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Ernteausfall in armen Ländern hat dramatische Folgen

Ernteausfälle bedrohen immer wieder die Ernährungssicherheit vieler Menschen. Grund sind Wetterextreme wie Dürren, Stürme oder Starkniederschläge, die Felder und wichtige Nahrungsmittel zerstören.

Bauer kniet vor vertrockneter Hirse-Ernte, Mali, 2012.
Ein Bauer aus Mali hat seine Hirse-Ernte durch Dürre verloren, 2012. © Brockmann/Welthungerhilfe

Der landwirtschaftliche Sektor und die Menschen, die indirekt oder direkt von der Landwirtschaft leben, nehmen großen Schaden durch Ernteausfälle. In Ländern des globalen Südens ist die Landwirtschaft oft der wichtigste Wirtschaftszweig und sichert die Existenz sowie das Überleben eines Großteils der Bevölkerung. 

Auch in Europa sind Menschen von Ernteausfällen betroffen. Große Industrienationen können fehlende Ernten jedoch kompensieren. In der Regel muss die Bevölkerung “nur” mit kurzzeitig steigenden Nahrungsmittelpreisen rechnen. Für Betroffene in Entwicklungsländern steigen nicht nur die Preise: Bei einem gravierenden Ernteausfall fehlen am Ende oft die Lebensmittel, um genügend Menschen zu versorgen. In Verbindung mit fehlenden Rücklagen kann das in extremen Fällen zu einer Hungersnot führen.

Eine Frau in Haiti schöpft nach Hurrikan Matthew verschmutztes Wasser Klimawandel, Wetterextreme und Hunger

Die Zahl der Wetterextreme steigt weltweit. Durch die Folgen des Klimawandels sind Millionen Menschen bedroht.

Was sind die Ursachen von Ernteausfall weltweit?

Ein Ernteausfall kann verschiedene Gründe haben: Entweder durch Menschen verursacht oder natürlichen Ursprungs. Ein wesentlicher Faktor ist der Klimawandel. Dieser ist maßgeblich am Ausfall der Ernten weltweit beteiligt.

Der weltweite Temperaturanstieg erhöht die Witterungsrisken und hat über die Jahre dazu beigetragen, die Anzahl und Intensität extremer Wetterereignisse zu erhöhen. Dürren dauern länger, Stürme werden heftiger und Niederschläge bringen mehr Regen pro Quadratmeter. Diese Wetterextreme treffen vor allem die ärmsten Länder der Welt schwer. Sie sind am wenigsten für die Klimaveränderungen gewappnet und im Fall einer Katastrophe oft schutzlos ausgeliefert.

Infografik: Klimawandel befördert Fluchtbewegungen
Wie hängen Klima und Flucht zusammen? Diese Grafik verdeutlicht es. © Welthungerhilfe

Zusätzliche Faktoren, die einen Ernteausfall begünstigen, sind: 

Dürren vernichten die Ernte

Eine Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2015 zeigt, dass die Nahrungsmittelverluste bei einer extremen Dürre bis zu 84 Prozent betragen können. Zum Vergleich: Bei Stürmen sind es 18 und bei Überschwemmungen 15 Prozent. Die Anzahl der Dürren werden durch Hitzewellen mit Extremwerten begünstigt, die eine direkte Folge der globalen Erwärmung sind.

Im Jahr 2018 sorgten lange Trockenperioden dafür, dass weltweit 30 Millionen Tonnen Getreide fehlten. In Deutschland ging der Ertrag für Getreide, aufgrund der anhaltenden Trockenheit, um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Die Preise für Getreideprodukte in Deutschland stiegen in der Folge um über sechs Prozent.

Afrika am stärksten von Dürre betroffen

Seit dem Jahr 1900 gab es auf dem afrikanischen Kontinent über 300 Dürreereignisse, die mehr als hunderttausende Menschen das Leben kosteten. Die Tendenz ist in den letzten Jahren traurigerweise gestiegen. Besonders in Ostafrika. Dort grassierten bisher über 120 Dürren. In vielen afrikanischen Ländern ist ein dürrebedingter Ernteausfall ein Vorbote für eine drohende Hungersnot. Viele Menschen sind aufgrund fehlender Ernten auf humanitäre Hilfe angewiesen und flüchten aus ihrer Heimat. Bislang liegen jedochkeine genaue Zahlen vor, wie viele Menschen tatsächlich aus klimabedingten Gründen Ihre Heimat verlassen. Bis 2050 werden voraussichtlich zwischen 150 und 200 Millionen Menschen weltweit vor klimatischen Änderungen fliehen, schätzt die Internationale Organisation für Migration (IOM).

