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Eine Frau umgeben von grünen Pflanzen. Sie befestigt eine Tomatenpflanze.
Libanon

Vielfalt und Zusammenhalt schenken Hoffnung

Projektstatus laufend
Projektbudget 2.827.000 €
Themenschwerpunkt
Landwirtschaft & Umwelt Mehr erfahren
Kerstin Bandsom Team Communications

Kein Staat hat im Verhältnis zu seiner Einwohner*innenzahl mehr syrische Geflüchtete aufgenommen als der Libanon. Knapp eine Million registrierte Geflüchtete aus Syrien finden hier Schutz. Dabei steht das Land kurz vor einem wirtschaftlichen Kollaps. Zu einer rasant steigenden Inflation kommen die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Große Teile der lokalen Bevölkerung kann ihren Lebensunterhalt nicht mehr sichern, auch die Lage der Geflüchteten verschlechtert sich und soziale Spannungen nehmen zu. Ein Landwirtschaftsprojekt der Welthungerhilfe im Bequaa-Tal wirkt dem entgegen, stärkt lokale Märkte und schafft Existenzgrundlagen.

Ich bekomme Hilfe von zwei syrischen Familien. Gemeinsam bewirtschaften wir die Felder und die Gewächshäuser und lernen voneinander.

Zein Kassem Raad Teilnehmer des Projektes

Auf dem Land ist die Armut am Größten

Wie unter einem Brennglas zeigen sich die großen Probleme des Libanons im nordöstlich gelegenen Bequaa-Tal, der wichtigsten Region für die Landwirtschaft. Ein Bürgerkrieg und nachfolgende Krisen haben den Agrarsektor schwer zurückgeworfen. Rund 40 Prozent der Landarbeitenden leben in Armut, es trifft sie schlimmer als jede andere Berufsgruppe. Seit aber Tausende Familien aus Syrien hierher flohen, hat sich der Druck auf Ressourcen und Jobs noch um ein Vielfaches erhöht. Baalbek-Hermel heißt der Verwaltungsbezirk, in dem das fruchtbare Tal liegt.

Manar Mohammed, 23, aus Syrien pflanzt Salatsamen ein. Seit einem Monat lernt sie in einem Kurs über landwirtschaftlichen Betrieb. © Stefanie Glinski/Welthungerhilfe
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Im Gewächshaus von Osmen Dib Bayen und seiner Nichte Najeya ist das Gemüse geschützt und gedeiht prächtig. © Welthungerhilfe
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Eines der Felder, die im Rahmen des Projektes angelegt wurden. © Welthungerhilfe
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Landwirt Sob Hessad, 60, hat acht Gewächshäuser und erhielt von der Welthungerhilfe Training, Saatgut und Dünger. © Stefanie Glinski/Welthungerhilfe
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Libanesische und syrische Landwirt*innen lernen in Schulungen neue, effiziente und rentable Anbautechniken kennen. © Welthungerhilfe
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Im Markt stehen die Erträge zum Verkauf © Welthungerhilfe
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Es fehlt hier jedoch an allem, um das Potenzial der Region auszuschöpfen. Die Betriebe sind für ausreichende Gewinne zu klein, es gibt weder Informationen über effektive Landwirtschaft noch Finanzierungsmöglichkeiten für Investitionen. Dabei wäre es so wichtig, mehr Nahrungsmittel anzubauen, denn um die gesamte Nachfrage zu decken, muss der Libanon bis zu 80 Prozent seines Bedarfes importieren. Ein Projekt der Welthungerhilfe mit der libanesischen Organisation LOST, unterstützt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, wirkt dem entgegen. Es zielt darauf ab, die Chancen und Lebensbedingungen libanesischer und syrischer Gemeinden zu verbessern, die Rentabilität der Landwirtschaft zu erhöhen und soziale Spannungen abzubauen.

40 Prozent der Bevölkerung sind Geflüchtete

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Denn der Druck ist groß, liegt doch in Baalbek-Hermel der Anteil der syrischen Geflüchteten an der Ge-samtbevölkerung bei über 40 Prozent. „Wenn wir etwas bewegen wollen, müssen wir die lokale Produktion erhöhen und Anreize für junge Menschen und Landwirt*innen schaffen“, sagt Dr. Ramy Lakkis, Gründer und Leiter der Organisation LOST. Das bedeutet zum Beispiel den Aufbau von Farmer Business Schools (FBS) und das Anlegen von Demonstrationsfeldern.

