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23.10.2025 | Pressemitteilung

Wachsende Besorgnis über verweigerte Hilfslieferungen nach Gaza

Ein restriktives Registrierungsverfahren verzögert dringend benötigte humanitäre Hilfe.

Die Verteilung humanitärer Hilfe in Gaza – wie hier im Februar 2025 in Gaza-Stadt – ist derzeit nahezu unmöglich. Seit Beginn des Waffenstillstands lehnen israelische Behörden weiterhin willkürlich Hilfslieferungen mit lebensrettender Unterstützung ab. © Welthungerhilfe, Yousef El-Ruzzi
Simone Pott Team Communications

Hamburg / Bonn, 23. Oktober 2025 In Gaza tätige internationale Organisationen rufen die Regierung Israels auf, ihre Verpflichtungen aus dem Waffenstillstandsabkommen und dem Völkerrecht einzuhalten und freien Zugang für humanitäre Hilfslieferungen zu gewährleisten. Seit Beginn des Waffenstillstands lehnen die israelischen Behörden Lieferungen lebensrettender Hilfsgüter nach Gaza weiterhin willkürlich ab, während ein neues restriktives Registrierungsverfahren für internationale Nichtregierungsorganisationen (INGOs) dringend benötigte humanitäre Arbeit zusätzlich verzögert.

Zwischen dem 10. und 21. Oktober 2025 wurde 17 INGOs die Einfuhr dringender Hilfslieferungen, darunter Wasser, Lebensmittel, Zelte und medizinische Güter, nach Gaza verweigert. 94 % aller Ablehnungen durch israelische Behörden betrafen INGOs. Drei Viertel dieser Ablehnungen wurden mit der Begründung erteilt, dass die Organisationen „nicht befugt“ seien, humanitäre Hilfe nach Gaza zu liefern. Dies betrifft auch Organisationen, die seit Langem sowohl bei den palästinensischen als auch bei den israelischen Behörden registriert und rechtlich befugt sind, ihre Arbeit fortzusetzen, während die neuen Registrierungsverfahren laufen.

Diese humanitären Organisationen sind weder neu noch unerfahren. Es handelt sich um vertrauenswürdige Akteure, die seit Jahrzehnten in Gaza tätig sind. Solche gezielten Zurückweisungen zeigen deutlich, dass israelische Behörden weiterhin Hilfsmaßnahmen einschränken und politisieren – und damit im Widerspruch zu Sinn und Zweck der vereinbarten Waffenruhe agieren.

Die Hilfsgüter sind verpackt und die Teams der INGOs einsatzbereit, um in großem Maße Hilfe zu leisten. Was uns fehlt, ist der Zugang. Die israelischen Behörden müssen ihren Verpflichtungen gemäß humanitärem Völkerrecht und den Bestimmungen des Waffenstillstandsabkommens jetzt nachkommen.

Zwischen dem 10. und 21. Oktober wurden 99 Anträge internationaler NGOs für die Lieferung von Hilfsgütern nach Gaza abgelehnt, ebenso wie sechs Anträge von UN-Organisationen. Die von israelischen Behörden verweigerte Hilfe umfasst Zelte und Planen, Decken, Matratzen, Nahrungsmittel, inclusive Spezialnahrung, Hygieneartikel, Sanitärmaterialien, Hilfsmittel und Kinderkleidung – Dinge, für die es während eines Waffenstillstands keine Einschränkungen geben sollte.

Ende September stammten drei von vier der von Israel abgelehnten Genehmigungsanträge von INGOs. Diese Ablehnungen haben seit Beginn der vollständigen Blockade im März und der Einführung des neuen INGO-Registrierungssystems zugenommen.

