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Eine Frau hält Fladenbrot und lächelt in die Kamera.
Afghanistan

Mit Wissenschaft und Religion gegen Unterernährung

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Themenschwerpunkt
Kerstin Bandsom Team Communications

In der Provinz Jawzjan in Afghanistan hat die Welthungerhilfe ein ungewöhnliches Pilotprojekt durchgeführt. Ernährungsexpert*innen und religiöse Meinungsführer sind zusammengekommen, um mithilfe des Korans über gesunde Ernährung aufzuklären. Mit dem Projekt “Nutrition in Qur’an” erreicht die Welthungerhilfe so die Communities und kann die Unterernährung von stillenden Müttern und ihren Kindern effektiv bekämpfen. 

Die meisten Menschen in Afghanistan sind Muslim*innen und leben nach strengen religiösen Regeln, vor allem außerhalb der größeren Städte. Religiöse Meinungsführer spielen eine große Rolle in der Gesellschaft und haben starken Einfluss auf das tägliche Leben.Nutrition in Qur’an” nutzt das hohe soziale Ansehen und Vertrauen der Meinungsführer, um gemeinsam mit Ernährungsexpert*innen die ernährungsrelevanten Botschaften aus dem Koran und dem Hadith zu vermitteln.  

Vier Frauen sitzen auf dem Boden.
Viele Frauen in Afghanistan leiden an Fehlernährung. Mit Grafiken und weiterem Informationsmaterial lernen die Frauen, was bei der Ernährung ihrer Babies zu beachten ist. © Shukria Zahid/Welthungerhilfe

Viele Menschen in Afghanistan leiden unter Fehlernährung. Zahlen von 2013 zeigten, dass 9,5 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren stark unterernährt waren. Rund 40 Prozent litten unter chronischer Unterernährung und Wachstumsverzögerung – die Hauptursachen für Entwicklungsstörungen und irreversible Schäden. Afghanistan hat zudem eine sehr hohe Müttersterblichkeit. Laut einer Erhebung der Central Statistics Organization und Afghanistans Gesundheitsministerium aus dem Jahr 2015 verliert eine von 14 Müttern ihr Leben aufgrund von Komplikationen in der Schwangerschaft oder bei der Geburt. Die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren ist mit 5,5 Prozent ebenfalls hoch. 

Die Folgen von Unterernährung

Um diesen Kreislauf zu unterbrechen und Müttern und ihren Kindern zu einem gesunden Leben zu verhelfen, hat die Welthungerhilfe “Nutrition in Qur’an” entwickelt. Zunächst befragte das Team vor Ort mehr als 170 Mütter in der Provinz Jawzjan zu Ernährungsthemen. Nur wenige von ihnen waren gut informiert. 

Die Botschaften des Islam bestimmen die Lebensweise vieler Menschen mit. Daher haben wir in diesem Projekt den Ansatz gewählt, religiöse Meinungs­führer und Ernährungs­fachleute zusammenzubringen.

Nasrullah Sultani Regional Manager der Welthungerhilfe in Afghanistan

Für die meisten Menschen in Afghanistan sind der Koran sowie die Überlieferungen des Propheten Mohammed (Hadithe) wichtige Wissens- und Informationsquellen. Die Botschaften des Islam bestimmen den Alltag und die Lebensweise vieler Menschen mit. Daher hat die Welthungerhilfe in diesem Projekt den Ansatz gewählt, religiöse Meinungsführer und Ernährungsexpert*innen zusammenzubringen, um die Ernährung von Frauen und Kindern zu verbessern.

Koran-Verse und Empfehlungen der WHO kommunizieren

Mit gemeinsam entwickelten Grafiken und weiterem Informationsmaterial lernen die Frauen, was bei der Ernährung ihrer Babies zu beachten ist. Dazu gehören zum Beispiel Informationen darüber, wie lange sie ihre Kinder am besten stillen sollten und was für ihre eigene Ernährung während der Schwangerschaft und der Stillzeit zu beachten ist. Die Botschaften beruhen auf Versen aus dem Koran und sind mit den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation abgestimmt. So heißt es im Koran zum Beispiel: “Und die Mütter stillen ihre Kinder zwei volle Jahre. (Das gilt) für die, die das Stillen vollenden wollen”. Eine zweijährige Stillzeit, sofern möglich, ist auch die aktuelle Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation. 

Viele Frauen sitzen auf Schulbänken, vorne spricht ein Mann.
Im Projekt "Nutrition in Qur'an" klären Ernährungsexpert*innen und religiöse Meinungsführer Frauen über gesunde Ernährung auf. © Shukria Zahid/Welthungerhilfe

In der Pilotphase haben 1.000 schwangere und stillende Mütter Trainings erhalten und Imame wurden ausgebildet, die Ernährungsempfehlungen im Freitagsgebet zu kommunizieren. Auch das Personal von Gesundheitseinrichtungen und Community Health Workers wurden in den wichtigsten Ernährungsbotschaften geschult. Außerdem wurden die Menschen mithilfe von Radioprogrammen aufgeklärt. 

Die Zukunft des Projekts

Seit der Pilotphase hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Mittel bereitgestellt, um das Projekt in drei Provinzen Afghanistans (Samangan, Jawzjan und Herat) durchführen. "Nutrition in Qur’an" kann leicht auch für andere Projektstandorte angepasst werden. Weitere islamische Länder, in denen die Welthungerhilfe derzeit aktiv ist, haben bereits Interesse geäußert, darunter Pakistan und die Sahelländer.

In Afghanistan sucht die Welthungerhilfe Partner, um das Konzept der Ernährung im Koran in ihre umfassendere Entwicklungs- und humanitäre Programmierung zu integrieren. 

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