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Bewohner der Ortschaft Boe Town, Liberia, beim Aussähen von Saatgut.
Liberia

Ein Sieg gegen Landraub

Projektstatus laufend
Themenschwerpunkt
Stärkung der Zivilgesellschaft Mehr erfahren

Liberia zählt mit einer alarmierenden Ernährungssituation zu den ärmsten Ländern der Welt. Ein Grund dafür ist der ungesicherte Landbesitz. Die Welthungerhilfe unterstützt lokale zivilgesellschaftliche Organisationen dabei, faire Landrechtsgesetze einzufordern.

Rund 85 Prozent der Menschen in Liberia leben vom kleinbäuerlichen Ackerbau, der auf traditionellem Gewohnheitsrecht basiert. Dafür aber gibt es keine offiziellen Landtitel. Das Land ist entweder in Privatbesitz oder gehört dem Staat, der immer mehr Konzessionen an fremde Investoren vergibt. Jetzt haben sich die Menschen organisiert und ein faires Landrechtsgesetz erstritten. 

Palmölplantagen der Großkonzerne bedrohen Kleinbauern 

Hätte jemand Alphonso B. Henries vor zehn Jahren erzählt, er würde seine Karriere als Bauingenieur aufgeben, um sich für Landrechte in seinem Heimatland Liberia einzusetzen, hätte er laut gelacht. Doch genau das ist passiert. „Ich bereue nichts“, sagt der Vorsitzende der Arbeitsgruppe zur Landreform der Civil Society Organisation (CSO). Kein Wunder, denn gemeinsam mit seinen Mitstreitern aus mehr als 20 zivilgesellschaftlichen Organisationen und nationaler wie internationaler Unterstützung hat er eine Bodenreform durch den Senat gebracht, die die Zukunft der Kleinbauern sichern wird – und damit die der gesamten Gesellschaft.

Frauen protestieren für bessere Landrechte und Gleichberechtigung in Liberia.
Frauen protestieren für bessere Landrechte und Gleichberechtigung in Liberia. © Welthungerhilfe

Die liberianische Gesellschaft ist tief gespalten: Wohlhabende Eliten leben in der Stadt, verarmte ethnische Minderheiten auf dem Land. Dieser Bruch spiegelt sich auch in den aktuellen Landbesitzverhältnissen wieder: In der Stadt gilt das geschriebene Gesetz mit registrierten Grundbüchern und Urkunden. Die kleinbäuerlichen Familien jedoch bewirtschaften ihren Grund und Boden nach traditionellem, ungeschriebenem Gewohnheitsrecht. Kaum jemand besitzt einen offiziellen Landtitel. Immer mehr Bauernfamilien fürchten um ihre Lebensgrundlage. Die wirtschaftsorientierte Regierung vergibt im großen Stil Konzessionen an fremde Investoren für Palmöl-, Kautschuk- oder andere Großplantagen. Dem schiebt das neue Gesetz nun einen Riegel vor. 

Landrechte spielen eine entscheidende Rolle, die Ernährung der Menschen zu sichern.

Sahr Nouwah Projektberater in Liberia

„Bisher verhandeln die Investoren ausschließlich mit der Regierung“, beklagt Alphonso. „Niemand spricht mit den Gemeinden, die das Land tatsächlich besitzen. Die Gemeinden werden nicht einmal informiert.“ Als der erste Entwurf zur Landreform 2014 ins Parlament kam, bildete sich die Arbeitsgruppe zu Landrechten der CSO. „Dieser Vorschlag berücksichtigte das Gewohnheitsrecht und war die gerechte Antwort auf die liberianischen Landprobleme“, so Alphonso. Das alte Gesetz dagegen spielte Korruption, Vetternwirtschaft und Landraub in die Hände. Die politischen Entscheidungsträger änderten den neuen Gesetzesvorschlag jedoch so ab, dass kaum etwas vom ursprünglichen Entwurf übrig blieb. 2017 verabschiedete das Parlament dieses wirtschaftsfreundliche Gesetz. Nun lag die Zukunft der Reform in den Händen des Senats. 

Unterstützung für die Kampagnenarbeit

Alphonso und seine Mitstreiter war dies Ansporn für weitere Kampagnen, Workshops und Bildungsoffensiven. Sie sammelten 80.000 Unterschriften für ein gemeinwohlorientiertes Landrecht. Die Welthungerhilfe unterstützte sie dabei. „Landrechte spielen eine entscheidende Rolle, die Ernährung der Menschen zu sichern“, weiß Sahr Nouwah, Projektberater vor Ort. So werden die Arbeitsgruppen der CSO durch Trainings zu Projektmanagement, Informationsbeschaffung, Kampagnenplanung, Evaluation und Monitoring sowie durch Rechtsbeistand unterstützt. Eben alles, was es braucht, um eine aktive Zivilgesellschaft aufzubauen, damit die Menschen ihre Interessen besser vertreten können. 

Eine Gruppe von Teilnehmern einer Schulung, mit der die Welthungerhilfe die Landrechtsbewegung in Liberia unterstützt hat.
Eine Gruppe von Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer Schulung, mit der die Welthungerhilfe die Landrechtsbewegung in Liberia unterstützt hat. © Welthungerhilfe

„Was wusste ich denn vorher schon von Projektplanung oder Management?“ fragt Alphonso. Nun lernen er und die anderen engagierten Frauen und Männer Gesprächsführung, Argumentation, Rhetorik oder auch einfach Geduld zu bewahren. Die harte Arbeit hat sich ausgezahlt: Am 23. August 2018 hat der Senat ein Landrechtsgesetz verabschiedet, das das Gewohnheitsrecht berücksichtigt und somit der Mehrheit der Liberianer ein besseres Leben ermöglicht. Der ehemalige Bauingenieur kann etwas verschnaufen, doch das Ringen um Gerechtigkeit geht weiter, der schwierige Umsetzungsprozess des Gesetzes steht noch bevor. Alphonso ist bereit, sich dem zu stellen. 

Das tut die Welthungerhilfe für faire Landrechtsgesetze

Die Welthungerhilfe stärkt lokale zivilgesellschaftliche Organisationen (CSO), die sich für faire Landrechte in Liberia einsetzen. Sie unterstützt die CSO vor allem durch:

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