Geld allein schafft noch keine Entwicklung. Aber ohne Geld sind Entwicklungszusammenarbeit und Nothilfe unmöglich. Deshalb ist es wichtig, dass Geberländer ihre Versprechen einhalten.
ODA-Zahlen 2025: Deutschland wird Spitzenreiter trotz massiver Kürzungen
Drastischer Rückgang der globalen Entwicklungsfinanzierung: Was die neuen Zahlen verraten.
Die Finanzierung für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe war 2024 bereits gesunken, 2025 jedoch ist sie eingebrochen. Das belegen die neuen Zahlen zur offiziellen Entwicklungshilfe (Official Development Assistance, ODA): die OECD-DAC-Länder haben 2025 174,3 Mrd. Dollar für Entwicklungszusammenarbeit ausgegeben, davon 14,9 Mrd. Dollar für humanitäre Hilfe. Noch 2024 waren es jeweils 223,9 Mrd, Dollar und 26,2 Mrd. Dollar.
Deutschland wird zum größten Geber
Zum ersten Mal lag Deutschland 2025 knapp vor den USA als größter ODA-Geber. Dies liegt hauptsächlich an der abrupten Schließung von USAID im Frühjahr 2025, die bis dahin größte Hilfsorganisation der Welt. Damit rückte Deutschland vom bisherigen zweiten Platz an die Spitze, trotz deutlicher Kürzungen in den Etats des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und des Auswärtigen Amtes. In absoluten Zahlen lag die Deutsche ODA 2025 mit 26 Mrd. Euro rund fünf Milliarden unter dem Wert von 2024.
Die ODA ist von 0,68 % des deutschen Bruttonationaleinkommens im Jahr 2024 auf 0,56 % gesunken. Eigentlich besteht die internationale Vereinbarung, 0,7 % des Bruttonationaleinkommens (BNE) dafür auszugeben; sie ist als Nachhaltigkeitsziel 17 in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen verankert. Es gibt viele Länder, die zwar kleiner als Deutschland sind, aber größerer Anteil an Bruttonationaleinkommen für die ODA bereitstellen – zum Beispiel Norwegen (1,03 %), Schweden (0,85 %) oder Niederlande (0,58 %).
Der Trend zu Kürzungen ist jedoch klar bemerkbar – 26 Geberländer haben in 2025 ihre ODA gekürzt. Vor allem die Kürzungen durch die fünf größten Geberländer (USA, Deutschland, Vereinigtes Königreich, Frankreich und Japan) fallen ins Gewicht. Die ersten vier davon reduzieren ihre Ausgaben schon das zweite Jahr in Folge und nehmen dabei bewusst hin, sich noch weiter von der Zielmarke zu entfernen.
Ein wachsender Teil der Mittel bleibt im Geberland
Seit Jahrzehnten gelten ODA-Ausgaben als Maßstab dafür, wie stark wohlhabende Länder Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe unterstützen. Dazu zählen Zuschüsse oder günstige Kredite aus öffentlichen Mitteln, vergeben „mit dem Hauptziel, die wirtschaftliche Entwicklung und den Wohlstand in Entwicklungsländern zu fördern“. Entscheidend ist dabei der OECD-Entwicklungsausschuss (DAC), der festlegt, was als ODA gilt. Länder des Globalen Südens kritisieren jedoch, dass sie über diese Regeln kaum mitbestimmen können, da sie in der OECD nicht vertreten sind.
Im Laufe der Zeit hat sich das ODA-System so entwickelt, dass heute viele Leistungen angerechnet werden, ohne dass tatsächlich Gelder von Geber- in Partnerländer fließen. Auch eine Reihe von Ausgaben im Inland zählen zur ODA, etwa die Unterbringung von Geflüchteten im ersten Jahr ihres Aufenthalts, Studienplätze für Studierende aus dem Ausland oder Verwaltungskosten. Dadurch ist Deutschland mit erheblichem Abstand der größte Empfänger seiner eigenen ODA. 2024 erhielt die Ukraine als zweitgrößtes Empfängerland rund ein Zehntel der in Deutschland verausgabten Mittel. Somit entsteht durch die ODA-Statistik ein verzerrtes Bild des Engagements für globale Entwicklung und humanitäre Hilfe.
Steigende Ansprüche bei sinkenden Mitteln
Darüber hinaus gibt es immer mehr Ziele, die mit ODA erreicht werden sollen. Humanitäre Hilfe zählt schon immer dazu, auch wenn sie als Nothilfe nicht direkt zu wirtschaftlicher Entwicklung und Wohlstand beiträgt. Außerdem beanspruchen sogenannte globale öffentliche Güter, wie die internationale Klimafinanzierung, einen immer größeren Anteil der Mittel. Gleichzeitig sinkt der Anteil für lokale Entwicklungsbedarfe und nationale Entwicklungsstrategien, etwa zur Armutsbekämpfung. Die wachsenden Ansprüche und die schrumpfenden Mittel geraten zunehmend in Widerspruch.
Die Rolle der ODA neu definieren
Unterdessen ist das Finanzierungsziel – 0,7 % des BNE – seit 56 Jahren unverändert. Die OECD-DAC-Mitglieder haben dieses Ziel nie alle gleichzeitig erreicht und liegen seit Jahren deutlich darunter (2024 lag ihre ODA-Quote bei 0,34 % ihres gesamten BNE, 2025 nur bei 0,26 %). Dabei ist auch klar, dass sich die Kapazitäten vieler Länder im Globalen Süden verändert haben – und damit auch die Frage, wie die Kosten für nachhaltige Entwicklung künftig verteilt werden. Die Rolle der ODA – also wo sie nicht zu ersetzen ist und wo sie eine Schlüsselrolle spielen kann – muss neu definiert werden. In jedem Fall braucht es klare Finanzierungsziele, um ihre politische Priorität zu sichern. In vielen Bereichen gibt es bereits konkrete Orientierungsgrößen hierfür, z. B. 21 Milliarden Dollar jährlich, um 700 Millionen Menschen bis 2040 von Hunger zu befreien.
Als größter Geber von ODA liegt es im deutschen Interesse, die Relevanz dieses Maßstabs zu stärken – insbesondere als Beweis für Deutschlands Verlässlichkeit als internationaler Partner. Deswegen sollte Deutschland seine Vorreiterrolle nutzen, um mutige Reformen im ODA-System voranzutreiben – andernfalls droht ODA zu einer bloßen Statistik zu verkommen, die kaum noch Aussagekraft hat. Vor allem sollten die Länder des Globalen Süden in die Diskussionen rund um die Zukunft der ODA stärker miteinbezogen werden. Die Frage, wie Lasten globaler Herausforderungen verteilt und knappe ODA-Mittel am besten genutzt werden sollen, braucht eine Debatte über die Geberländer hinaus. Zudem werden spätestens in der Diskussion um eine Nachfolge der Agenda 2030 neue finanzielle Verpflichtungen ins Spiel gebracht werden. Die Bundesregierung sollte die eigentliche Idee hinter der ODA stärken, in dem sie Mittel zur Bekämpfung von Armut und Hunger vor Kürzungen schützt und Zielgrößen aus den realen Bedarfen ableitet.