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Kriegsflüchtlinge

Wenn Menschen vor Krieg, bewaffneten Konflikten und Gewalt aus Ihrer Heimat flüchten müssen, werden sie in der Regel als Kriegsflüchtlinge bezeichnet. Die Menschen fliehen, um ihr Leben zu retten und wieder in Sicherheit leben zu können. 

Ein Mann trägt ein Mädchen durch Trümmer im Jemen.
Ein Mann trägt ein Mädchen durch Trümmer im Jemen.

Über 100 Millionen Menschen sind Mitte 2022 laut aktuellem Bericht des UNHCR „Global Trends - Forced Displacement in 2021“ auf der Flucht. Hierzu zählen auch circa 60 Millionen Binnenflüchtlinge, die innerhalb ihres Landes ihr Zuhause aufgrund von Konflikten und Kriegen verlassen mussten. Aufgrund des Ukraine-Krieges steigt die Zahl der Geflüchteten weiter an. Wenn Menschen flüchten, dann meist überstürzt und ohne Möglichkeit, Besitz mitzunehmen. Getrieben von Angst, um das eigene oder das Leben von Freunden und Familie zu retten.

Die meisten Kriegsflüchtlinge kommen aus den folgenden Ländern (UNHCR, 2021): 

Kriegsflüchtlinge – aus welchen Ländern kommen sie? 

In der Ukraine sind aufgrund des Angriffes durch Russland seit Februar bisher über 7,7 Millionen Menschen, zumeist Frauen und Kinder, in Nachbarländer und darüber hinaus geflohen. 

Auch die Kriege in Afghanistan und im Irak in den 1980er, 90er und 2000er-Jahren hatten zur Folge, dass viele Menschen ihr Land verlassen mussten. In Syrien hat der Bürgerkrieg zum Beispiel knapp sechs Millionen Syrer*innen aus ihrer Heimat vertrieben, knapp sieben Millionen sind innerhalb ihres Landes geflüchtet. Auch in vielen anderen Ländern mussten die Menschen aus ihrer Heimat fliehen. 

In Venezuela haben Millionen Venezolaner*innen in den vergangenen Jahren ihr Herkunftsland verlassen. Grund ist die Wirtschaftskrise ab dem Jahr 2013, die unter anderem Hyperinflation, Versorgungsengpässe und Hungersnöte zur Folge hatte. Die Armutsquote lag 2014 bei über 50 Prozent, im Jahr 2020 bei über 90 Prozent. Neben dem Zusammenbruch des Gesundheitssystems und dem Ausbruch von Krankheiten, haben auch Kriminalität und Bandenkriege zugenommen. Die Regierung war nicht mehr in der Lage, dem Terror und der Gewalt Einhalt zu gebieten.

Auch in Tigray waren mehr als zwei Millionen Menschen 2020 aufgrund von Krieg und Kämpfen auf der Flucht. Viele sind ins Nachbarland Sudan geflohen. In der Zentralafrikanischen Republik, im Irak, in Burundi und in der Ukraine sind ebenfalls viele Menschen aufgrund von Kämpfen geflohen. Im Jemen und Osten Afrikas aufgrund von Hunger und Hungersnot.

Flucht vor Krieg: 60 Millionen Binnenvertriebene  

Im jährlichen Vergleich hat die Zahl der Menschen, die innerhalb ihres Landes vor Krieg und Gewalt auf der Flucht waren, stark zugenommen. Der Anteil der Menschen auf der Flucht, die eine internationale Grenze überschritten haben, ist nahezu konstant auf einem hohe Niveau geblieben.

Es gibt viele Faktoren, die beeinflussen, ob Menschen internationale Grenzen überschreiten bzw. überschreiten können oder Binnenflüchtlinge bleiben. Fest steht jedoch, dass die Gesamtzahl der Menschen auf der Flucht insgesamt, in den letzten Jahren immer weiter gestiegen ist.

95% aller Länder, in denen zuletzt Menschen zu Binnenflüchtlingen wurden, gelten als stark oder sehr stark anfällig für Klimawandelfolgen. Diese führen potenziell zu weiteren Belastungen - durch Dürren, Überflutungen und andere Folgen des Klimawandels. Über 69% der dieser Länder liegen im Bereich südlich der Sahara (Sub-Sahara Afrika).

Auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg: Voll beladener Transporter mit Hausrat
Menschen, darunter viele Kinder, fliehen vor Kämpfen in Syrien, Dezember 2019.

Die Gründe, warum Menschen flüchten sind vielfältig:

Kinder im Krieg 

Kinder und Jugendliche werden in vielen Krisenregionen als Werkzeuge der Kriegsführung missbraucht. Circa 250.000 Kinder und Jugendliche erleiden weltweit als sogenannte Kindersoldat*innen dieses Schicksal. Ihr Alltag ist geprägt durch Gewalt und bedingungslosem Gehorsam. Kindersoldat*innen werden gezwungen zu plündern, zu töten, werden zur Spionage eingesetzt oder müssen an die Front.

