Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Seiteninhalt springen Zum Footer springen

Klimawandel, Wetterextreme und Hunger

Weltweit steigt die Zahl der Wetterextreme. Als Folgen des Klimawandels haben Dürren oder Überflutungen unmittelbare Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen.

Eine Frau in Haiti schöpft nach Hurrikan Matthew verschmutztes Wasser
Nach einem Hurrikan steigt nicht nur die Ansteckungsgefahr mit Krankheiten wie Cholera, die sich über verschmutztes Wasser übertragen. Die Zerstörung von Ernten und landwirtschaftlichen Strukturen führt unmittelbar zu Hunger. © Thomas Rommel/Welthungerhilfe

Bei einem Wetterextrem handelt es sich um ein Wetterereignis mit einer starken Abweichung vom lokalen Durchschnitt. Das bedeutet: Für den Ort, an dem das Ereignis auftritt, ist es eigentlich eher eine Seltenheit. So würden Temperaturen, die am Äquator normal sind, beispielsweise eine Hitzewelle bedeuten, wenn sie am Nordpol auftreten würden.

Wetterextreme wie Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen oder Stürme hat es in der Weltgeschichte schon immer gegeben. Doch das Klima wandelt sich: In der jüngeren Zeit, besonders im letzten Jahrzehnt, traten Wetterextreme gehäuft auf. Und das mit unmittelbaren, negativen Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit vieler Menschen.

Der tropische Sturm Idai hinterließ 2019 zerstörte Dörfer und verwüstete Landstriche - wie hier in Malawi. © Welthungerhilfe
1 / 3
Starke Niederschläge wie der Monsunregen in Südasien führen zu katastrophalen Überflutungen. Wasser und Schlamm zerstören lebenswichtige Strukturen, so wie hier in Nepal.
2 / 3
Dürrezeiten wie hier am Horn von Afrika hinterlassen ihre Spuren: Die Landschaft vertrocknet, es droht lebensgefährliche Wasserknappheit sowie der Verlust von Ernten und Vieh. © Jens Grossmann
3 / 3

Tropenstürme

Zu den tropischen Stürmen gehören Wirbelstürme wie z.B. der Hurrikan, der Taifun oder der Zyklon. Stürme ab Windstärke 12 auf der Beaufortskala, mit also mehr als 118 km/h, werden je nach Entstehungsort unterschiedlich bezeichnet. Diese Stürme entstehen durch Verdunstungen großer Wassermengen an der Meeresoberfläche. Durch die Corioliskraft fangen die Stürme an sich zu drehen und ein Wirbel entsteht.  

Starkniederschläge & Fluten

Der Deutsche Wetterdienst definiert Starkniederschlag ab einer Regenmenge von 25 mm pro Stunde. Es handelt sich dabei um einen selten auftretenden Niederschlag mit zerstörerischen Folgen, wie beispielsweise Überflutungen. Stärkere Niederschläge entstehen durch höhere Verdunstungen, die wiederum durch höhere Temperaturen verursacht werden.

Hitzewellen & Dürren

Eine Hitzewelle ist eine lange Periode mit außergewöhnlich hohen Temperaturen, die für die jeweilige Region untypisch ist. Hitzewellen haben weitreichende Folgen für die Umwelt: Waldbrände und Wasserknappheit sind eine Bedrohung für die Landwirtschaft; die Luftfeuchtigkeit während dieser Zeit kann für die betroffenen Menschen eine gesundheitliche Gefahr darstellen.

Gibt es mehr Wetterextreme durch den Klimawandel?

Schon eine globale Erhöhung der Durchschnittstemperatur von einem Grad kann durchaus große Auswirkungen auf Faktoren haben, die unser Wetter beeinflussen:

In der Grafik ist zu sehen, dass die Anzahl der weltweiten Umweltereignisse seit den 1980er Jahren stark angestiegen ist; vor allem Umwetter und Überflutungen.
Die Anzahl der Unwetter hat sich weltweit seit den frühen 1990er Jahren mehr als verdoppelt - vor allem Unwetter und Überflutungen haben deutlich zugenommen. © Welthungerhilfe

Studien belegen, dass der Klimawandel die Häufigkeit der Extremereignisse insgesamt erhöht und langanhaltende Klimaextreme ermöglicht. So hat sich die Anzahl von Extremwetterereignissen, wie etwa Stürmen, Dürren, Bränden und Überflutungen seit den Anfängen der 1990er Jahre verdoppelt. Der Global Report on Food Crises gibt an, dass sich im Jahr 2017 etwa 39 Millionen Menschen in 23 Ländern aufgrund von Klimaereignissen nicht mehr ausreichend ernähren konnten.

Die Präsidentin der Welthungerhilfe: Marlehn Thieme

Die Folgen des Klimawandels treffen weltweit am stärksten die Bevölkerungsgruppen, die am wenigsten dafür verantwortlich sind.

Marlehn Thieme Präsidentin der Welthungerhilfe
Mit gezinktem Würfel

In der Wissenschaft hat sich die Metapher des „Spiels mit gezinktem Würfel“ etabliert. Bei einem gezinkten Würfel erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für einen bestimmten Wert durch Manipulation von außen. Im Fall „Wetterextreme“ ist der menschengemachte Klimawandel der Manipulator.

