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Drei Jungen sitzen im Vordergrund einer Schulklasse in Burundi
Burundi

Bildung geht durch den Magen

Projektstatus laufend
Themenschwerpunkt
Wirtschaftliche Entwicklung
Kerstin Bandsom Team Communications

Etwa 66 Millionen Grundschulkinder weltweit gehen täglich hungrig zur Schule (WFP), fast ein Drittel von ihnen lebt in afrikanischen Ländern. Aber ein unterernährtes Kind kann sich schlecht konzentrieren, hat wenig Kraft und Ausdauer, ist anfälliger für Krankheiten. Mangelnde Bildung jedoch bedeutet oftmals, lebenslang in Armut und gesellschaftlicher Ausgrenzung gefangen zu bleiben. In Burundi, einem der kleinsten Staaten Afrikas, fördert die Welthungerhilfe ein Schulspeisungsprogramm, das die Bildungschancen verbessert.

Burundi: Mehr Kinder gehen wieder zur Schule
Burundi: Mehr Kinder gehen wieder zur Schule

Burundi liegt in der konfliktreichen Region der Großen Seen im Osten des Kontinents. Seit seiner Unabhängigkeit 1962 wurde die Entwicklung des Landes immer wieder durch Bürgerkriege zurückgeworfen. Auch heute kommt es wiederholt zu politisch motivierten Gewaltausbrüchen. Zugleich sind viele Flüchtlinge zurückgekehrt, und die Menschen bemühen sich um Wiederaufbau und eine sichere Existenz.

Hunger verhindert Bildung

Über die Hälfte der etwa elf Millionen Einwohner leidet an Mangelernährung. Die meisten Familien leben von der Landwirtschaft, doch land- und forstwirtschaftlich nutzbare Flächen sind knapp. Auch fehlt es den Bauern zumeist an Mitteln und Wissen, um ihre kargen Erträge zu steigern. Unter dieser Situation leiden besonders die Kinder. 

Unter- und Mangelernährung verursachen Wachstumsstörungen und haben sogar direkte Auswirkungen auf die Einschulungsrate. Wenn die Kinder zu Hause nichts oder nur wenig zu essen bekommen, vermeiden sie den anstrengenden Schulweg. Die Familien brauchen die Arbeitskraft ihrer Kinder auf den Feldern. An Bildung ist kaum zu denken, schon gar nicht für Mädchen, die auch im Haushalt helfen müssen. Wenn das Geld nicht reicht, haben die Söhne den Vorzug.

Mit vollem Magen lernt sich gut: Schulspeisung in Burundi. © Karin Desmarowitz
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Auch diese Schüler freuen sich über die nahrhafte Mahlzeit am Mittag. © Karin Desmarowitz
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Gibt es jedoch Essen in der Schule, verhilft dies vor allem Kindern aus hilfsbedürftigen Familien zum Schulbesuch. So auch in der Provinz Kirundo im äußersten Norden Burundis. Hier haben sich viele Familien wieder angesiedelt, die einst vor den Unruhen fliehen mussten.

Mit Unterstützung von zahlreichen Spendern fördert die Welthungerhilfe Schulkantinen für über 113.000 Schülerinnen und Schüler an mittlerweile 108 Grundschulen. Hier erhalten sie täglich eine warme Mahlzeit. Das Projekt zeigt Wirkung: Nur noch drei Prozent der Kinder bleiben wegen Hunger zeitweise der Schule fern – vor Projektbeginn waren es über 20 Prozent. Außerdem schulen mehr Eltern ihre Kinder ein, vor allem die Zahl der Schülerinnen steigt deutlich.

Eigeninitiative bringt Erfolg

Ein Erfolg, der auch den Eltern zuzuschreiben ist. Sie kommen jeden Tag in die Schule, um für die Kinder eine warme Mahlzeit zu kochen. Für den reibungslosen Ablauf der Schulspeisung sorgt jeweils ein gewähltes Komitee aus Eltern, Lehrern, Schülern und Vertretern der Lokalregierung. Damit sich erfolgreiche Praktiken verbreiten, wird der Austausch zwischen den Schulen gefördert. So haben interessierte Schulkomitees, die noch am Anfang der Planung stehen, die Möglichkeit von erfahrenen Nachbargemeinden zu lernen.

Mit Gemüse gegen den Hunger
Mit Gemüse gegen den Hunger

Für bessere Hygiene gibt es an den meisten Schulen nun Latrinen, Tanks mit gesammeltem Regenwasser zum Händewaschen und sauberes Trinkwasser. Da die sich Schülerinnen Hygieneprodukte meist nicht leisten, bleiben sie deshalb während ihrer Periode zuhause. Die Welthungerhilfe schult Kleinbäuerinnen darin, waschbare Binden herzustellen, welche ihnen dann von Schulen abgekauft werden. Durch die Binden wird sichergestellt, dass die Schülerinnen keinen Unterricht oder Prüfungen mehr verpassen. Rosette Maniratunga, Vorsitzende des Elternkomitees in Vumbi, schätzt die Fortschritte sehr: „Wir Eltern lernen in den Workshops vieles, was unser Leben verbessert. Zum Beispiel über Hygiene. Wir und unsere Kinder sind weniger krank. Dass durch das Projekt mehr Kinder in die Schule gehen, ist gut für die Entwicklung der gesamten Region.“

Unterstützung von Kleinbauern

Um die Schulen mit lokal angebauten Nahrungsmitteln zu versorgen, unterstützt die Welthungerhilfe gezielt Kleinbauern und -bäuerinnen bei der Produktion mit Saatgut und Beratung. Das Welternährungsprogramm kauft ihnen ihre Erzeugnisse zu einem fairen Preis ab und verteilt sie dann an den Schulen. Von diesem nachhaltigen Kreislauf der Hilfe profitieren die Kleinbauern, die ein verlässliches Einkommen haben, und die Kinder, die sich über tägliches gutes Essen freuen. Insgesamt unterstützt die Welthungerhilfe 43 bäuerliche Kooperativen mit 10.043 Mitgliedern, indem sie ihnen Zugang zu einem sicheren Markt sowie Schulungen für verbesserte Anbaumethoden gibt.

(Projektnummer: BDI_1036)

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