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Kompass: Zur Wirklichkeit der deutschen Entwicklungspolitik
Herausgegeben von Deutsche Welthungerhilfe e.V. & Terre des Hommes Deutschland e.V.
Der Kompass 2025 analysiert die jüngsten Daten zu den öffentlichen Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit und formuliert Forderungen an die Bundesregierung.
In der diesjährigen Ausgabe des Kompass 2025 in Zusammenarbeit mit Terre des Hommes liegt besonderes Augenmerk auf der Leitfrage: „Quo vadis, Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe?“
Vorwort
Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe agieren in einem Umfeld, das von verschobenen Rahmenbedingungen geprägt ist. Das Bröckeln der regelbasierten Weltordnung, geopolitische Umbrüche und eine steigende Zahl gewaltsamer Konflikte gehen mit einer zunehmenden Infragestellung der Legitimität von Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe einher. Gleichzeitig sinken die bereitgestellten Mittel massiv. Umso wichtiger ist es, dass sich die neue Koalition klar zur Überwindung von Hunger, Armut und Ungleichheit bekannt hat.
Im Bundeshaushalt 2024 wurden sowohl die Mittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung als auch die Mittel des Auswärtigen Amts für die humanitäre Hilfe deutlich gekürzt. Infolgedessen sank die deutsche ODA-Quote im Jahr 2024 auf 0,67 Prozent des Bruttonationaleinkommens. Damit wurde das international vereinbarte 0,7-Prozent-Ziel, zu dem sich Deutschland ausdrücklich bekannt hat, erstmals seit fünf Jahren verfehlt. Es ist daher ein fatales Signal, dass der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung kein Bekenntnis zum 0,7-Prozent-Ziel enthält. Damit kündigt die Bundesregierung nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine politische Abkehr von internationalen Verpflichtungen an.
Kompass 2025: Herausforderungen für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe
Mit dem diesjährigen Kompass bewerten wir die deutsche Entwicklungspolitik in dem Bewusstsein, dass Orientierung von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren neu errungen werden muss. Und mit der Überzeugung, dass Veränderung auch Chance bedeutet – die Chance, alte Funktionsweisen kritisch zu hinterfragen und das bestehende System zu verbessern. Der Kompass steht deshalb unter der Leitfrage „Quo vadis, Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe?“. Die nach wie vor dramatische globale Ernährungssituation und humanitäre Krisen – etwa im Gazastreifen und im Sudan – unterstreichen, wie dringend politische Antworten auf diese Frage sind.
In diesem herausfordernden Umfeld sollte die neue Bundesregierung die Chance nutzen, richtungsweisende entwicklungspolitische Entscheidungen zu treffen. Sie kann und sollte ihren Gestaltungswillen für eine lebenswerte Zukunft aller Menschen neu bekräftigen. Ihre Glaubwürdigkeit sowohl im globalen Süden als auch im Norden wird davon abhängen, ob es ihr gelingt, die Entwicklungszusammenarbeit als Treiber gemeinsamer Interessen und Lösungen zu positionieren. Dies kann nur über umfassende Reformen gelingen. Dabei muss die Bundesregierung ihre entwicklungspolitischen Schwerpunktsetzungen so ausgestalten, dass sie menschenrechtskonform sind und das Ziel verfolgen, Wohlstand und Entwicklungsmöglichkeiten für alle Seiten zu schaffen.
Ein Leben ohne Hunger und extreme Armut ist eine grundlegende Voraussetzung für ein wirtschaftlich und sozial aktives Leben und ein friedliches Zusammenleben. Deshalb sollte die Bundesregierung ihren Fokus gezielt auf Ernährungssicherung und die Entwicklung ländlicher Räume legen – und dabei besonders die sogenannten am wenigsten entwickelten Länder (LDCs) sowie vulnerable Gruppen wie Kinder und Jugendliche in den Blick nehmen.
Chancen für Reformen und neue entwicklungspolitische Weichenstellungen
Auch das humanitäre System braucht Reformen. Seine strukturellen Schwächen wurden durch die De-facto-Auflösung der US-Entwicklungsagentur USAID zu Beginn dieses Jahres einmal mehr offengelegt. Deutschland, einer der größten Geber und aktiver Unterstützer wichtiger Reformprozesse – etwa der „Grand Bargain“-Vereinbarung – kann und sollte einen substanziellen Beitrag zur dringend nötigen Neuaufstellung des Systems leisten, wie sie etwa im Rahmen des „Humanitarian Reset“ diskutiert wird.
Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen fordern wir die Bundesregierung nachdrücklich auf, von den geplanten Kürzungen in der Entwicklungsfinanzierung abzusehen. Zudem sollte Deutschland seinen Handlungsspielraum nutzen, um Ernährungssicherheit und das Recht auf Nahrung stärker international zu verankern. Hier bietet sich eine aktive Unterstützung des G20-Prozesses zur Umsetzung der Globalen Allianz gegen Hunger und Armut (GAHP) ebenso an wie eine engagierte Kooperation mit der Afrikanischen Union für die Umsetzung der CAADP-Kampala-Agenda. Angesichts zunehmender bewaffneter Konflikte sollte die Bundesregierung zudem eine Führungsrolle in einer vorausschauenden Friedenspolitik einnehmen, die allen Menschen und insbesondere Kindern ein Leben in Würde eröffnet.
Wir möchten Sie dazu einladen, den aktuellen Kompass als Wegweiser zu verstehen und gemeinsam mit uns die nächsten Schritte in Richtung einer gerechteren Welt ohne Armut, Hunger und Ungleichheit zu gehen.
Infografiken aus dem Kompass 2025 zum Download
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