Wachsende Besorgnis über verweigerte Hilfslieferungen nach Gaza
Ein restriktives Registrierungsverfahren verzögert dringend benötigte humanitäre Hilfe.
Hamburg / Bonn, 23. Oktober 2025 In Gaza tätige internationale Organisationen rufen die Regierung Israels auf, ihre Verpflichtungen aus dem Waffenstillstandsabkommen und dem Völkerrecht einzuhalten und freien Zugang für humanitäre Hilfslieferungen zu gewährleisten. Seit Beginn des Waffenstillstands lehnen die israelischen Behörden Lieferungen lebensrettender Hilfsgüter nach Gaza weiterhin willkürlich ab, während ein neues restriktives Registrierungsverfahren für internationale Nichtregierungsorganisationen (INGOs) dringend benötigte humanitäre Arbeit zusätzlich verzögert.
Zwischen dem 10. und 21. Oktober 2025 wurde 17 INGOs die Einfuhr dringender Hilfslieferungen, darunter Wasser, Lebensmittel, Zelte und medizinische Güter, nach Gaza verweigert. 94 % aller Ablehnungen durch israelische Behörden betrafen INGOs. Drei Viertel dieser Ablehnungen wurden mit der Begründung erteilt, dass die Organisationen „nicht befugt“ seien, humanitäre Hilfe nach Gaza zu liefern. Dies betrifft auch Organisationen, die seit Langem sowohl bei den palästinensischen als auch bei den israelischen Behörden registriert und rechtlich befugt sind, ihre Arbeit fortzusetzen, während die neuen Registrierungsverfahren laufen.
Diese humanitären Organisationen sind weder neu noch unerfahren. Es handelt sich um vertrauenswürdige Akteure, die seit Jahrzehnten in Gaza tätig sind. Solche gezielten Zurückweisungen zeigen deutlich, dass israelische Behörden weiterhin Hilfsmaßnahmen einschränken und politisieren – und damit im Widerspruch zu Sinn und Zweck der vereinbarten Waffenruhe agieren.
Die Hilfsgüter sind verpackt und die Teams der INGOs einsatzbereit, um in großem Maße Hilfe zu leisten. Was uns fehlt, ist der Zugang. Die israelischen Behörden müssen ihren Verpflichtungen gemäß humanitärem Völkerrecht und den Bestimmungen des Waffenstillstandsabkommens jetzt nachkommen.
Zwischen dem 10. und 21. Oktober wurden 99 Anträge internationaler NGOs für die Lieferung von Hilfsgütern nach Gaza abgelehnt, ebenso wie sechs Anträge von UN-Organisationen. Die von israelischen Behörden verweigerte Hilfe umfasst Zelte und Planen, Decken, Matratzen, Nahrungsmittel, inclusive Spezialnahrung, Hygieneartikel, Sanitärmaterialien, Hilfsmittel und Kinderkleidung – Dinge, für die es während eines Waffenstillstands keine Einschränkungen geben sollte.
Ende September stammten drei von vier der von Israel abgelehnten Genehmigungsanträge von INGOs. Diese Ablehnungen haben seit Beginn der vollständigen Blockade im März und der Einführung des neuen INGO-Registrierungssystems zugenommen.
Die Ankündigung des Waffenstillstands wurde als entscheidender Moment begrüßt, um die Lage der palästinensischen Zivilbevölkerung zu verbessern. Berichte über erneute Verstöße machen die Fragilität dieses Übereinkommens deutlich. Die fortgesetzte Ablehnung humanitärer Lieferungen ist äußerst besorgniserregend. Nach mehr als zwei Jahren ununterbrochener und andauernder Bombardierungen – mit Dutzenden von Toten allein in der vergangenen Woche – sowie der daraus resultierenden Not, Vertreibung und Hungersnot verhindert die Blockade humanitärer Hilfen und Hilfsgüter die gemeinsamen Bemühungen, Leben zu retten.
Hilfsgüter im Wert von fast 50 Millionen US-Dollar – darunter Lebensmittel, medizinische Versorgung, Hygieneartikel und Schutzmaterialien für Unterkünfte – von vor Ort tätigen INGOs bleiben an Grenzübergängen und in Lagern liegen und können die Bedürftigen nicht erreichen. Die Menschen in Gaza bereiten sich nun auf den Winter vor, viele von ihnen in provisorischen Unterkünften ohne Isolierung, Heizung, sauberes Wasser oder sanitäre Einrichtungen. Die Zeit drängt – ohne sofortigen, ungehinderten Zugang wird die Zahl vermeidbarer Todesfälle steigen.
Die bestehenden Beschränkungen verweigern den Palästinenser*innen überlebenswichtige Hilfen und behindern die Koordinierung der humanitären Unterstützung in Gaza, die auf die Zusammenarbeit zwischen lokalen Organisationen, nationalen Institutionen, UN-Organisationen und internationalen NGOs angewiesen ist.
Ein humanitärer Zugang ist völkerrechtlich verpflichtend – kein Entgegenkommen aufgrund der Waffenruhe. Der Waffenstillstand muss ein dauerhaftes Ende der Feindseligkeiten gewährleisten und den freien, sicheren, prinzipientreuen und kontinuierlichen Zugang zu humanitärer Hilfe garantieren – im Einklang mit dem Recht der Palästinenser*innen auf Sicherheit, Würde und Selbstbestimmung. Alles andere birgt das Risiko, das das Versprechen auf humanitäre Hilfe erneut gebrochen wird. Das neue israelische Registrierungssystem muss wieder aufgehoben werden, um den ungehinderten und uneingeschränkten Zugang von Hilfslieferungen zu ermöglichen.
Unterzeichnende Organisationen, die direkt oder über Partner in Gaza tätig sind:
- ACS Associazione Cooperazione e Solidarieta'
- Action Against Hunger (ACF)
- Action For Humanity
- ActionAid Denmark
- ActionAid International
- American Friends Service Committee (AFSC)
- CESVI Fondazione - ETS
- CISS - Cooperazione Internazionale Sud Sud
- DanChurchAid
- Diakonia
- Finn Church Aid
- Glia
- HEKS/EPER(Swiss Church Aid)
- HelpAge International
- Humanity & Inclusion - Handicap International
- Humanity First UK
- IDEALS
- Islamic Relief Worldwide
- Japan International Volunteer Center (JVC)
- Médecins du Monde International Network (MdM)
- Médecins Sans Frontières
- MedGlobal
- Medical Aid for Palestinians (MAP)
- Medico International
- Mennonite Central Committee
- NORWAC-Norwegian Aid Committee
- Norwegian Church Aid
- Norwegian People’s Aid
- Norwegian Refugee Council
- Oxfam
- Palestinian Medical Relief Society
- People in Need
- Plan International
- Première Urgence Internationale
- Secours Islamique France (SIF)
- Terre des Hommes Italy
- Terre des hommes Lausanne
- The Center for Mind Body Medicine - CMBM
- The Middle East Children's Alliance
- War Child Alliance
- Welthungerhilfe