Viele sind traumatisiert, wenn der Krieg vorbei ist und haben wenig Chancen, sich im Alltag zurechtzufinden. Oft haben sie weder eine Schule besucht, noch eine Ausbildung bekommen. Die Welthungerhilfe hat in der Zentralafrikanischen Republik eine "Fußballschule für Frieden" ins Leben gerufen. Sie bietet Mädchen und Jungen, die als Kindersoldaten missbraucht wurden und traumatisiert sind, ein neues Zuhause. Die Jugendlichen setzen sich Werten und Normen wie Teamspirit und Fairplay auseinander und bekommen die Chance auf ein besseres Leben.

Unter den Kriegsflüchtlingen befinden sich neben Kindern und Frauen auch ältere Menschen. In Übergangslagern finden sie Schutz und Hilfe und kehren erst zurück, wenn der Krieg vorbei ist. Bis sie in ihre Heimat zurück können, kann es jedoch Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern. Manchen sehen ihre Heimat, trotz andauernder Hoffnung, nie wieder.

Binnenflüchtlinge vs. Flüchtlinge

Flüchtlinge sind laut Genfer Flüchtlingskonvention Menschen, die eine internationale Grenze überschreiten. Sie erhalten Schutz und Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Binnenflüchtlinge, also Menschen, die innerhalb ihres Landes flüchten, sind in ihren Ländern oft permanenter Gefahr ausgesetzt, da die Aggression nicht selten vom Staat selbst oder Bürgerkriegsparteien ausgeht. Auch, wenn die Fluchtgründe nahezu identisch sind, unterscheiden sich die Unterstützungsmöglichkeiten oft dramatisch.

Kriegsflüchtlinge – so unterstützt die Welthungerhilfe  

Wenn Menschen vor Krieg und Gewalt flüchten, brauchen sie Unterstützung von außen. Im Bereich Versorgung von Flüchtlingen und Migrant*innen hat die Welthungerhilfe jahrzehntelange Expertise. Wir setzen uns für politische Veränderungen in der deutschen - und europäischen Flüchtlings -und Migrationspolitik ein, vor allem im Hinblick auf den Umgang mit Flüchtlingen.

Eine wichtige Aufgabe von Humanitärer Hilfe ist es, schnelle Hilfe zu leisten und kurz- sowie mittelfristig Perspektiven für Geflüchtete zu schaffen. Entwicklungszusammenarbeit trägt dazu bei, mittel- und langfristige Perspektiven zu schaffen und Fluchtursachen wie Krieg oder Gewalt den Nährboden zu entziehen. Die Mehrheit der Geflüchteten wird innerhalb ihres Landes oder in angrenzende Länder aufgenommen, die humanitären, logistischen und finanziellen Kapazitäten sind daher schnell ausgeschöpft.

Es braucht innovative Ansätze wie eine bessere Struktur zur Weitervermittlung von Flüchtlingen in andere Länder und eine schnelle Integration, damit die Menschen möglichst schnell einen friedlichen Alltag mit Lebensperspektiven haben und für sich selbst sorgen können. Über die üblichen Versorgungsleistungen wie Unterkunft und Nahrung hinaus, bedarf es daher unter anderem den Zugang zu angemessener Hygiene, medizinischer Versorgung, Bildung und Ausbildung, zum Arbeitsmarkt, psychosozialer Betreuung und Rechtsberatung. Nur so können den Menschen wirklich Perspektiven für ein menschenwürdiges Leben eröffnet werden. 

Viele unserer Projekte tragen dazu bei, die Entwicklung in Gebieten aus denen Menschen geflohen sind, wieder voranzutreiben – gesellschaftlich und landwirtschaftlich. In den Projekten lernen die Menschen widerstandsfähiger zu werden, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Gezielte Präventionsmaßnahmen spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle, um besser auf Krisen und Konfliktbewältigung vorbereitet zu sein. 

Politisch müssen von allen Staaten Bedingungen für eine nachhaltige Entwicklung geschaffen werden, die sich vor allem an den 17 Sustainable Development Goals bis 2030 orientiert. Denn durch die Coronakrise und den aktuellen Ukraine-Krieg, mit seinen globalen Auswirkungen, auch auf die Ernährungsicherheit, ist klar geworden: Themen wie Kriege und bewaffnete Konflikte, extreme Armut, Klimawandelfolgen sowie soziale Ungerechtigkeit sind untrennbar miteinander verwoben und brauchen globale und ganzheitliche Lösungsansätze.

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