Fluchtursachen bekämpfen und Migration gestalten

Lebensumstände verbessern, um Bleibeperspektiven zu schaffen

Frau mit Kind auf dem Arm
Frau mit ihrem Kind in einem Flüchtlingscamp im Irak. © Stanislav Kupar
Ulrich Post Team Grundsatzfragen

Ende 2016 waren weltweit 65,6 Millionen Menschen auf der Flucht – die höchste Zahl seit Beginn der Aufzeichnung internationaler Fluchtbewegungen. Unter den Geflüchteten befanden sich 40,3 Millionen Menschen, die innerhalb ihres Landes vor allem vor Konflikten, Verfolgung und schweren Menschenrechtsverletzungen ausgewichen waren. 22,5 Millionen Menschen hatten in einem anderen Land Schutz gesucht. Die drei Hauptherkunftsländer von Flüchtlingen waren Syrien (5,5 Millionen), Afghanistan (2,5 Millionen) und Südsudan (1,4 Millionen). Die Hälfte der Flüchtlinge weltweit sind Kinder unter 18 Jahren. 2,8 Millionen Menschen unter den 65,6 Millionen sind Asylsuchende.

Eine Gruppe Kinder in bunter Kleidung nimmt an einem Kinderzirkus teil Factsheet Flüchtlingshilfe

So setzt sich die Welthungerhilfe weltweit für Flüchtlinge ein.

Getrieben durch Konflikte und Gewalt, Hunger und extreme Armut oder durch die Folgen des Klimawandels, suchen die weitaus meisten Menschen also Schutz im eigenen Land oder in Nachbarstaaten. In vielen dieser Länder arbeitet die Welthungerhilfe seit langem mit Flüchtlingen, auf ganz unterschiedlichen Stationen der Flucht. Die Projekte der Welthungerhilfe eröffnen derzeit rund 2,7 Millionen Flüchtlingen und Binnenvertriebenen Perspektiven auf ein würdiges Leben. Auf Basis dieser praktischen Erfahrungen setzt sich die Welthungerhilfe für politische Veränderungen im Umgang mit Flüchtlingen ein – auch in der deutschen und europäischen Flüchtlings- und Migrationspolitik.

Im Schatten der Flüchtlingsbewegungen hat auch die Gesamtzahl der Migranten die neue Höchstzahl von 244 Millionen erreicht. Neben Flüchtlingen handelt es sich hierbei zumeist um Menschen, die dem Elend oder der Perspektivlosigkeit ihrer Heimatländer entkommen möchten; Bildungs- und Arbeitsmigranten bilden hier den Hauptanteil. Während Flüchtlinge oder Zwangsmigranten unter den Schutz der Genfer Konvention fallen, sind andere Formen der Migration nicht geregelt.

Jesidische Kinder bei Freizeitaktivitäten im Sommer organisiert durch die Welthungerhilfe in der Schule im Bersive Flüchtlingslager nahe Zakho. © Stanislav Krupar/Welthungerhilfe
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Bauern in Uganda bestellen das Feld. © Welthungerhilfe
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Mobiler Zirkus erfreut Kinder in Afghanistan im Darul-Aman Camp, Kabul. © Daniel Asbach
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Syrische Fluechtlinge in der Tuerkei. Mr. Litaf (36), der Bauer ist, verteilt den Duenger mit dem Wassertank. © Martin Stollberg/Welthungerhilfe
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Politik muss nachhaltige Entwicklung fördern

Die Bekämpfung der Ursachen von Flucht und erzwungener Migration kann nicht allein den Hilfsorganisationen oder der Entwicklungspolitik aufgebürdet werden. Sie können durch humanitäres Engagement Leiden mindern und auch Perspektiven fern der Heimat schaffen, aber die Überwindung der eigentlichen Ursachen ist Aufgabe der gesamten Politik, allen voran der Außen- und Sicherheitspolitik. Von ihr fordert die Welthungerhilfe auch, die Bedingungen für eine nachhaltige Entwicklung zu schaffen, die sich an der Agenda 2030 orientiert. Mit fairen Handelsbeziehungen, einer gerechten Finanz-, Wirtschafts- und Umweltpolitik und Strategien zur Krisen- und Konfliktprävention. Das ist langfristig die beste Fluchtursachenbekämpfung.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte setzt sich die Welthungerhilfe dafür ein, dass Migration nicht bekämpft, sondern angemessen geregelt wird. Menschen verlassen ihre Heimat in aller Regel nicht gerne; Entwicklungszusammenarbeit kann dazu beitragen, dass sie eine Wahl treffen können und nicht gezwungen sind, wegzugehen. Sie kann auch dabei eine wichtige Rolle spielen, Angebote und Arbeitsmöglichkeiten für Rückkehrer in ihren Heimatländern zu schaffen.

Die Ursachen von Flucht bekämpfen, nicht nur die Symptome

In vielen Krisenregionen unterstützt die Welthungerhilfe Menschen, die geflüchtet sind. Sie stellt Notunterkünfte bereit, verteilt Nahrungsmittel und organisiert Schulunterricht. Aufgrund ihrer langjährigen Projekterfahrung weiß sie: Menschen werden nur in ihrer Heimat bleiben, wenn sie dort Bedingungen für eine bessere Zukunft vorfinden. Die Geflüchteten werden daher nicht nur mit dem Nötigsten versorgt, sondern die Hilfe ist darauf ausgerichtet, die Lebensbedingungen langfristig und nachhaltig zu verbessern. Wenn es gelingt, die Bildung und Ausbildung auf einen höheren Stand zu bringen, die ländliche Entwicklung zu fördern und Arbeit zu schaffen, dann können lebenswerte Perspektiven auch dort entstehen, wo die Menschen am liebsten bleiben möchten.

Letzte Aktualisierung 09.01.2018

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