Verborgener Hunger

Wenn Vitamine und Mineralstoffe fehlen, leiden Gesundheit und Entwicklung. Zwei Milliarden Menschen sind weltweit betroffen.

Ute Latzke Team Sector Strategy, Knowledge & Learning

Die 25-jährige Palang Hikoka lebt zusammen mit ihrem Mann und ihrem 16 Monate alten Baby im kleinen Dorf Hikiriguda in Indien. Sie gehören zur indigenen Gemeinschaft Adivasi, die ersten Bewohner Indiens. Sie ernähren sich traditionell von wild wachsenden Früchten aus dem Wald. Doch dieses Wissen geht immer mehr verloren und die Waldflächen werden kleiner. Die Ernährungssituation der Adivasi ist daher sehr schlecht.

Palang Hikoka from Hikiriguda can feed her family well-balanced because of the available food. © Roland Brockmann
1 / 3
The Adivasi smallholder family feeds mainly on collected fruits from the forest. © Roland Brockmann
2 / 3
Palang Hikoka and her young family in front of the house. The Baby is strongly underweight. © Roland Brockmann
3 / 3

Palang Hikokas Sohn war gefährlich unterernährt. Die Welthungerhilfe und ihre Partnerorganisation Living Farms möchten die Bevölkerungsgruppe in ihrer traditionellen Lebensweise stärken. Palang lernt in Kursen längst vergessene Waldfrüchte kennen, die zur ausgewogenen Ernährung ihrer Familie beitragen. Heute ist ihr Sohn durch wohlgenährt und gut entwickelt.

Ausgewogene Ernährung sichern

Nicht nur eine ausreichende Menge an Nahrung ist für ein gesundes Leben entscheidend, sondern auch ihre ausgewogene Zusammensetzung. Jeder Mensch braucht Mikronährstoffe, also Vitamine, Mineralien und Spurenelemente, um sich gesund zu entwickeln. Fehlen zum Beispiel Vitamin-A, Jod, Eisen oder andere wichtige Nährstoffe, leidet die körperliche und geistige Gesundheit.

Männer bei der Heuernte Welthungerindex

Keine Entwarnung in Sicht: In 50 Ländern ist die Hungersituation „ernst“ oder „sehr ernst“.

Nahezu zwei Milliarden Menschen – das ist fast ein Drittel der Weltbevölkerung -  hungern weltweit unerkannt, weil sie zu wenig Vitamine und Mineralstoffe zu sich nehmen. Sie leiden am sogenannten „Verborgenen Hunger“. Auch Menschen, die sich kalorienreich ernähren, kann es an Mikronährstoffen mangeln. So sind auch Menschen in Schwellen- und Industrieländern vom verborgenen Hunger betroffen.

Kinder und Schwangere haben den größten Bedarf

Für Schwangere und Kinder während der sogenannten ersten 1.000 Tage zwischen der Empfängnis und ihrem zweiten Geburtstag hat ein solcher Mangel gravierende Folgen für ihre körperliche und geistige Entwicklung. Komplikationen in der Schwangerschaft und bei der Geburt, ein geringes Geburtsgewicht, Wachstumsverzögerungen, eine verringerte Lernfähigkeit und ein lebenslanges Risiko für chronische Erkrankungen können ihre Folge sein.

Verborgenen Hunger bekämpfen

Deckblatt der Publikation: Hunger - Ausmass, Vertreibung, Ursachen Faktenblatt Hunger

Antworten auf die häufigsten Fragen zum Thema "Hunger"

Der Schlüssel zu einer nachhaltigen Überwindung des verborgenen Hungers liegt in einer ausgewogenen Ernährung und dem Zugang zu vielfältigen und nährstoffreichen Nahrungsmitteln. Vitamin- und Mineralstoffgaben oder die Anreicherung von Nahrungsmitteln sind zwei unter vielen Möglichkeiten, um dem verborgenen Hunger vorzubeugen.

Mit diesen Ansätzen lassen sich aber nur die Symptome und nicht die Ursachen von Mangelernährung bekämpfen. Zur nachhaltigen Lösung des Problems müssen wir jedoch an den Ursachen ansetzen. Es geht um die Diversifizierung der Landwirtschaft, die Förderung einer ausgewogenen Ernährung, sauberes Trinkwasser und Abwasserversorgung, Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung, die Stärkung der Rolle der Frau - und ganz besonders die Steigerung der lokalen Einkommen. Denn Mangelernährung ist vor allem auf den Umstand zurückzuführen, dass sich die betroffenen Menschen keine gesunde Ernährung leisten können.

Letzte Aktualisierung 22.01.2018

Das könnte Sie auch interessieren

Deutsche Welthungerhilfe e. V., Sparkasse KölnBonn IBAN DE15 3705 0198 0000 0011 15, BIC COLSDE33
Newsletter abonnieren

Alle Informationen zu Katastrophen, Projekten und Veranstaltungen aus erster Hand erhalten.