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20.03.2026 | Blog

Jal Saheli: Das Wasser kehrt zurück

In der indischen Region Bundelkhand bestimmt extreme Wasserknappheit seit Generationen das Leben der Menschen. Die Jal Saheli, eine Gruppe engagierter Frauen, unternimmt etwas dagegen – so erfolgreich, dass sie vom Premierminister Indiens ausgezeichnet wurde.

Frauen in Nordindien stehen in einer Reihe und präsentieren Wasserflaschen, alle tragen das gleiche hellblaue Gewand
Die Jal Saheli engagieren sich für das Menschenrecht auf Wasser. Sie sensibilisieren ihre Gemeinden, treten für ihre Rechte ein und arbeiten aktiv an der Verbesserung der Wasserversorgung ihrer Gemeinden mit. © Welthungerhilfe
Isha Banerjee Communication Officer Indien

Jal Saheli bedeutet übersetzt „Wasserfreundinnen“. Engagierte Frauen in der Region Bundelkhand haben sich unter diesem Namen zusammengeschlossen, um in einem WASH-Projekt gemeinsam mit der Welthungerhilfe und ihrem Partner Parmarth für Wasserrechte einzutreten. Sie schaffen Bewusstsein auf Dorf- und Regierungsebene und legen selbst Hand beim Bau von Dämmen oder beim Reparieren von Pumpen an.

„Ich habe gesehen, wie meine Großmutter Wasser holen ging. Wie meine Mutter täglich vor Sonnenaufgang ihren Sari festband, um mit drei schweren Krügen zu weit entfernten Wasserstellen zu laufen. Dann war auch ich es, die lief. Da beschloss ich: Meine Tochter wird eines Tages den entgegengesetzten Weg gehen – den zur Schule.

Das erzählt Bharti Vanskar aus dem indischen Bundelkhand, einer Region, in der das Wort „sukha padna“ (übersetzt Dürre) kein abstrakter Begriff ist, sondern bittere Alltagsrealität. In Bhartis Leben gab es keine Zeit für Schule, keine für Träume und nicht einmal zum Ausruhen. Es ging nur darum, zu überleben. Denn wenn die Brunnen leer und die Handpumpen ausgetrocknet sind, bleibt den Frauen seit Generationen nur eins: laufen. Kilometerweit, Tag für Tag.

Frauen tragen die Hauptlast der Dürre

Immer wieder herrscht auch in Bharti Vanskars Dorf Dürre. Als sie heiratete, gab es drei Dürrejahre in Folge. Die Felder lagen brach und Wasserstellen versiegten. Das Getreide wurde so teuer, dass es sich kaum jemand leisten konnte. Für die Menschen in Bundelkhand sind wiederkehrende Wetterextreme wie diese existenzbedrohend.

So suchen vor allem Männer in teils weit entfernten Städten Arbeit, um für die Familie zu sorgen. Die Frauen bleiben mit den Kindern, der Haus- und Feldarbeit, den Tieren und den Sorgen zurück. Trinkwasser war lange eines der größten Probleme. Bharti erzählt: „Manchmal haben wir Wasser von Nachbarn geliehen, manche haben sogar darum gebettelt. Wer die weiten Wege nicht mehr zu Fuß schaffte, musste für viel Geld ein Fahrzeug für den Transport mieten.“

Eine Gruppe von Frauen arbeitet in einer Reihe und gräbt an einem hüfthohen Erdgraben.
Mit vereinten Kräften legen die „Wasserfreundinnen" Bewässerungsgräben an, errichten Dämme und Regenrückhaltebecken. © Welthungerhilfe

All das hat Bharti durchgestanden. Wie schon bei ihrer Mutter begann der Tag um 4:30 Uhr in der Frühe und endete kurz vor Mitternacht. Und dann kam der Moment, in dem Bharti den Kreislauf durchbrach. 

Die Wasserfreundinnen: Frauen, die den Wandel voranbringen

In Bundelkhand arbeiten die indische Organisation Parmarth und die Welthungerhilfe seit Jahren an Lösungen zur Überwindung der Wasserknappheit. Zusammen mit den Dorfgemeinschaften entstand dabei ein Konzept, das Frauen mit einer starken Rolle in den Mittelpunkt stellt: die „Jal Sahelis“, die „Wasserfreundinnen“. Mehr und mehr Frauen schlossen sich zusammen und lernten, wie man Regensammelbecken baut und Dämme errichtet.

In den Dörfern geben sie nun ihr Wissen weiter, informieren wie Wasser geschützt und gespeichert wird. Gleichzeitig treten sie als Stimme ihrer Dörfer auf – bei Behörden, bei der Regierung, überall dort, wo Entscheidungen getroffen werden. Und ihre Stimme findet Gehör.

Zwei Frauen bei der Reparatur einer Wasserpumpe
Reparaturen an Pumpen übernehmen die „Wasserfreundinnen" selbst. © Welthungerhilfe

Als Bharti in ihrem Dorf von der Vereinigung erfuhr, wurde auch sie eine „Wasserfreundin“. Die örtliche Gruppe errichte mit Parmarth, der Welthungerhilfe und unterstützt von lokalen Regierungsbehörden einen Damm. Nun kann das gespeicherte Regenwasser versickern, es füllt die ausgedörrten Böden und damit das Grundwasser wieder auf. Bharti erzählt: „Nach und nach kam das Wasser in die stillgelegten Handpumpen zurück. Der Boden war feuchter und weicher für den Anbau. Aus den Wasserhähnen floss wieder Trinkwasser. Das hat unser Leben verändert, so viel harte Arbeit und Zeit bleibt uns jetzt erspart.“

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Wo Wasser fließt, entstehen neue Perspektiven

Heute läuft Bhartis Tochter jeden Morgen einen Kilometer – doch nicht zur Wasserstelle, sondern zum Unterricht. „Sie frühstückt und geht einfach los. Sie liest. Sie träumt. Sie spielt. Sie hilft mir zu Hause. Wenn ich sie mit Büchern und Stiften sehe, stelle ich mir vor, welche Möglichkeiten vor ihr liegen.

Und sie ergänzt: „Ich bin sehr stolz auf den Weg, den ich all die Jahre zurückgelegt habe. Dank den Jal Sahelis und mir muss meine Tochter heute nicht mehr die schweren Zeiten durchleben, die ich durchgemacht habe. Ich hoffe, dass sie weiter lernt und uns stolz macht. Sie hat kostbare Zeit bekommen, die sie nicht als selbstverständlich nehmen darf.“

Wenn ich meine Tochter mit Büchern und Stiften sehe, stelle ich mir vor, welche Möglichkeiten vor ihr liegen.

Bharti Vanskar

Was einst klein begann, wurde zu einer großen und erfolgreichen Bewegung, die bereits Tausenden Menschen den Zugang zu sicherem Wasser ermöglicht. Die Jal Sahelis haben so viel Einfluss gewonnen, dass sie von mehreren Ministerien, sogar vom Büro des indischen Premierministers, höchste Auszeichnungen erhalten haben. Sie sind Vorbilder geworden – als Aktivistinnen für das Recht auf Wasser. Sie treten für ein effektives Wassermanagement ein, das wieder Landwirtschaft und damit ein Leben in den Dörfern möglich macht. Wo früher Verzweiflung herrschte, gedeiht heute neue Hoffnung.

Isha Banerjee arbeitet im Team der Welthungerhilfe in Indien. Ihr Text ist ursprünglich für das Welthungerhilfe-Magazin entstanden (Ausgabe 03/2025).

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