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Frauen in einem Dorf im Salyan-Distrikt, Nepal.
Nepal

Empowerment für Ausgegrenzte

Projektstatus laufend
Themenschwerpunkt
Landwirtschaft & Umwelt Mehr erfahren

Die Erfolge im nepalesischen Salyan liegen auf der Hand: Die Zahl der unterernährten Kinder ist zurückgegangen, Ernten sind gestiegen und auch die Einkommen der Familien. Doch das Welthungerhilfe-Projekt leistet noch mehr. Es klärt die Menschen darüber auf, welche Rechte ihnen zustehen, und berücksichtigt dabei vor allem Angehörige unterer Kasten im Kastensystem Nepals. 

Rundum gesund mit Ernährungstrainings

Kerstin Bandsom Team Communications

Rabin Shrestha muss erst einmal seine Schuhe ausziehen, denn der Gebirgsfluss in der Region Salyan führt deutlich mehr Wasser als üblich. Der Welthungerhilfe-Mitarbeiter und seine Kollegin Uma Thapa waten durch das eiskalte Wasser. Sie sind auf dem Weg in ein entlegenes Dorf im Bezirk Kalimat Rampur. Seit drei Jahren organisiert die Welthungerhilfe hier Trainings zum Thema Ernährung und Landwirtschaft.

Bio-Anbau für gesunde Ernährung in Nepal
Bio-Anbau für gesunde Ernährung in Nepal

Beim Marsch durch die fruchtbaren Täler und Hügel kann man sich kaum vorstellen, dass viele Menschen in Nepal an Hunger oder Mangelernährung leiden. „Der Klimawandel wird immer extremer“, erzählt Rabin. Dürreperioden wechseln sich mit Überschwemmungen ab, Erntezeiten sind oft unkalkulierbar. Nepal ist eines der ärmsten Länder der Welt, das Einkommen hier auf dem Land reicht kaum zum Überleben. So viel die Bauern auch selbst anbauen - es bleiben viele Dinge des täglichen Bedarfs, die sie in der nächstgelegenen Stadt kaufen müssen.

Nach einer Stunde erreichen Rabin und Uma ihr Ziel. Die Familie von Kalsari Sijali erwartet sie schon. Kalsari und ihr Mann haben das Haus der Familie auf einem kleinen Plateau gebaut, dahinter der eigene Gemüsegarten, Kohlfelder, Getreide im Terrassenanbau. Probleme? In diesem kleinen Paradies? „Oh ja, wir hatten große Probleme“, sagt Kalsari.

Denn früher reichten die selbstangebauten Lebensmittel nur für die Hälfte des Jahres, danach wurde es eng. Außer dem Hauptnahrungsmittel Reis gab es nur wenige Gemüsesorten. Viele Kinder, auch die von Kalsari, waren mangelernährt. Keine guten Voraussetzungen, wenn man als Zehnjähriger jeden Tag eine Stunde talabwärts in die Schule wandern muss.

Erlesenes vom Feld verdoppelt Einkommen

In den Ernährungstrainings geht es um Grundsätzliches. Wie bereite ich den Boden so auf, dass ich mehrfach im Jahr ernten kann? Wie baue ich verschiedene Gemüsesorten an, die den Speiseplan vielfältiger gestalten und die Nahrung mit Vitaminen und Nährstoffen anreichern? Die Trainer der drei lokalen Partnerorganisationen der Welthungerhilfe - Rural Reconstruction Nepal (RRN), Local Initiatives for Biodiversity, Research and Development (Li-Bird), Aasaman Nepal - stoßen beim Thema bessere Ernährung auf offene Ohren. Besorgte Mütter und Väter haben großes Interesse an der Gesundheit ihrer Kinder - und an der eigenen.

Neuerdings wachsen hier auf den Feldern deshalb auch Tomaten, Ingwer, Granatäpfel und Zitrusfrüchte. Kalsari und ihre Familie produzieren längst nicht mehr nur für den eigenen Bedarf. Einmal in der Woche bieten sie auf dem lokalen Markt ihre Produkte an, ihr Einkommen hat sich in den letzten Jahren verdoppelt. Demnächst sollen noch Honig und der scharfe lokale Pfeffer ‚Timur‘ mit ins Angebot kommen.

Aufklärung gegen die Unmündigkeit im Kastensystem

Die Welthungerhilfe verfolgt in Nepal einen integrativen Ansatz. Neben der Ernährung stehen Bildung und Gesundheit ebenso im Mittelpunkt wie die Aufklärung marginalisierter Gruppen über ihre Rechte. Das traditionelle Kastensystem schließt viele Menschen von gesellschaftlichen Verbesserungen aus und enthält ihnen ihre Rechte vor. Die Welthungerhilfe und ihre lokalen Partner wollen das ändern.

Nepal: Wer seine Rechte kennt, gewinnt
Nepal: Wer seine Rechte kennt, gewinnt

Ein paar Täler und viele Berge weiter bekommt Parbati Bishwakarma Besuch. Einmal in der Woche macht sich ein Berater der lokalen Partnerorganisation auf den weiten Weg in die abgelegenen Dörfer. Parbatis Familie gehört zur Kaste der Dalits, der niedrigsten Gruppe im nepalesischen Kastensystem. Ihr Sohn ist auf Jobsuche in Indien, gemeinsam mit ihrem Mann versucht sie die vier anderen Kinder durchzubringen.

Man muss seine Rechte kennen und einfordern. Dann können wir selbst dafür sorgen, dass sich unser Leben verbessert.

Parbati Bishwakarma Gehört der nepalesischen Minderheit der Dalits an

Das Land ist fruchtbar, aber hügelig. Vom Regenwasser bleibt nichts auf den Feldern, es wird einfach ins Tal gespült. Und für einen Wasserkanal war lange Jahre kein Geld da. Durch die Aufklärungsarbeit der Welthungerhilfe erfuhren die Bewohner, dass sie viel mehr Rechte haben, als sie eigentlich dachten. Und dass die regionale Regierung 15 Prozent ihres Jahresbudgets für die Landwirtschaft ausgeben muss, auch in Parbatis Region.

Nach monatelangen Anfragen war die Regierung tatsächlich bereit, das Geld zu investieren. Heute gibt es einen Bewässerungskanal, der den Anbau von Lebensmitteln über mehrere Monate im Jahr garantiert. Parbati Bishwakarma strahlt: „Man muss seine Rechte kennen und einfordern. Dann können wir selbst dafür sorgen, dass sich unser Leben verbessert.“

Am frühen Abend geht es zurück nach Kalimat Rampur. Hier beginnt Kalsari mit der Herstellung von biologischen Pestiziden. Der Urin der Kühe gemischt mit verschiedenen Pflanzen ergibt ein Pestizid, das genauso wirksam ist wie die chemischen Pflanzenschutzmittel. Dazu ist es viel billiger und gesünder für die eigene Ernährung. Auch das hat Kalsari in den Ernährungstrainings gelernt, Mangelernährung bei den Kindern ist für sie seitdem ein Fremdwort.

„Früher dachte ich, wenn meine Kinder groß sind, muss ich sie in die Stadt schicken, damit sie dort einen Job suchen“, sagt Kalsari. „Mittlerweile denke ich, sie sollten vielleicht lieber hierbleiben und ein gesundes Leben auf dem Land führen.“

Ralph Weihermann ist Filmemacher in Köln und besuchte das Projekt Februar 2018.

So unterstützt die Welthungerhilfe in Nepal:

Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

(Projekt: NPL 1034)

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