Es ist mittlerweile möglich, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Häufigkeit und durchschnittliche Intensität von Extremwettern abzuschätzen. Dabei zeigen wissenschaftliche Erkenntnisse, dass sich einige Wetterbedingungen bereits verschoben haben: So sind beispielsweise kalte Nächte weltweit zurückgegangen, während warme Nächte zugenommen haben. Dürren, die Intensität von Stürmen sowie Hitzewellen haben zugenommen und werden dies voraussichtlich auch weiterhin tun. Forscher erwarten, dass die meisten Kategorien von extremen Wetterereignissen, mit Ausnahme von Kältewellen, durch die globale Erwärmung weiterhin zunehmen werden. In Mitteleuropa sind neue Hitzerekorde im Sommer beispielsweise seit geraumer Zeit zur Normalität geworden.

Wie Wetterextreme für Hunger sorgen

Der Hunger weltweit ist nach wie vor ein ernstzunehmendes Problem: Schätzungsweise 822 Millionen Menschen müssen Hunger leiden. Darunter sind 149 Millionen Kinder, die aufgrund von Mangelernährung Wachstumsverzögerungen aufweisen.

Auch dort, wo es augenscheinlich genug zu essen gibt, betrifft der sogenannte „verborgene Hunger“ rund zwei Milliarden Menschen: Sie leiden unter massiven Nährstoffdefiziten aufgrund einseitiger Ernährung. 

Die Welthungerhilfe arbeitet gemeinsam mit ihren Partnern daran, dem weltweiten Hunger ein Ende zu setzen. Diese Arbeit wird allerdings durch zunehmende Wetterextreme, die in Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen, nachhaltig erschwert. Stürme, Dürren, Hitzewellen, Starkregen und damit verbundene Naturkatastrophen wie Brände oder Überschwemmungen kommen seit den 1990er Jahren häufiger vor und nehmen größere Ausmaße an. Heute machen sie 80 Prozent aller Katastrophen weltweit aus.

Wetterextreme gefährden die Ernährungssicherung

Teaserbild: Brennpunkt - Klimawandel macht Hunger Brennpunkt: Klimawandel macht Hunger

Der Klimawandel verschärft die Ernährungssituation vieler Menschen: Durch Extremwetterereignisse wie starke Regenfälle und Dürren gehen Ernten und Einkommen verloren.

Teufelskreis Wetterextreme und Hunger

Die Folgen der zunehmenden Wetterextreme treffen vor allem die Länder, die über die wenigsten Ressourcen verfügen, um der Bedrohung durch Hunger etwas entgegenzusetzen. Als Resultat erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für Konflikte, Migration und politische Instabilität, die ihrerseits wiederum Co-Faktoren für Hunger sind.

Was muss getan werden?

Wenn wir nicht nachhaltig handeln, werden auch durch Wetterextreme Hunger und Unterernährung in vielen Regionen weiter zunehmen. Wir brauchen ambitionierte Herangehensweisen und Maßnahmen, um klimabedingte Herausforderungen zu stemmen. Jede einzelne Stellschraube ist dabei von großer Wichtigkeit.

Wir müssen nachhaltig handeln!

Ansätze der Welthungerhilfe

Die Maßnahmen der Welthungerhilfe gliedern sich in verschiedene Projekte zur Akuthilfe und Prävention bei Wetterextremen. Aus unserer Erfahrung wissen wir: Prävention ist auf lange Sicht effektiver als Reaktion. In Ländern mit einem hohen Risiko für Extremwetterereignisse verknüpfen wir daher akute Nothilfe im Extremfall mit langfristigen Strategien zur Verhütung künftiger Notstände.

Ein Stichwort dabei lautet Resilienz. Die Welthungerhilfe definiert Resilienz als die “Fähigkeit von Personen, Gemeinden oder Institutionen, sich von extremen Belastungen rasch zu erholen und Strategien zu entwickeln, mit wiederkehrenden Herausforderungen umzugehen.” Um das zu gewährleisten, haben unsere Projekte das Ziel, Menschen für die Zukunft zu wappnen und widerstandsfähiger zu machen. Das ist nicht nur kosteneffizienter, sondern verringert dazu das Ausmaß potenzieller Notlagen und Schäden.

Prävention und Nothilfe: Ausgewählte Projekte

Weitere Stichworte lauten Early Warning und Early Action als Prinzipien der Katastrophenvorsorge. Für jede Region werden dabei akute Risiken identifiziert und das Gefahrenpotenzial der Wetterextreme evaluiert. Im Anschluss treffen wir zusammen mit lokalen Partnern und Regierungsstellen vorausschauende Maßnahmen zur Katastrophenverhütung.

Von Extremwettern besonders betroffene Projektländer der Welthungerhilfe sind Myanmar, Nepal, Bangladesch und Sierra Leone, sowie die Länder am Horn von Afrika, wie z.B. Äthiopien. Allerdings zeichnet sich in nahezu allen Projektländern eine Zunahme von extremen Wetterereignissen ab. Oft sind nun auch Länder betroffen, in denen bisher nicht mit Extremwettern zu rechnen war, wie beispielsweise Somaliland. Insgesamt nimmt also auch die Zahl der Länder zu, die unter extremem Wetter leiden.

Bewährte Strategien zur Vorsorge
Infografik Katastrophe und Folgen
Diese Grafik informiert darüber, was nach einer Katastrophe passiert. © Welthungerhilfe
Letzte Aktualisierung 02.12.2019

Das könnte Sie auch interessieren

Deutsche Welthungerhilfe e. V., Sparkasse KölnBonn IBAN DE15 3705 0198 0000 0011 15, BIC COLSDE33
Newsletter abonnieren

Alle Informationen zu Katastrophen, Projekten und Veranstaltungen aus erster Hand erhalten.