GFFA 2026: Warum die Landwirtschaft bei der internationalen Wasserpolitik eine Schlüsselrolle spielt
Die Agrarministerkonferenz will im Vorfeld der UN-Wasserkonferenz 2026 eine starke Stimme einbringen – und dem Thema "Wasser und Ernährungssicherheit" mehr Sichtbarkeit verleihen.
Alle in der Welternährung geäußerten Ansichten sind die der Autor*innen und spiegeln nicht zwangsläufig die Ansichten oder die Positionen der Welternährungsredaktion oder der Welthungerhilfe wider.
Ohne Wasser keine Ernten: Diese Botschaft steht im Fokus unseres Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) 2026 – der weltweit größten informellen Agrarministerkonferenz mit rund 70 Agrarministerinnen und Agrarministern. Wir wollen die Stimme der Landwirtschaft im Vorfeld der UN-Wasserkonferenz 2026 stärken. Denn Landwirtschaft braucht ausreichend Wasser, um Lebensmittel zu produzieren und zur Ernährungssicherheit beizutragen. Deshalb sollte die Landwirtschaft auch mit am Tisch der internationalen Wasserpolitik sitzen. Auch deshalb, weil sie auf vielfältige Weise dazu beitragen kann, die Wasserresilienz zu stärken.
Wasser ist keine beliebige Ressource. Es ist die Grundlage allen Lebens und Wirtschaftens. Der Zugang zu ausreichend Wasser in guter Qualität ist deshalb eng mit dem Recht auf Nahrung verknüpft. Deshalb haben wir das GFFA 2026 auch unter den Titel gesetzt: „Wasser. Ernten. Unsere Zukunft.“
Schon heute sind über zwei Milliarden Menschen von Wasserstress betroffen – und die Herausforderungen wachsen weiter. Zu den Gründen zählen der Klimawandel, die Übernutzung und Verschmutzung von Wasserressourcen sowie der wachsende Wettbewerb um Wasser mit anderen Sektoren. Auch in unseren gemäßigten Breiten kommt es zunehmend - temporär und regional – zu Wasserknappheit.
Global gesehen ist die Landwirtschaft der größte Wassernutzer – wobei es natürlich große Unterschiede gibt. Deshalb ist die Landwirtschaft auch besonders stark von Wasserknappheit, veränderten Niederschlagsmustern und Extremwetterereignissen betroffen. Gleichzeitig können wir über die Landwirtschaft als Schlüsselakteur auch viel bewegen: Mit nachhaltigen und effizienten Methoden kann sie entscheidend zur Lösung der globalen Wasserkrise beitragen. Es muss gelingen, genügend Nahrung für die wachsende Weltbevölkerung zu produzieren und gleichzeitig wertvolle Wasserressourcen zu schonen. Diese doppelte Herausforderung macht die Wasserresilienz zu einem der weltweit wichtigsten Themen unserer Zeit.
GFFA 2026: Landwirtschaft und Wasser als zentrales Thema
Das GFFA 2026, das mein Ministerium ausrichtet, setzt genau hier an. Nach der historischen UN-Wasserkonferenz 2023, die einen starken Impuls für mehr Engagement und Zusammenarbeit in der Wasserpolitik gesetzt hat, wollen wir mit dem GFFA 2026 diesen Schwung nutzen und dabei den Fokus auf die Landwirtschaft legen. Ziel ist es, eine starke Stimme für die Landwirtschaft und Fischerei in den internationalen Dialog einzubringen und dem Thema "Wasser und Ernährungssicherheit" international zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen. Als weltweit größte informelle Agrarministerkonferenz haben wir auch das notwendige Gewicht, um gleich zu Beginn des Jahres ein starkes Signal zu senden. Dabei werden vier Schlüsselthemen in den Fokus nehmen:
1. Wasser nachhaltig nutzen
Ein umsichtiger Umgang mit Wasserressourcen wird immer wichtiger, um der globalen Wasserkrise und dem weltweit steigenden Wasserbedarf zu begegnen. Wir brauchen intelligente Lösungen, die die Wasserresilienz der Landwirtschaft stärken und gleichzeitig zum Schutz der natürlichen Ressourcengrundlagen beitragen. Das können nachhaltige landwirtschaftliche Produktionsmethoden sein, die den Wasserrückhalt der Böden stärken und zu einem schadstofffreien Grund- und Oberflächenwasser beitragen. Aber auch naturbasierte Lösungen spielen eine entscheidende Rolle. Beispiele dafür sind die Förderung des Humusgehalts, der Erhalt von Feuchtgebieten und der Erhalt von Waldflächen und der Waldumbau. Weitere wichtige Faktoren sind eine praxisorientierte inter- und transdisziplinäre Forschung, der Ausbau einer effizienten Infrastruktur und innovative Technologien. Auf dem GFFA 2026 werden wir anhand von Best-Practice-Beispielen sehen, wie diese Lösungsansätze ganz konkret aussehen können.
