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20.11.2020 | Blog

Wut, Verzweiflung und Angst - Flucht aus Tigray

Die Lage in Tigray ist äußerst kritisch. In der äthiopischen Region eskalieren die Kämpfe. Viele Menschen sind verzweifelt und flüchten in den Sudan.

Verteilung von Nothilfepaketen im Flüchtlingscamp an der äthiopisch-sudanesischen Grenze. © Bothina Haj Ahmed/Welthungerhilfe
Kerstin Bandsom Team Communications

„Schauen Sie sich doch um hier, wir haben nichts!“ Der ältere Mann gestikuliert mit seinen Armen und zeigt auf die am Boden sitzenden Menschen. Sie sind erschöpft, hungrig und verzweifelt. Der Mann ist wütend, seine Stimme klingt sehr aufgeregt. Er ist der Vorsteher einer Gemeinde in Tigray, Äthiopien, aus der er mit vielen Menschen vor dem Krieg über die Grenze in den Sudan geflohen ist. Er fühlt sich verantwortlich für diese Menschen.

Hintergrund: Im Norden Äthiopiens eskaliert der Konflikt zwischen der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) und dem äthiopischen Militär. Experten warnen vor einem Zerfall des Landes. 

Zuhause ist jetzt Krieg. In großer Angst haben Tausende Äthiopier aus Tigray ihre Heimat verlassen und alles zurückgelassen. Jetzt sind sie in Hamdayet, im Sudan, angekommen. Hier sind sie zumindest auf sicherem Boden, auf staubigem Boden. Das Gelände des Aufnahmezentrums ist weitläufig. Mit Planen über sich und Matten zum Sitzen, lassen sich die Menschen hier nieder.

Der Gemeindevorsteher schildert unseren Kolleg*innen vor Ort verzweifelt seine Situation. © Welthungerhilfe

Der Gemeindevorsteher ist verzweifelt, dass die Menschen nicht genügend versorgt werden können. „Sehen Sie doch, all die Frauen und Kinder, wir haben keine Toiletten, wir haben nichts zu essen, wir haben nichts!“ Seine Wut mischt sich zunehmend mit Verzweiflung. Er ist doch ihr Vorsteher und möchte sie versorgt wissen. Dort, wo die Menschen herkommen, hatten sie ein Zuhause. Jetzt sind sie auf Hilfe angewiesen.

Die Situation im Aufnahmezentrum für Geflüchtete in Hamdayet ist wirklich dramatisch. Shadrack Mutiso, Welthungerhilfe Koordinator in Kassala, Sudan, berichtet, dass es zunächst nur vier Latrinen auf dem Gelände für die immer mehr werdenden Menschen gab. Inzwischen werden zwar weitere Behelfslatrinen aufgebaut, so gibt es wenigstens ein bisschen Würde und Schutz, aber es reicht längst nicht aus. Die Welthungerhilfe und andere Hilfsorganisationen sind im Dauereinsatz. „Wir brauchen aber viel, viel mehr. Die Menschen stehen hier in langen Schlangen an, um sich offiziell als Geflüchtete registrieren zu lassen. Und es werden ständig mehr“, beschreibt Shadrack die Situation.

Shadrack Mutiso, Welthungerhilfe Koordinator in Kassala, Sudan. © Welthungerhilfe

Die Welthungerhilfe verteilt bereits Hilfsmittel wie Matten und Planen. Aber es ist schon jetzt absehbar, dass die Hilfe dringend aufgestockt werden muss. Es wird damit gerechnet, dass sich die Zahl der Geflüchteten in den nächsten Tagen und vielleicht auch Wochen noch weiter erhöht.

Die Herausforderungen wachsen: Mehr und mehr Hilfe gilt es jetzt zu organisieren und auch die Corona-Pandemie stellt die im Dauereinsatz tätigen Helferinnen und Helfer vor neue Aufgaben: Abstände sind einzuhalten und zu kontrollieren, die Hygienevoraussetzungen sind katastrophal. Aber Shadrack appelliert: „Wir können die Leute hier doch nicht im Stich lassen! Wir werden unsere Hilfe verstärken und so vielen wie möglich helfen.“ Auch ihm geht die Situation trotz aller Professionalität nah. „Hier sind so viele Frauen und Kinder und ältere Menschen. Sie haben kein Dach über dem Kopf, schlafen draußen. Es gibt keine Toiletten nur für Frauen. Das ist so unwürdig!“ sagt er und geht wieder an die Arbeit.

Letzte Aktualisierung 20.11.2020

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