Libanesische wie auch syrische Landwirt*innen werden hier in effizienten und rentablen Anbautechniken geschult. Sie lernen neue Produkte kennen und werden ermutigt, ihre Sortenvielfalt zu erhöhen, um die Felder das ganze Jahr über bewirtschaften zu können, mehr und hochwertiger zu ernten und dadurch zuverlässig bessere Einkommen zu erzielen. „Mehrere Sorten bedeuten auch eine Art Risikomanagement im Falle eines Ernteausfalls“, erläutert Projektteilnehmer Osmen Dib Bayen. Und seine Nichte Najeya Mhamad Bayen ergänzt: „Bevor wir an diesem Projekt teilgenommen haben, pflanzten wir unsere Tomaten auf dem Feld. Jetzt benutzen wir das Gewächshaus. Das macht die Arbeit sehr viel einfacher und außerdem sind wir nicht vom Wetter abhängig.“

Ein älterer Mann steht mit einem Korb voller Äpfel vor einem grünen Feld und lächelt in die Kamera.
Der Bauer Khyber Ali, 65, hat durch Cash for Work nun viele helfende Hände für seine Felder. Das Programm hat viele Jugendliche dazu gebracht, nun in der Landwirtschaft zu arbeiten und dort Landwirt*innen beim ernten zu helfen. © Stefanie Glinski/Welthungerhilfe

Bessere Preise durch Zusammenhalt

Ein ernstes Problem für viele Bauernfamilien in ländlichen Gebieten ist ihr begrenzter Zugang zu lokalen Märkten und fehlendes Vernetzen mit anderen Produzierenden. Oft müssen sie ihr Gemüse zu niedrigen Preisen verkaufen, in manchen Fällen sogar einen Teil der Ernte wegwerfen. Die meisten Bäuer*innen sind von einer einzelnen Person abhängig, die den Handel mit den Produkten übernimmt und die Preise frei bestimmen kann.

Fluechtlingslager Camp No.5 in Suruc. Welthungerhilfe in Syrien und der Türkei

Die Welthungerhilfe und ihre Partner unterstützen Menschen in Syrien, der Türkei und dem Libanon.

Ein weiteres Problem ist der Mangel an Transportmöglichkeiten. Mit der Gründung von Bauerngenossenschaften und Netzwerken helfen die Welthungerhilfe und LOST den kleinbäuerlichen Betrieben, ihre Marktposition durch gemeinsame Ein- und Verkäufe zu verbessern. Ihre Produkte werden wettbewerbsfähiger. „In der Vergangenheit musste ich meine Ernte oft einfach am Straßenrand liegenlassen, weil ich keine Käufer*innen fand. Zusammen können wir jetzt bessere Preise aushandeln und auch größere Geräte wie Traktoren finanzieren“, erklärt Osmen Dib Bayen.

Mehr Zusammenarbeit – weniger Vorurteile

Auch Teilnehmer Zein Kassem Raad ist vom Erfolg des Projektes überzeugt: „Ich habe großes Vertrauen in die Agraringenieure von LOST und ich werde ihre Ratschläge befolgen, auch wenn andere noch skeptisch sind. Meine Familie kann mich in der Landwirtschaft nicht unterstützen. Aber ich bekomme Hilfe von zwei syrischen Familien. Gemeinsam bewirtschaften wir die Felder und die Gewächshäuser und lernen voneinander.“ Gerade das ist für Dr. Ramy Lakkis ein wichtiger Punkt: „Die Menschen, die sind hierher geflüchtet, bauen ihre Fähigkeiten aus und tragen zur Entwicklung der libanesischen Wirtschaft bei. Davon überzeugen wir die Gemeinden, wir fördern den sozialen Zusammenhalt und wirken Vorurteilen entgegen.“

So hilft die Welthungerhilfe im Libanon

 

Alle Fakten zum Projekt

Jul 2019 Projektbeginn
Dez 2022 Projektende
1.349.000 € Projektbudget 2020
4.322.000 € Projektbudget insgesamt
Themenschwerpunkte
Nothilfe
Landwirtschaft & Umwelt
Ernährung
Wasser & Hygiene
Wirtschaftliche Entwicklung
Stärkung der Zivilgesellschaft
Projekt-ID LBN 1002-19

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