Ernteausfällen vorbeugen

Prävention ist eine der wichtigsten Maßnahmen, um Katastrophen wie beispielsweise Ernteausfälle oder Dürren zu verhindern. Die Welthungerhilfe nutzt verschiedene Instrumente und Maßnahmen, um humanitäre Hilfe zu leisten, bevor Katastrophen eintreten:

Katastrophenvorsorge 
Durch Frühwarnsysteme mit einem vorhersagebasierten Risikomanagement können betroffene Menschen im Falle einer absehbaren Dürre frühzeitig handeln und Maßnahmen zur Ernährungssicherung einleiten. Solche Maßnahmen sind für die am schlimmsten betroffenen Bevölkerungsgruppen überlebenswichtig.

Vorausschauend handeln - Katastrophen mildern
Vorausschauend handeln - Katastrophen mildern

Farmer Field Schools
Eine weitere wichtige Maßnahme sind Bildungs- und Ausbildungsangebote in Farmer Field Schools (FFS). Dort lernen die Teilnehmer*innen zum Beispiel ihren Nahrungsmittelanbau und damit ihr Einkommen zu verbessern. Weitere Schwerpunkte sind: Der Anbau von robusterem Saatgut, das besser gegen Dürren standhält, Produktdiversität sowie effektivere Anbaumethoden.

Bei der Verhinderung/Abmilderung von Hungerkrisen muss ein Paradigmenwechsel stattfinden: nicht warten bis die Katastrophe eintritt, sondern frühzeitig handeln. So werden humanitäre Systeme nachhaltig verbessert und die Zusammenarbeit mit lokalen staatlichen Strukturen gefördert. Das ist wichtig, um die Maßnahmen zu institutionalisieren und für zukünftige Risiken besser gerüstet zu sein.

Teilnehmerinnen einer Farmer Field School in Rasht, Tadschikistan.
Teilnehmerinnen einer Farmer Field School in Rasht, Tadschikistan. © Welthungerhilfe

Weitere Maßnahmen der Welthungerhilfe 

Nothilfe im Katastrophenfall

Wenn eine Katastrophe nicht mehr verhindert werden kann, greift die Nothilfe der Welthungerhilfe – ein weiteres wichtiges Instrument, um Menschen zu helfen und schnelle Unterstützung zu leisten. Zum Beispiel durch Versorgung mit Lebensmitteln während einer Hungersnot und später beim Wiederaufbau von Dörfern nach einer Naturkatastrophe.

Mikrokredite: Wege aus der Armutsspirale?

Ein Geschäftsmodell, das Unterstützung bieten kann, sind Mikrokredite. Kredite von weniger als 1000 US-Dollar. Diese Maßnahme hilft besonders Kleinbäuerinnen und Kleinbauern nach einer akuten Notsituation. Wenn zum Beispiel ihre Ernte durch eine Dürre vernichtet worden ist und neues Saatgut und Dünger notwendig sind. Konditionen der Rückzahlungen von Mikrokrediten sind von den kreditgebenden Banken unterschiedlich. Alle aber sollten ein Ziel haben: Hilfe zur Selbsthilfe bieten.

Mikrokredite können allerdings schnell zu Schuldenfallen werden, wenn die Kredite nicht rechtzeitig zurückgezahlt werden können und neue Kredite aufgenommen werden müssen. Die Menschen sind weiter in der Armuts-Spirale gefangen. Transparenz und staatliche Regulierung sind in diesem Sektor enorm wichtig, um unseriöse Kreditgeber*innen zu entlarven. Mikrokreditsysteme sollten nicht als alleinige Lösung gesehen, sondern als ergänzendes Instrument der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit gefördert werden.

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Quellen
Letzte Aktualisierung 06.04.2021

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