Helfen, wo es besonders schwierig ist

In Fragilen Staaten hungern besonders viele Menschen. Machtlose Regierungen, schlechte Infrastruktur oder Bürgerkriege vergrößern den Hunger oder verursachen ihn erst – und erschweren der Welthungerhilfe die Arbeit vor Ort. Doch gerade hier ist sie besonders wichtig.

Konflikt und humanitäre Krise im Südsudan
Hilfe im Südsudan wird durch andauernde Kämpfe verfeindeter Milizen erschwert. © Daniel Rosenthal
Michael Kühn Team Politik und Außenbeziehungen

Den größten Teil ihrer Arbeit leistet die Welthungerhilfe in Fragilen Staaten – Staaten, die sich nicht um ihre Bürger kümmern können oder wollen, Afghanistan etwa oder der Sudan. Straßen, Krankenhäuser und andere Einrichtungen verfallen, die Korruption blüht, der Handel stockt, Konflikte werden zum Teil gewaltsam ausgetragen. Das erschwert Unterstützung, wenn beispielsweise wegen Dürren oder Überschwemmungen Hungerkrisen drohen, oder löst diese sogar selbst aus.

Bei jedem noch so dringenden Projekt in Fragilen Staaten steht die Welthungerhilfe deshalb vor schwierigen Fragen: Wie kann sie von Hunger bedrohte Menschen unter diesen Bedingungen schnell, effizient und sicher unterstützen? Aber auch: Welche Auswirkungen hat ein Hilfsprojekt etwa auf die lokalen Wirtschaftskreisläufe? Werden durch ihre Arbeit möglicherweise Konflikte verschärft, diktatorische Regime oder brutale Rebellen unterstützt? Häufig erlauben solche Risiken nur schnelle, vorübergehende Nothilfe. Dabei sind gerade in Fragilen Staaten langfristige, nachhaltige Maßnahmen nötig, um nicht nur den schlimmsten Hunger zu bekämpfen, sondern auch seine Ursachen.

Afghanistan Winterhilfe Flüchtlinge
Auch die Arbeit der Welthungerhilfe in Afghanistan wird durch den anhaltenden Bürgerkrieg und unklare Machtstrukturen erschwert. © Sayed Abdul Tawab Sadaat

So kompliziert und oft auch gefährlich Projekte unter diesen Umständen sind: Nichtregierungsorganisationen sind dafür besonders geeignet. Sie sind unabhängig und neutral, haben oft hohes Ansehen und bewährte Netzwerke. Diese Verantwortung nimmt die Welthungerhilfe an. Für jedes Projekt in Fragilen Staaten analysiert sie genau die konkreten Bedingungen und setzt besonders ausgebildete und erfahrene Mitarbeiter ein. Sie stimmen die Aktivitäten vor Ort mit den Menschen ab, denen sie helfen sollen, versuchen Abhängigkeiten zu vermeiden und Strukturen zu unterstützen, die den Kreislauf der Armut unterbrechen.

Dazu fördert die Welthungerhilfe lokale Ansätze zur Selbsthilfe und unterstützt bisher überhörte Menschen dabei, für ihre Rechte und ihre Belange einzutreten. Bedingung ist dabei immer die Prävention von Gewalt. Nach diesem Prinzip funktioniert zum Beispiel das „National Solidarity Programme“ in Afghanistan. Dabei legen Dorfgemeinschaften unter Anleitung ziviler Organisationen eigenstständig die für sie wichtigsten Entwicklungsprojekte fest und setzen sie fachlich unterstützt selbst um. Sie können großteils von außerhalb betreut werden, Verantwortung und Bedeutung der lokalen Akteure wachsen.

Brunnen
Beim Brunnenbau in Afghanistan ist die Welthungerhilfe auf das Wohlwollen lokaler Machthaber angewiesen. © Gutschker/Welthungerhilfe

Für diese Zusammenarbeit müssen die Mitarbeiter der Welthungerhilfe viel Fachwissen und Einfühlungsvermögen, viel Kreativität und Geduld aufbringen. Doch im Idealfall können solche Projekte nicht nur den Hunger und seine direkten Ursachen bekämpfen, sondern auch helfen, in Fragilen Staaten funktionierende Strukturen zu schaffen. 

Letzte Aktualisierung 09.01.2018
Deutsche Welthungerhilfe e. V., Sparkasse KölnBonn IBAN DE15 3705 0198 0000 0011 15, BIC COLSDE33
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