2. Blaue Bioökonomie fördern
Der maritime Raum und die Nutzung aquatischer Ressourcen sind ein weiteres Schlüssel-element, um die globale Wasserkrise zu bewältigen. Die Blaue Bioökonomie beschäftigt sich mit der nachhaltigen Nutzung von marinen und aquatischen Ressourcen. Darin liegen Chancen, neue Einkommensquellen zu erschließen und gleichzeitig Umweltschutz zu betreiben. Der Anbau von Seegras, Algen und Muscheln kann nicht nur zur Kohlenstoff-bindung und zur Verbesserung der Wasserqualität beitragen, sondern auch zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Einkommensmöglichkeiten in ländlichen Küstenregionen, insbesondere im Globalen Süden. Deshalb wollen wir mit dem GFFA 2026 einen internationalen Dialog über die Möglichkeiten und Herausforderungen der Blauen Bioökonomie anstoßen.
3. Nutzungskonkurrenzen konstruktiv lösen
Um eine nachhaltige und resiliente Wasserbewirtschaftung zu fördern, braucht es starke rechtliche Rahmenbedingungen und Institutionen, klare Vereinbarungen und die Zusammenarbeit aller Stakeholder. Deshalb wollen wir auf dem GFFA 2026 Lösungen diskutieren, wie Nutzungskonkurrenzen verschiedener Sektoren vermieden oder konstruktiv gelöst werden können. Klare und sichere Wasserrechte sind auch entscheidend, um den Zugang zu Wasser auch für vulnerable Gruppen zu sichern. Auch den Zusammenhang zwischen Wasser, Ernährungssicherung und politischer Stabilität wollen wir näher beleuchten und diskutieren.
4. Internationale Wasser-Governance stärken
Die internationale Wasserpolitik ist entscheidend, um Wasserstress wirksam zu bekämpfen. Gerade bei einem komplexen und grenzüberschreitenden Thema wie „Wasser“ sind internationale Zusammenarbeit, Governance und Wissensaustausch von größter Bedeutung. Hier können und wollen wir alle gemeinsam noch besser werden. Denn noch wirkt die internationale Wasser-Governance manchmal wie Stückwerk. Das GFFA 2026 bietet die Möglichkeit, neue Wege für die internationale Zusammenarbeit zu entwickeln und zu diskutieren, wie wir die Fragmentierung in der internationalen Wasser-Governance gemeinsam überwinden. Dabei wird es ganz wesentlich darum gehen, wie sich die Landwirtschaft als zentraler Akteur besser in der Wasserpolitik positionieren kann.
Gemeinsam mit der Landwirtschaft Wege zu mehr Wasserresilienz finden
Die Welt steht vor einer doppelten Herausforderung: Wie können wir die wachsende Nachfrage nach Wasser und Nahrungsmitteln befriedigen und gleichzeitig die Wasserressourcen nachhaltig nutzen und schützen? Das GFFA 2026 bietet eine einmalige Gelegenheit, dies auf globaler Ebene zu diskutieren und Lösungen zu entwickeln, die die regional unterschiedlichen Bedürfnisse der Landwirtschaft und der Fischerei berücksichtigen.
Das GFFA 2026 kann einen entscheidenden Beitrag zur Lösung der globalen Wasserkrise leisten – durch einen stärkeren internationalen Dialog und die Förderung nachhaltiger und effizienter Praktiken und Technologien. Auf dem GFFA wird die internationale Gemeinschaft zusammenkommen, um Wege zu mehr Wasserresilienz zu finden. Die Landwirtschaft spielt dabei eine Schlüsselrolle – und wird auf dem GFFA 2026 die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdient.
Ich freue mich darauf, Sie im Januar auf dem 18. Global Forum for Food and Agriculture in Berlin zu begrüßen!
