Sudan: Wie eine Mutter in Darfur neuen Halt findet
Nach wochenlanger Flucht finden Ferdous und ihre vier Kinder Zuflucht in Nord-Darfur – ohne Besitz und ohne Einkommen. Bargeldhilfe ermöglicht es ihr, ihre Kinder zu versorgen und sich Schritt für Schritt wieder ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen.
Als 2023 die Kämpfe in El Fasher im Bundesstaat Nord-Darfur ausbrachen, saßen Ferdous und ihre vier Kinder über zwanzig Monate lang in der Stadt fest. Im September 2025 gelang ihnen schließlich die Flucht – ohne Besitz, ohne Einkommen, ohne Sicherheit. Sie hatten nur die Kleidung, die sie trugen.
Als alleinige Familienernährerin trug Ferdous die volle Verantwortung: für die Sicherheit ihrer Kinder, für Nahrung, für medizinische Versorgung – und für die Hoffnung, dass es irgendwo einen sicheren Ort geben würde.
Nach Wochen auf der Flucht erreicht die Familie schließlich Al Lait. Dort unterstützt die Welthungerhilfe gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen ADRA und der SAHARI Organization for Development besonders gefährdete Familien mit Bargeldhilfe. Finanziert wird das Projekt von der Europäischen Union.
Ferdous’ Geschichte: Wie Bargeldhilfe Stabilität und Würde zurückbringt
An dem Morgen, als Ferdous die Nachricht erhält, dass das Geld für sie bereitsteht, geht sie zu einem Händler im Ort. Die vorsichtige Erleichterung ist ihr anzusehen: Zum ersten Mal seit ihrer Flucht fühlt sie sich nicht vollkommen ausgeliefert. Zum ersten Mal seit Monaten kann sie selbst entscheiden, was ihre Familie am dringendsten braucht.
Auf ihrem Handy führt sie einen digitalen Nachweis über die erhaltene Hilfe mit sich. Dann kauft sie lebenswichtige Medikamente und Lebensmittel ein: Linsen, Öl, Mehl und etwas Gemüse. Besonders wichtig sind ihr die Linsen: Ihr jüngstes Kind ist inzwischen mangelernährt, weil es seit Ausbruch der Kämpfe nicht zuverlässig versorgt werden konnte. Sie weiß, dass die eiweißreichen Hülsenfrüchte ihm helfen würden, wieder zu Kräften zu kommen.
„Diese Unterstützung kam genau zur richtigen Zeit“, sagt Ferdous. „Als wir aus El Fasher fliehen mussten, habe ich mein kleines Geschäft verloren – und damit unser gesamtes Einkommen. Meine Kinder haben sehr gelitten, und ich musste mit ansehen, wie mein jüngstes Kind krank wurde. Heute bin ich erleichtert. Mit dem Geld kann ich wieder Essen und Medikamente kaufen. Wir können wieder in Würde leben.“
Wirkung, die über einen Haushalt hinausgeht
Ferdous’ Geschichte steht stellvertretend für 2.568 vertriebene Familien in Nord-Darfur, die mit Unterstützung der Europäischen Union Bargeldhilfe erhalten haben. Für viele von ihnen bedeutet die Hilfe weit mehr als nur finanzielle Entlastung.
Sie trägt dazu bei,
- die Ernährung zu sichern: Familien können vielfältigere und nahrhaftere Lebensmittel kaufen.
- Würde zurückzugeben: Menschen entscheiden selbst, was sie am dringendsten benötigten.
- die lokale Wirtschaft zu stärken: Händler*innen in Al Lait, Um Kedada, Tawila und Al Tawisha profitieren von der steigenden Nachfrage auf den Märkten.
- Kinder besser zu versorgen: Besonders dort, wo Kinder nach Monaten der Vertreibung akut mangelernährt sind.
- negative Bewältigungsstrategien zu reduzieren: Familien müssen seltener Mahlzeiten ausfallen lassen, hohe Schulden aufnehmen oder ihre letzten Habseligkeiten verkaufen.
Viele Familien berichten, dass sie mehr als nur Geld erhalten haben: neue Hoffnung, mehr Stabilität und eine konkrete Perspektive für einen Neuanfang.
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Ein Schritt in Richtung Neuanfang
Die Märkte funktionieren weiterhin, und langsam kehrt in einigen Gemeinden ein Stück Alltag zurück. Ferdous hofft, bald wieder ihr kleines Geschäft eröffnen zu können. Sie möchte erneut Tee und selbstgemachte Snacks verkaufen.
Ihre Geschichte zeigt, wie wirkungsvoll Bargeldhilfe sein kann. Sie gibt vertriebenen Menschen die Möglichkeit, ihren eigenen Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben zu finden.
Eine Gemeinschaft im Ausnahmezustand
Der Konflikt im Sudan hat Tausende Familien zur Flucht gezwungen. Sie haben ihre Lebensgrundlagen und ihr Eigentum verloren – und Menschen, auf die sie sich verlassen konnten. In Nord-Darfur tragen besonders Frauen wie Ferdous die Hauptlast. Als alleinige Familienoberhäupter müssen sie trotz stark steigender Preise und fehlender Einkommensmöglichkeiten für ausreichend Essen, Medizin und andere grundlegende Bedürfnisse sorgen.
Um sie in dieser Situation zu unterstützen, setzt die Welthungerhilfe in Nord-Darfur das Projekt „Sudan Urgent Food Security Assistance through Multi-Purpose Cash and Disaster Risk Reduction Interventions (SUSTAIN)“ um. Es wird in den Regionen Al Lait, Um Kedada, Al Tawisha und Tawila durchgeführt – Gebiete, die besonders viele Menschen aus El Fasher und anderen stark umkämpften Regionen aufgenommen haben.
Diese finanzielle Unterstützung ermöglicht es vom Krieg betroffenen Familien, ihre Not zu lindern, selbst zu entscheiden, was für sie im Moment am wichtigsten ist – und dabei ihre Würde zu bewahren.
