhaltige Krisen auslösen. Deshalb sollte die Bundesregierung bereits jetzt handeln.
Kurzfristig braucht es ein gezieltes Engagement zur Vermeidung von Hungerkrisen – etwa durch zusätzliche Mittel für humanitäre Hilfe und Förderung von Programmen zur Stabilisierung von Agrarsystemen.
Langfristig muss Deutschland sein Engagement für globale Ernährungssicherheit deutlich ausbauen. Das betrifft insbesondere Investitionen in widerstandsfähige Ernährungssysteme und nachhaltigere Agrarproduktion und ein Ausbau der internationalen Kooperation zur Umsetzung des zweiten UN-Nachhaltigkeitsziels (SDG): Null Hunger bis 2030.
Die aktuellen Entwicklungen zeigen einmal mehr: Energie- und Ernährungssicherheit sind global eng miteinander verbunden. Wer heute in Prävention und Resilienz investiert, verhindert morgen humanitäre Krisen und trägt zur Überwindung von Hunger bei.