Die Ankündigung des Waffenstillstands wurde als entscheidender Moment begrüßt, um die Lage der palästinensischen Zivilbevölkerung zu verbessern. Berichte über erneute Verstöße machen die Fragilität dieses Übereinkommens deutlich. Die fortgesetzte Ablehnung humanitärer Lieferungen ist äußerst besorgniserregend. Nach mehr als zwei Jahren ununterbrochener und andauernder Bombardierungen – mit Dutzenden von Toten allein in der vergangenen Woche – sowie der daraus resultierenden Not, Vertreibung und Hungersnot verhindert die Blockade humanitärer Hilfen und Hilfsgüter die gemeinsamen Bemühungen, Leben zu retten.

Hilfsgüter im Wert von fast 50 Millionen US-Dollar – darunter Lebensmittel, medizinische Versorgung, Hygieneartikel und Schutzmaterialien für Unterkünfte – von vor Ort tätigen INGOs bleiben an Grenzübergängen und in Lagern liegen und können die Bedürftigen nicht erreichen. Die Menschen in Gaza bereiten sich nun auf den Winter vor, viele von ihnen in provisorischen Unterkünften ohne Isolierung, Heizung, sauberes Wasser oder sanitäre Einrichtungen. Die Zeit drängt – ohne sofortigen, ungehinderten Zugang wird die Zahl vermeidbarer Todesfälle steigen.

Die bestehenden Beschränkungen verweigern den Palästinenser*innen überlebenswichtige Hilfen und behindern die Koordinierung der humanitären Unterstützung in Gaza, die auf die Zusammenarbeit zwischen lokalen Organisationen, nationalen Institutionen, UN-Organisationen und internationalen NGOs angewiesen ist.

Ein humanitärer Zugang ist völkerrechtlich verpflichtend – kein Entgegenkommen aufgrund der Waffenruhe. Der Waffenstillstand muss ein dauerhaftes Ende der Feindseligkeiten gewährleisten und den freien, sicheren, prinzipientreuen und kontinuierlichen Zugang zu humanitärer Hilfe garantieren – im Einklang mit dem Recht der Palästinenser*innen auf Sicherheit, Würde und Selbstbestimmung. Alles andere birgt das Risiko, das das Versprechen auf humanitäre Hilfe erneut gebrochen wird. Das neue israelische Registrierungssystem muss wieder aufgehoben werden, um den ungehinderten und uneingeschränkten Zugang von Hilfslieferungen zu ermöglichen.

Unterzeichnende Organisationen, die direkt oder über Partner in Gaza tätig sind:

  1. ACS Associazione Cooperazione e Solidarieta'
  2. Action Against Hunger (ACF)
  3. Action For Humanity
  4. ActionAid Denmark
  5. ActionAid International
  6. American Friends Service Committee (AFSC)
  7. CESVI Fondazione - ETS
  8. CISS - Cooperazione Internazionale Sud Sud
  9. DanChurchAid
  10. Diakonia
  11. Finn Church Aid
  12. Glia
  13. HEKS/EPER(Swiss Church Aid)
  14. HelpAge International
  15. Humanity & Inclusion - Handicap International
  16. Humanity First UK
  17. IDEALS
  18. Islamic Relief Worldwide
  19. Japan International Volunteer Center (JVC)
  20. Médecins du Monde International Network (MdM)
  21. Médecins Sans Frontières
  22. MedGlobal
  23. Medical Aid for Palestinians (MAP)
  24. Medico International
  25. Mennonite Central Committee
  26. NORWAC-Norwegian Aid Committee
  27. Norwegian Church Aid
  28. Norwegian People’s Aid
  29. Norwegian Refugee Council
  30. Oxfam
  31. Palestinian Medical Relief Society 
  32. People in Need
  33. Plan International
  34. Première Urgence Internationale
  35. Secours Islamique France (SIF)
  36. Terre des Hommes Italy
  37. Terre des hommes Lausanne
  38. The Center for Mind Body Medicine -  CMBM
  39. The Middle East Children's Alliance
  40. War Child Alliance
  41. Welthungerhilfe
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